Der lange Weg zum modernen Löschwesen

Retten, Bergen, Löschen, Schützen: Seit 155 Jahren bestehen Freiwillige Feuerwehren in Reichenbach. Es hatte sportlich begonnen.

Reichenbach.

Große Stadtbrände waren in mittelalterlicher Zeit das Schicksal in vielen Städten, so auch in Reichenbach: 1430, 1547, 1613, 1626, 1632, 1720, 1773 und 1833. Der letzte große Stadtbrand vernichtete das in der Mitte des Marktes stehende Rathaus.

Über den Brand von 1833 steht in der Chronik: "Am 2. Juni 1833, einem Sonntag mit schönstem Wetter, als sich die Mehrzahl der Bürger im Freien ergingen, brach nachmittags kurz nach vier Uhr im Hause des Nadlermeisters Schneider Am Graben Nr. 8 ein Dachstuhlbrand aus." Die durch wochenlange Dürre ausgetrockneten Schindeldächer entzündeten sich in den Straßen und Gassen gleichzeitig ..." Innerhalb von drei Stunden waren 310 Wohnhäuser ein Raub der Flammen geworden. Mehr als 2000 Menschen hatten ihr Hab und Gut verloren.

Obwohl es bereits Feuerlöschordnungen gab, reichten die Bestimmungen nicht aus, um Großbrände zu verhindern und wirksam zu bekämpfen. Feuerpolizei-Kommissare sorgten nach 1835 im Königreich Sachsen für die Einhaltung von Vorschriften. In Reichenbach gab es in dieser Zeit drei fahrbare und drei tragbare Spritzen sowie zwölf Feuerhaken. Das Personal bestand ab 1842 aus einem Ratsmitglied als Feuerdirektor, dem Spritzenmeister, 48 Personen für die Spritzen sowie 24 Personen für Hilfsdienste. Das war gewissermaßen bereits eine Pflichtfeuerwehr. Das reichte für die sich vergrößernde Stadt immer weniger aus.

Die neue Feuerlöschordnung für Reichenbach von 1862 bestimmte alle männlichen Einwohner vom 18. bis zum 50. Lebensjahr zum Feuerlöschdienst. So wurde 1865 vom Turnverein zu Reichenbach eine erste Turnierfeuerwehr gegründet, die damit vom Dienst in der Kommunalgarde befreit war. Am 7. Dezember 1865 verpflichteten sich im Rathaus 58 Turner zum Feuerlöschdienst als Freiwillige Turnercompanie. Dieses Datum ist das Gründungsdatum der Freiwilligen Feuerwehr Reichenbach. In dem Jahr wurden 63 Hydranten errichtet. Der Garten der "Tonhalle" (heute Fitness-Studio an der Dr.-Külz-Straße) diente als Übungsgelände. Bereits 1866 waren in der Turnerfeuerwehr mit einem Hauptmann über 100 Männer organisiert. Neben dieser Freiwilligen Feuerwehr bestand in den 1870er Jahren auch eine 78 Personen umfassende uniformierte Pflichtfeuerwehr. Um die Zersplitterung in einzelne Kompanien bei der Freiwilligen Feuerwehr zu überwinden, wurde 1880 eine neue Freiwillige Feuerwehr gegründet. Diese trat auch dem Verband der vogtländischen Feuerwehren bei.

Bereits 1890 wurde das 25-jährige Bestehen der Feuerwehr in Reichenbach mit einem Festumzug gefeiert. 1908 kam nach der Eingemeindung die 84 Mann starke Feuerwehr aus Oberreichenbach zur Freiwilligen Feuerwehr Reichenbach dazu. Im selben Jahr gab es den 18. Sächsischen Feuerwehrtag in Reichenbach. 1920 erfolgte die Auflösung der Pflichtfeuerwehr. Die gute Organisation und Ausrüstung der Freiwilligen Feuerwehr hatte diese überflüssig gemacht. 1938 erfolgte das Verbot der Feuerwehrvereine. Als Feuerlöschpolizei waren die Feuerwehren der Polizei unterstellt. Bei der kampflosen Übergabe der Stadt am 17. April 1945 war der Feuerwehrmann Hermann Thoß dabei. 1947 wurden die Feuerwehrleute Städten und Gemeinden unterstellt. Das erste neue Tanklöschfahrzeug aus DDR-Produktion erhielt Reichenbach 1963. Es war bis ins Wendejahr 1989 im Dienst.

1990 wurde dann das 125-jährige Bestehen begangen. Mit weiteren Eingemeindungen nach 1990 wurde das Reichenbacher Feuerlöschwesen neu strukturiert. Neue Depots und Schlauchtürme entstanden in Friesen, Schneidenbach und Rotschau. 2011 wurde die neu gebaute Zentrale Feuerwache mit einem 24 hohen Schlauchturm an der Schlachthofstraße eingeweiht.

30 Tage für 20,99€ 0€ testen
Testen Sie die digitale Freie Presse unverbindlich.
Erhalten Sie Zugriff auf alle Inhalte auf freiepresse.de
(inkl. FP+ und E-Paper). (endet automatisch)
 
30 Tage für 20,99€ 0€ testen
Zugriff auf alle Inhalte auf freiepresse.de und E-Paper. (endet automatisch)
Jetzt 0€ statt 20,99 €
00 Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.