"Der kleine Lord" erwärmt vor Weihnachten die Herzen

In Regie von Christian Hanisch spielt das Neuberin-Ensemble die Geschichte nach dem Kinderbuch von Frances Hodgson Burnett. Am Sonntag ist Premiere.

Reichenbach.

Weiter könnten der kleine Cedric und sein englischer Großvater, der Earl of Dorincourt, gar nicht auseinander sitzen, als in der Szene, in der sie im Schloss speisen. Beide an den Stirnseiten einer schier endlosen Tafel, die fast die ganze große Bühne im Neuberinhaus einnimmt. Doch Cedric überwindet diese Distanz einfach spielerisch und lädt den Großvater zum Murmelspiel ein.

Es ist eine der Schlüsselszenen im diesjährigen Weihnachtsstück des Neuberin-Ensembles "Der kleine Lord" nach dem 1886 erschienenen Kinderbuch von Frances Hodgson Burnett, die einst mit ihrer Familie aus Manchester in die USA ausgewandert war. Zum dritten Mal in Folge führt dabei Christian Hanisch, Künstlerischer Leiter der Cammerspiele Leipzig, Regie. "Das ist eine sehr herzerwärmende Geschichte. Genau richtig für die Weihnachtszeit", sagt er.

Pate stand dabei nicht die in Deutschland beliebte britische Verfilmung von Jack Gold aus dem Jahr 1980 mit Sir Alec Guinness als Earl. Stattdessen habe man laut Hanisch Anleihen beim US-Film von John Cromwell aus dem Jahr 1936 genommen, aber auch einiges verändert und umgeschrieben.

Die Story: Der in New York in den USA aufgewachsene Cedric, hervorgegangen aus der standeswidrigen Ehe des verstorbenen jüngsten Sohnes des Earls und letzter verbliebener Anwärter auf den Grafentitel, wird bei seinem als kaltherzig geltenden Großvater in England aufgenommen. Stück für Stück schafft es der kleine Lord Fauntleroy, dass sein Großvater Liebe und Großzügigkeit zeigt. Das gilt sowohl für das Armenviertel des Dorfes als auch für den Umgang mit Cedrics Mutter, die zunächst unweit des Schlosses leben muss, weil sie das Anwesen des Earls nicht betreten darf. Zwischendurch wird dank Cedrics Freunden aus Amerika auch noch eine Betrügerin entlarvt, die dem Earl einen falschen Enkel unterjubeln will.

Seit einem Vierteljahr studiert das Ensemble das Stück ein. Bei der ersten Probe auf der großen Bühne im Neuberinhaus ging es jetzt erst einmal darum, den ganzen Raum inklusive Vorbühne zu bespielen, auszuloten, aus welcher seitlichen Gasse wer auftritt und wo wer abgeht. Ist auch auf den Plätzen links und rechts außen im Parkett alles zu sehen?

Die Drehbühne wird erneut beim Szenenwechsel genutzt. Reisetruhen lagen schon parat. Kutsche und einiges mehr folgen. An den Zügen sollen Kronleuchter und Ahnenbilder montiert werden. US- und britische Flagge sind an Fahnenmasten an den Seiten aufgezogen. Die Musik, die noch aus der Konserve kam, werden letztendlich Musiker der Musikschule Vogtland live auf der Bühne spielen. Sie intonieren die Hymnen und untermalen das Stück. Am Ende feiern alle zehn Darsteller und besingen mit "Auld Lang Syne" die "guten alten Zeiten". Da darf auch das Publikum einstimmen.

Nicht alles klappte auf der großen Bühne auf Anhieb. So ging bei Dirk Husse, der den Großvater spielt, beim Aufstampfen der Gehstock kaputt. Und bei Felix Burghardt, der den Enkel mimt, dauerte es noch zu lange, den Frack anzuziehen. Burghardt ist 23 Jahre alt und macht an der Fachschule in Zwickau gerade seinen Landwirtschaftsmeister. Theater spielte der junge Mann aus dem Neumarker Ortsteil Schönbach früher schon in Schul-AGs. Beim Neuberin-Ensemble ist er von Anfang an dabei, seit 2011. Die Schauspielerei macht ihm Spaß. Das Stück "Der Kleine Lord" findet er lustig und anrührend. Dazu, dass er dabei einen Siebenjährigen spielt, meint er: "Das passt schon. Ich habe ja schon öfter kleine Buben gespielt." 2017 im Märchen "Die verzauberten Brüder" zum Beispiel den kecken Iwanuschka.

Jetzt fiebern alle der Premiere am Sonntag, 8. Dezember, 15 Uhr im großen Saal des Neuberinhauses entgegen. "Die Schülervorstellungen am 10., 11. und 12. Dezember, jeweils 9.30 Uhr, sind ausverkauft. Zusätzlich gibt es daher am 11. Dezember, 11.30 Uhr noch eine", erklärt Ronald Böhm, Leiter des Neuberinhauses. Öffentliche Vorstellungen folgen zudem am 13. Dezember, 19 Uhr, und am 14. Dezember, 15 Uhr.

Tickets für 9,50 Euro, ermäßigt 6 Euro (Kinder, Schüler, Studenten) gibt es im Neuberinhaus Reichenbach, Weinholdstraße 7, Telefon 03765 12188.

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