Der Tag nach der Katastrophe

Die Brandursache ist weiter unklar, Behörden geben Verzehr-Empfehlungen, der Rathauschef lädt die Gaffer ein: Das Großfeuer bei Automobilzulieferer GTO hat auch am Donnerstag nicht nur die Feuerwehr in Atem gehalten

Heinsdorfergrund.

Für die Feuerwehrleute war es eine Tortur. Bei Temperaturen von mehr als 30 Grad Celsius löschten sie Mittwochabend in voller Ausrüstung und teilweise mit Atemschutzgeräten einen Großbrand beim Automobilzulieferer Galvanotechnische Oberflächen GTO in Heinsdorfergrund. Die gewaltige schwarze Rauchwolke war noch in vielen Kilometern Entfernung zu sehen. Mittlerweile sind die letzten Glutnester wohl aus. Aber einige Fragen sind noch ungeklärt.

Brandursache: Wie das Feuer gegen 17.30Uhr ausbrechen konnte, ist nach wie vor offen. Laut Mitteilung der Polizei werden vermutlich erst am heutigen Freitag die Brandursachenermittler der Kriminalpolizei in die völlig zerstörte Halle vordringen können. "Auch wir können dazu noch nichts sagen, wir wissen es einfach nicht", teilte Reichenbachs Galvano-Geschäftsführerin Katrin Möckel mit.


Verletzte: Die Firmen-Mitarbeiter gelangten alle nach Ausbruch des Feuers wohlbehalten ins Freie. Allerdings trugen insgesamt 28 Feuerwehrleute Verletzungen davon und mussten teilweise im Krankenhaus behandelt werden. Wie Reichenbachs Oberbürgermeister Raphael Kürzinger (CDU) betonte, handelte es sich ausschließlich um Kreislaufprobleme aufgrund der hohen Temperatur. "Es waren keine Verätzungen, Atemwegs-Reizungen und ähnliches", so der Rathauschef.

Produktionsausfall: Auf seiner Internetseite informiert der Automobilzulieferer, dass die gesamte Serienproduktion wegen des Brandes von Halle zwei stillsteht. Bei GTO werden Autoteile verzinkt, um sie vor Korrosion zu schützen. "Das gesamte Team arbeitet mit Hochdruck daran, den Schaden zu beheben und die Produktion schnellstmöglich wieder aufzunehmen." Darüber hinaus sichert Nicolai A. J. Baum, Geschäftsführer der Gesamtunternehmens, den Behörden "vollkommene Transparenz und vollumfängliche Kooperation" zu, damit "potenzielle Umweltschäden verhindert" oder möglicherweise bereits entstandene behoben werden können.

Schaden: Informationen zur Schadenshöhe in dem Unternehmen wollte die GTO-Geschäftsführung nicht geben. Polizeisprecher Oliver Wurdak schätze ihn aber auf einen siebenstelligen Betrag.

Chemikalien: Noch immer ist jedoch nicht klar, welche Stoffe sich letztendlich in der Halle befanden und möglicherweise freigesetzt wurden. Geschäftsführerin Katrin Möckel sprach in diesem Zusammenhang von Laugen und Säuren. Konkret wurde Salzsäure bestätigt. Das Problem dabei: Die Firma kann zurzeit wegen der Brandfolgen nicht auf die entsprechenden Computerdaten zugreifen. Gefahren: Das Kreisumweltamt hat während des Brandes Luftproben gesammelt und diese in Leipzig auswerten lassen. Neben den gewöhnlichen Brandgasen habe man so in der Qualmwolke auch Reste von verbranntem Plastik entdeckt. Sonst habe man nichts Gefährliches entdeckt. Entwarnung wollte Amtsleiter Tobias Pohl aber nicht geben. Man könne unmöglich auf sämtliche denkbaren Luftschad- stoffe testen. Deshalb werde man in den nächsten Tagen und Wochen noch Bodenproben nehmen sowie im Freien wachsendes Obst und Gemüse, Eier und weitere Lebensmittel untersuchen. Vor allem in Lengenfeld, in diese Richtung war die Wolke gezogen, solle man vorerst darauf verzichten, Obst und Gemüse aus dem eigenen Garten zu essen. "Möglicherweise stellen wir in einigen Wochen fest, dass wir übervorsichtig waren", sagte Amtsleiter Pohl. "Aber wir wollen einfach auf Nummer sicher gehen."

