Der lange Tag auf der Piazza

1000 Besucher: Der Reichenbacher Solbrigplatz dürfte beim Tag der Architektur am Samstag zu den bestbesuchten Objekten deutschlandweit gehört haben. Für ungewohntes Flair hatten mehrere Akteure und Aktionen gesorgt. Tenor: In die Stadt kommt Bewegung.

Reichenbach.

Eine Kombination aus Architektur, Kunst und Genuss hat am Samstag etwa 1000 Besucher auf den Reichenbacher Solbrigplatz gelockt. Bauherr Wohnungsbaugesellschaft Woba Reichenbach, das Architekturbüro Aboa Zwickau, der Verein Kunsthalle Vogtland inklusive der Ibug-Industriebrachenumgestaltung, die Mitarbeiter des Marketingbüros Realitätsverlust sowie viele Helfer sorgten für ein kompaktes Programm vom Nachmittag bis nach Mitternacht und gaben dabei schon einen Vorgeschmack auf das künftige Aussehen des Solbrigplatzes. Anlass für das Ganze war der bundesweite Tag der Architektur. Und der verfehlte seine Wirkung in Reichenbach nicht. Frank Lorenz vom Verein Kunsthalle: "Zeitweise vergaß man, dass man sich in Reichenbach befindet - der belebte Solbrigplatz mit dem wunderschön angeleuchtete Stadtpalast, den großen runden weißen Tischen, den vielen zufriedenen Menschen und der Musik in lauer Sommernacht erinnerte eher an eine italienische Piazza als einen vom Durchgangsverkehr gequälten und ansonsten fast unbewohnten Platz."

Und die Nachfrage war groß. Bis 20 Uhr waren die Führungen im gerade entstehenden Ärzte-Wohnhaus am Solbrigplatz geplant. Aber erst 21 Uhr konnten die Aboa-Architekten die Tür zur Baustelle schließen. Zu diesem Zeitpunkt hatten Jasmin Hanel und Michael Uhlig 25 Gruppen mit rund 500 Besuchern durch das Haus Solbrigplatz 8 geführt. "Die Woba-Baustelle in Reichenbach dürfte eines der am meist besuchten Objekte zum deutschlandweiten Tag der Architektur gewesen sein", schätzte Michael Uhlig ein. Das Architekturbüro Aboa beteiligt sich seit über zehn Jahren an dem bundesweiten Tag. "Wir zeigen jedes Jahr ein Projekt, das gerade im Bau ist. So einen hohen Zuspruch hatten wir noch nie", sagte der Architekt.

Im Nachbarhaus wurden die Bilder und Installationen der Ibug-Künstler bis 24 Uhr bewundert, begutachtet oder argwöhnisch beäugt. "Das eine Bild könnte gleich bleiben, wenn ich hier einziehen würde", sagte Gewerbevereinschef Benedikt Lommer. Wie er fanden es viele Gäste schade, dass die Kunstwerke wieder verschwinden - doch das stimmt nicht ganz. "Die meisten Bilder verbleiben unter der Gipskartonverschalung. So besteht die Möglichkeit, dass sie im Rahmen einer Sanierung in 50 oder 60 Jahren wiederentdeckt werden - einer Zeit also, in der sich niemand mehr an den Tag der Architektur 2017 erinnern wird", blickte Frank Lorenz voraus.

Während einige Besucher von Luxus pur in den Woba-Häusern sprachen und das auch am künftigen Mietpreis festmachten, sieht Dieter Ullmann noch Handlungsbedarf. "Luxus ist es erst, wenn der Ausblick auf gegenüberliegende Fassaden perfekt ist. Wir freuen uns über jede neue Fassade und jede kleine Entwicklung in Reichenbach", erklärte er. Mit Streetart könnte in der Stadt viel gemacht werden, nannte er eine Variante zur Stadtverschönerung. Die Stadtwerke mit ihren bemalten Stromkästen seien ein Anfang. Dass sich in Reichenbach bereits viel verändert hat, fand Petra Rudolph. Sie hatte die im Haus ausgestellten Vorher-Nachher-Bilder von Woba-Projekten angeschaut. "Man vergisst schnell. Erst wenn man das in der Masse sieht, wird einem die Veränderung bewusst", sagte die Besucherin.

Am Abend erstrahlte der Solbrigplatz dann in farbigem Licht. Dabei wurde der problembehaftete Stadtpalast zu neuem Leben erweckt, was einen Vorgeschmack auf eine mögliche Gestaltung des Areals gab. Hinter den Fenstern des ehemaligen Finanzamtes Solbrigplatz spielte sich pralles Leben ab, gepaart mit Fantasie in Licht- und Schattenspielen. "Es gibt Grundideen zur Gestaltung des Platzes", sagte Reichenbachs OB Raphael Kürzinger (CDU). Ein Konzept dazu werde gerade erarbeitet.

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