Der Abschied von Louis wird ein Fest

Ein Reichenbacher Paar hat seinen kleinen Sohn bei einem Unfall verloren. Den "Sternenflug" ihres Kindes will Familie Höfer ganz groß feiern - die Resonanz auf einem Spenden-Portal ist riesig.

Reichenbach.

Jeden Morgen wachen Katrin und Johannes Höfer auf und glauben für ein paar Augenblicke, ihr kleiner Louis läge noch an ihrer Seite. Doch Louis lebt nicht mehr. Der geliebte Sohn wurde zwei Jahre, sechs Monate und 13 Tage alt. So schreibt es der Vize-Vorsitzende des Linke-Ortsverbandes Reichenbach auf seinem Facebook-Profil. Von dort führt ein Link auf eine Seite, über die Geld gespendet werden kann. "Für einen schönen Abschied", wie die Eltern mitteilen. Die Resonanz im Netz ist riesig. Mehr als 7000 Euro sind in drei Tagen eingegangen, gegeben mit Worten des Mitgefühls. Für den "Sternenflug" von Louis, schreibt eine Frau.

Auch am Klingenthaler Stadtrand ist die Anteilnahme groß. Dort, am Wohnhaus der Schwester von Johannes Höfer, stand jetzt eine Vase mit einem in allen Farben schillernden Strauß Gartenblumen und einem Trost spendenden Satz aus der Bibel. Im Haus gehen seit ein paar Tagen Verwandte und Freunde ein und aus. Katrin und Johannes Höfer kümmern sich von dort aus um die Beerdigung ihres Sohnes. Und sie sammeln Kraft für den schweren Weg in ihr Reichenbacher Zuhause, in dem alles an das Glück mit Louis erinnert. Kraft für den Weg zurück in die Wohnung, die von den Eltern, Louis und dessen kleiner Schwester Amelie erst vor kurzer Zeit für einen Urlaub bei Verwandten im Ausland verlassen worden war.


In Ungarn, an einem Ferienhaus an der Donau, war Louis vor anderthalb Wochen unbemerkt ins Wasser gefallen und konnte erst Minuten später ans Ufer geholt werden. Dort brachten die Familie und herbeigeeilte Sanitäter das Herz des Jungen wieder zum Schlagen. Doch die Atmung stellte sich weder in einem mit dem Rettungshubschrauber erreichten ungarischen Krankenhaus noch nach dem Rückflug nach Deutschland wieder ein. Louis kam auch auf der Intensivstation der Uniklinik Dresden nicht wieder zu sich, Hirnaktivitäten waren nicht mehr feststellbar.

"Wir waren immer bei ihm, haben mit ihm gekuschelt und ihm all unsere Liebe mitgegeben", erzählt Katrin Höfer von einem dann folgenden Entschluss. Als die Ärzte die Eltern auf eine Organspende angesprochen haben, stimmte das Paar nach einer Nacht Bedenkzeit zu. "Weil Louis hilfsbereit war und so gerne geteilt hat, ist das in seinem Sinne. Er hätte gewollt, dass dank seiner Hilfe zwei andere Kinder leben können." Und so schlägt das Herz von Louis jetzt in der Brust eines fünfjährigen Jungen, seine Leber rettete ein zweijähriges Kind.

So wie die Familien dieser Kinder nun zweimal im Jahr nachdenklich wie ausgelassen Geburtstag feiern, so will Familie Höfer auch den Abschied von Louis feiern. Trotz allen Schmerzes mit einem großen, bunten Kinderfest, mit vielen Luftballons, auf einer Hüpfburg tobenden Kindern, mit Musik, die ihr Junge gerne gehört hat, und vielen lachenden kleinen und großen Gästen. "Alle, die Louis kannten, sind dazu eingeladen. Auch jene, die nicht spenden konnten. Jeder, der sich angesprochen fühlt, darf dabei sein. Wir wollen ein Fest, an dem auch Louis seine Freude gehabt hätte", sagt Johannes Höfer.

Dieser "Sternenflug" des Sohnes beginnt entweder am 31. August oder am 7. September. Abhängig ist das vom Tag der Beerdigung, der noch nicht feststeht. Während die Erdbestattung um die Mittagszeit auf dem Reichenbacher Hauptfriedhof im engsten Familienkreis stattfindet, soll die Feier andernorts steigen. Vielleicht auf einem Platz, auf dem Louis als aufgeweckter und fußballbegeisterter Knirps geschätzt wurde. "Da finden wir einen passenden Ort", sagt die Mutter. Informationen dazu gibt es zu gegebener Zeit auf Facebook.

Via Internet wie auf dem Kinderfest wird sich die Familie auch bei den Spendern bedanken. Mit den Geldern finanzieren die Höfers die Bestattung und das Grab von Louis sowie das Abschiedsfest. "Wenn dann immer noch Geld da sein sollte, verwenden wir es ausschließlich im Sinne unseres Sohnes", sagt Katrin Höfer und beschreibt Louis als einen Jungen, der das pulsierende Leben geliebt hat, der nach einem Streich alle mit seinem Lächeln um den Finger wickeln konnte und der so früh schon eine fürsorgliche Ader hatte. "Er hat seiner Schwester Spielzeug in den Stubenwagen gelegt, damit sie auch spielen kann. Er hat ein Tuch geholt, wenn sie gespuckt hat, hat ihr den Schnuller gegeben, wenn sie geweint hat und ihr gesagt ,Alles gut, Amelie, Louis da.'"

Der folgende Link führt auf eine von Familie Höfer eingerichtete Seite, über die das Spenden für Louis' Abschied möglich ist. www.freiepresse.de/louis

Bewertung des Artikels: Ø 4.3 Sterne bei 10 Bewertungen
1Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 23
    0
    Juri
    21.08.2019

    Trauern in der Gemeinschaft. Ein uralter, für alle Betroffenen hilfreicher Brauch in zahlreichen Kulturen. Ich finde das menschlich vorbildlich, wie die Eltern mit dem Verlust ihres geliebten Kindes umgehen. Nur bitte aufpassen, dass kein Zirkus daraus wird.



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