Der erste Blick: "Das sieht ganz cool aus"

Mein Traumberuf André Schädlich hatte mit Lego angefangen. Nun arbeitet er mit größerer Technik. In einer Serie stellt die "Freie Presse" junge Vogtländer mit bodenständigen Tätigkeiten vor, die man in der Region erlernen und ausüben kann. Heute: Kfz-Mechatroniker.

Brockau.

André Schädlich wusste schon in der Schulzeit, was er später werden wollte. Der heute 21-Jährige erinnert sich: "Ich war mit meinem Vater hier in der Werkstatt zum Räderwechsel und schaute zu. Da dachte ich mir, das sieht ganz cool aus. Das war so in der sechsten oder siebten Klasse." Das Praktikum bei Auto Horlbeck im Netzschkauer Ortsteil Brockau in der neunten Klasse war folgerichtig. Da hatte der Schüler schon ein wenig Schrauber-Erfahrung - er wohnt in der Siedlung Rückisch zwischen Brockau und dem Coschützer Ortsteil Losa, und die verlässt man in diesem Alter selbstständig am besten mit dem Moped.

Das Rüstzeug vervollkommnete der junge Mann in der Arbeitsgemeinschaft Technik der Oberschule Netzschkau, wo Zweiradfachmann Hartmut Neumann sich um die Jungs kümmerte. Der junge Kfz-Mechatroniker erinnert sich: "Ich habe mal einen Rasenmäher-Motor zerlegt und wieder zusammengebaut. Er funktionierte hinterher wieder, das Ziel war erreicht." Vielleicht haben auch die Lego-Technik-Modelle im früheren Kinderzimmer schon auf handwerkliches Geschick und technische Begabung hingedeutet. Damals verzauberte André Schädlich gerade musikalisch als "dr klaane Blitz" das Publikum, mit Vater Uwe Schädlich und den Lachtalern. Heute sitzt er dort und bei der LTR Partyband noch am Schlagzeug. Er sagt: "Eigentlich bin ich mit der Musik groß geworden. Doch sie bleibt mein Hobby, denn davon kann ich nicht leben." Mit der erfolgreichen ersten Bewerbung im Kfz-Handwerksbetrieb wurden die Weichen für das Berufsleben gestellt.


Sein Seniorchef Dietmar Horlbeck sagt: "Der Beruf ist schon anspruchsvoll. Früher haben wir Kfz-Mechaniker ausgebildet. Inzwischen gibt es so viel Elektrik und Elektronik in den Autos, dass sich das Berufsbild vollkommen geändert hat." Er sieht die Branche vor Umbrüchen, zum Beispiel durch die Elektromobilität. "Ich rechne jedoch damit, dass aufgrund der gestiegenen Fahrzeugpreise die Leute ihr Auto länger fahren. Das bringt mehr Wartungs- und Reparaturaufwand mit sich", sagte er. Und für alle Handwerker die fortwährende Weiterqualifikation - lebenslanges Lernen also. Der Seniorchef: "So etwa fünf fachspezifische Lehrgänge bei Ford absolviert jeder unserer Mitarbeiter im Jahr. Zurzeit ist Elektromobilität ein großes Thema. Und das autonome Fahren, wo Ford ziemlich weit ist und deshalb mit VW kooperiert, wo E-Mobilität fortgeschrittener ist."

Der Nachwuchs-Mechatroniker: "Das Thema finde ich spannend. Man sieht daran, dass die Entwicklung immer weitergeht." Auch auf ihn, der seine Ausbildung erst im März beendet hat, warten solche Qualifizierungen. Dabei hat er das Rüstzeug erst erhalten: "Wir hatten nacheinander verschiedene Lernfelder, zum Beispiel Fahrzeuge und Systeme warten und inspizieren, Bauteile und Systeme instand halten, Antriebskomponenten reparieren, vernetzte Antriebs-, Komfort- und Sicherheitssysteme oder mechatronische Systeme des Antriebsmanagements diagnostizieren." Neben der Berufsschule musste er an überbetrieblichen Lehrgängen der Handwerkskammer teilnehmen.

Auch der Erwerb von Fertigkeiten zum Beispiel in der Metallbearbeitung gehörten dazu. Ein Kfz-Mechatroniker muss relativ selbstständig arbeiten, obwohl der Meister mit hinschaut und sich die Mitarbeiter über Probleme austauschen. Der Seniorchef: "Die Lehrlinge wachsen hinein und bekommen erst kleinere Aufgaben, dann wird es immer mehr. Bei der Arbeit steht keiner dahinter." Er hat die Werkstatt und das Autohaus nach 1989 gegründet. Horlbeck erinnert sich an Zeiten, als sich die Bewerbungen stapelten. Zurzeit gehören zwei Lehrlinge zum Unternehmen. Ein weiterer war den Anforderungen nicht gewachsen. Dietmar Horlbeck: "Schülerpraktika sind eine gute Sache, um den Beruf kennenzulernen. So etwa alle zwei Jahre gibt es einen Tag der offenen Tür bei uns. Wir müssen etwas tun, um gute Lehrlinge zu bekommen." Deshalb sei man vom reinen Zuschauen weggekommen: "Wir haben zum Beispiel einen Motor aus dem Schrottcontainer geholt, den die Schüler zerlegen durften. Viele Dinge werden ja nicht mehr repariert, sondern nur noch ausgetauscht. Da ist es gut, wenn man so etwas aus nächster Nähe betrachten kann."

André Schädlich möchte in der Heimat bleiben: "Ich habe nicht vor, wegzugehen. Ich bin hier aufgewachsen, habe meine Familie hier, mein Hobby, meine Freunde." Die Liebe zum Beruf ist dazugekommen.

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Fakten zum Mechatroniker

Das Schönste am Beruf?

"Der Beruf ist vielseitig und abwechslungsreich", sagt André Schädlich.

Das Schlimmste an dem Beruf? "Zweimal im Jahr Räder wechseln. Das ist eintönig, muss aber gemacht werden. Oder wenn es im Winter von den Autos tropft", erklärt der 21-Jährige. Ganz schlimm stelle er sich einen Brand in der Werkstatt vor.

Ausbildung?

"Die Ausbildung dauert dreieinhalb Jahre. Meine Berufsschule war in Oelsnitz. Überbetriebliche Lehrgänge hatten wir bei der Handwerkskammer in Plauen oder Chemnitz", so der Kfz-Mechatroniker.

Was verdient man? Lehrlinge erhalten zwischen 530 und 700 Euro, je nach Lehrjahr. Die Vergütungen pro Stunde variieren. "Nach der Ausbildung zwischen 10 und 13 Euro, Tendenz steigend", so Dietmar Horlbeck.

Was muss man können?

Schädlich: "Grundkenntnisse in Mathematik und Physik sowie technisches Verständnis sind wichtig. Handwerkliches Geschick ist von Vorteil. Grundsätzlich können den Beruf auch Mädchen ausüben."

Für wen ist das nichts? "Wer sich nicht für Autos interessiert und auch kein technisches Interesse hat, sollte etwas anderes lernen. Auch wer nur am Schreibtisch sitzen will, ist ungeeignet", so André Schädlich. (pstp)

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