Löschwasser: Das verwendete Löschwasser konnte laut Oberbürgermeister Kürzinger größtenteils in zwei Löschwasserteichen gesammelt werden. Für rund 15 Minuten konnten Teile davon in den Raumbach entweichen. Dort, informierte Kürzinger, habe sich nach Augenzeugenberichten Schaum gebildet. Da in der vom Brand betroffenen Halle Chemikalien bei der Produktion zum Einsatz gekommen sind, könnten diese auf diese Weise in das Gewässer gelangt sein. Auch in der Kläranlage Netzschkau kam wohl belastetes Wasser an.

Trinkwasser: Einträge, egal welcher Art, in das Leitungssystem des Zweckverbandes Wasser und Abwasser Vogtland hat es nicht gegeben. "Unsere Trinkwasseranlagen wurden nicht beschädigt, damit hat es auch keine Verunreinigung gegeben, andernfalls hätten wir sofort reagiert", versicherte Bereichsleiter Trinkwasser Ronny Röder.

Gaffer: Der Großbrand hatte viele Schaulustige angelockt. Reichenbachs OB Kürzinger kritisiert dies auf Facebook: "Es ärgert mich, dass direkt nach der Sichtung der Rauchschwaden Menschen in ihre Autos gestiegen sind, um als Schaulustige möglichst nahe an den Unglücksort zu gelangen", schreibt der Rathauschef. "Selbst Mütter mit Kleinkindern standen im Gewerbegebiet. Damit haben sie sich nicht nur in Gefahr gebracht, sondern zum Teil auch die Löscharbeiten behindert ... Wenn Sie näher am Geschehen sein wollen, dann treten Sie in die Feuerwehr ein und helfen aktiv mit!"


Das Unternehmen

Der Automobilzulieferer Galvanotechnische Oberflächen GTO Unterheinsdorf beschichtet Bauteile vorrangig für die Automobilindustrie. Vor etwa anderthalb Jahren wurde das 170 Mitarbeiter starke Unternehmen unter dem Dach der börsennotierten Kap AG Teil der neugegründeten mittelständischen Industriegruppe Kap Surface Technologies.

Die vorwiegend für die Automobilindustrie fertigenden Firmen der AG-Tochtergesellschaft erwirtschaften 70 Millionen Euro Umsatz und hatten sich erst jüngst bei der Z-Messe in Leipzig erstmals öffentlich präsentiert - unter anderem mit einem neuentwickelten Korrosionsschutzverfahren.

Die Kap AG vereint Firmen, die an weltweit etwa 30 Standorten mit etwa 3000 Mitarbeitern einen Umsatz von mehr als 400 Millionen Euro erwirtschaften. Vorsitzender Geschäftsführer der Kap Surface Holding ist der frühere GTO-Chef Nicolai A. J. Baum - in dieser Eigenschaft hatte der Unternehmer 2013 Kanzlerin Angela Merkel (CDU) zur Inbetriebnahme einer neuen GTO-Anlage in einer neugebauten Fertigungshalle nach Unterheinsdorf geholt - inwieweit diese Halle von dem Brand betroffen ist, war am Donnerstag nicht zu erfahren. (gem)

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3Kommentare
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  • 4
    1
    Zeitungss
    28.06.2019

    @Tauchsieder: Der "Brandherd des Vogtlands" hat dafür nicht so viele Probleme mit dem Wasser wie Sie. Bei einem Besuch dieser Gegend sollten Sie nur mit Tanklöschzug anreisen, der Sicherheit halber.
    Lassen Sie mal die Kirche im Dorf, es wäre sinnlicher.

  • 0
    3
    Interessierte
    28.06.2019

    Wie das Feuer ausbrechen konnte, ist nach wie vor offen.

    Hier ist das unklar ..
    Brandenburg
    Nach 3 min …
    https://www.rbb24.de/studiocottbus/panorama/2019/06/waldbrand-lieberoser-heide-brandenburg-dienstag.html

  • 1
    13
    Tauchsieder
    28.06.2019

    Auf der Suche nach dem Brandherd des Vogtlands, wird man in dieser Gegend fündig. Des öfteren Schneidenbach, nun mal Reichenbach, ein "heißes" Viertel diese Gegend.



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