Die Rückkehr der Synagoge im kleinen Maßstab

Im Foyer des Plauener Landratsamts wurde gestern eine Stele enthüllt

Plauen.

80 Jahre nach ihrer Zerstörung ist die Plauener Synagoge wieder zurückgekehrt. Sie ist zwar als Kunstwerk auf das Format 1:20 geschrumpft und steht nun hinter dem Haupteingang links im Foyer des einstigen jüdischen Kaufhauses Tietz, dem heutigen Landratsamt des Vogtlandkreises, wo sie zu den Öffnungszeiten zu sehen ist. Jedoch haben das offizielle Plauen und der Vogtlandkreis nach Querelen im Vorfeld noch einigermaßen die Kurve gekriegt und am gestrigen 80. Jahrestag der Novemberpogrome einen würdigen Rahmen geschaffen.

Enthüllt wurde die Gedenkstele im Rahmen einer Gedenkfeier im Landratsamt durch Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) gemeinsam mit Landrat Rolf Keil (CDU) und Plauens Oberbürgermeister Ralf Oberdorfer (FDP). Der Schöpfer der Skulptur, Norbert Marten aus Oldenburg, war indes nicht zugegen. Plauens Kultur-Bürgermeister Steffen Zenner (CDU) erklärte dies mit anderen "dringenden terminlichen Verpflichtungen" des "gefragten Künstlers".

Als das Politiker-Trio im Blitzlicht-Gewitter der Fotografen das schwarze Tuch von der Skulptur gezogen hatte, fielen die Reaktionen der Gäste verhalten aus. Statt der angekündigten Stele - laut Definition eine mit Inschriften versehene Säule oder Platte - stand dort ein weißes Modell der Synagoge auf einem dunklen wuchtigen Unterbau mit Inschriften, die an einst im jüdischen Plauener Kaufhaus Tietz tätige Menschen erinnern sollen. Schon kurz nach der Enthüllung der "Gedenkstele" gab es eifrige Diskussionen, was freilich immer auch ein Ziel jedweder Kunst ist. Laut Bürgermeister Zenner habe sich der Künstler mit der Gestaltung an die Vorgaben des Stadtrates gehalten. Allerdings hatte es unter den Plauener Bürgervertretern im Frühjahr durchaus kontroverse Meinungen gegeben. Vor allem die Linkspartei kritisierte das Foyer des Landratsamts als Standort.

Historiker Gerd Naumann verdeutlichte in seinem Vortrag, was die selbstbewusste jüdische Gemeinde Plauen mit dem Bau der Synagoge 1930 geschaffen und was Plauen und die Region letztlich mit dem Niederbrennen acht Jahre später verloren haben.

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