Der Kleinspecht rückt ins Zentrum

Vogtländische Ornithologen haben sich am Samstag in Mühlwand getroffen. Plädoyer für Schutzgebiet Elstersteilhänge.

Mühlwand.

Große Aufmerksamkeit für einen kleinen Vogel. Dafür warb der Plauener Frank Müller, der im Gasthof zum Grünen Tal Mühlwand den Kleinspecht vorstellte. Dort trafen sich am Samstag die vogtländischen Ornithologen im angestammte Versammlungsort der Reichenbacher Ortsgruppe, die das Frühjahrstreffen für die vier vogtländlichen Ortsgruppen erstmals ausgerichtet hat. Insgesamt 30 Vogelfreunde nahmen teil.

Müller berichtete, dass die Datenlage über diese Art aus der Gattung der Buntspechte veraltet oder unzureichend sei. Sie kommen vorwiegend in Fluss- und Bachtälern bis 500 Meter Höhe vor, im Vogtland vor allem im Elstertal. Dabei bevorzugen sie Reviere mit ausreichend Totholz. Da die Dichte der beobachteten Gebiete gering sei, warb der Plauener Ortsgruppenvorsitzende um mehr Aufmerksamkeit für den relativ kleinen Vogel. Interessant seien Reviere, Brutzeit, Nachkommen und ähnliche Daten.

Über 500 Nistkästen und 100 Nisthilfen hat die Reichenbacher Gruppe in Obhut. Sie werden jedes Jahr gepflegt und gereinigt. Bei den großen Brütern wird ab und zu vorbeigeschaut, um zu wissen, wie viele Nachkommen die Vögel dort aufziehen. Ein Ort ist dabei Schloss Netzschkau, wo regelmäßig Dohlen und Turmfalken brüten. Außerdem beobachten die Ornithologen seit 1967 die Vögel der Talsperre Pöhl. "Wenn man über zwei Jahrzehnte schaut, ist die Tendenz rückläufig. Wir verzeichnen weniger Vögel und weniger Arten. Das kann aber auch daran liegen, dass einige Vögel in der neuen Leipziger Seenlandschaft einen neuen Lebensraum gefunden haben", sagte Ornithologe Eberhard Fröhlich.

Dass täglich über 1000 Großmöwen gezählt werden, sei für ihn ein neues Phänomen, das er seit drei Jahren beobachte. Andere Vogelarten seien rückläufig, darunter einige Entenarten. "Die moderne Agrarbewirtschaftung nimmt vielen Vogelarten den Lebensraum", beklagt er die Situation, die Hecken und Rückzugsmöglichkeiten verschwinden und durch Dünger und Pestizide Nahrungsquellen versiegen lässt.

Die vogtländischen Ornithologen setzen sich für die Ausweisung des Schutzgebietes Elstersteilhänge ein, gegen wirtschaftliche und andere Interessen. "Man kann nicht Freizeitaktivitäten gegen Naturschutz aufwiegen", so Fröhlich.

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