Die Zither war ihr Leben: Begnadete Lehrerin hört nun auf

"Ich habe gern zehn Jahre zugegeben." Mit Christine Höfer geht eine herausragende Musikpädagogin des Vogtlands in den verdienten Ruhestand.

Reichenbach/Plauen.

Wer seine Liebe zur Musik entdeckt, kann nicht unbedingt auf einen schnurgeraden Lebensweg rechnen. Das hat auch Christine Höfer erfahren, eine der bekanntesten Musikpädagoginnen des Vogtlands, die kürzlich ihren 75. Geburtstag feierte und die ihre Tätigkeit am Plauener Vogtland Konservatorium und an der Musikschule Vogtland beendet hat . Christine Höfer war Anfang 40, erfolgreich in ihrem Beruf als Floristin, hatte den Meisterbrief erworben, leitete eine Verkaufsstelle, als 1987 der Leiter des Vogtland Konservatoriums auf sie zukam. Durch einen überraschenden Todesfall hänge der Zither-Unterricht an der Einrichtung in der Luft. Könnte sie nicht einspringen?

Nach kurzem Überlegen sagt sie Ja, unterrichtet bald auch an der Musikschule in Reichenbach, absolviert "nebenher" am Zwickauer Robert-Schumann-Konservatorium eine zweijährige Ausbildung zum Instrumentallehrer im Nebenberuf und nimmt sogar von 1990 bis 1995 noch ein Fernstudium an der Bundesakademie für musikalische Jugendbildung in Trossingen (Baden-Württemberg) auf sich. Sie gehört bald zu den herausragenden Erscheinungen in der vogtländischen Musikschullandschaft, gewinnt Jahr für Jahr neue Schülerinnen und Schüler für das nicht unbedingt populäre Instrument Zither und diese kommen in der Regel weit. So stehen allein zehn Teilnahmen am Bundesfinale von "Jugend musiziert" zu Buche.


In diesem Jahr reiste das von ihr betreute Duo Sarah Grimm (Mylau)/Laura Zirnstein (Taltitz) nach Halle und errang dort mit seinem Programm, das von barocken über klassische und zeitgenössische Werke bis hin zu Salon- und moderner Unterhaltungsmusik reichte, einen zweiten Preis. Christine Höfer fühlte sich so eng mit ihrer Aufgabe verbunden, dass sie nach Erreichen des Rentenalters noch zehn Jahre in Plauen und Reichenbach "dranhängt".

Hinter all dem steht eine bedenkenswerte Vorgeschichte. 1944 in Tabor geboren, danach kurze Zeit in Prag zu Hause, wo die Mutter als Malerin und der Vater als Grafiker wirkt, kommt sie mit der Familie nach einem Aufenthalt in Schlema in das vogtländische Plauen. Hier findet die Zwölfjährige in Max Hahn einen Lehrer für die Zither, das Instrument, das sie - seit sie ein arg ramponiertes Exemplar auf dem Dachboden fand - magisch anzog. "Ich ging immer dienstags zum Unterricht. Seitdem ist noch immer der Dienstag für mich der schönste Tag in der Woche. Ich übte eifrig zu Hause und lernte viel. Herr Hahn hat in mir die Liebe zur Zither und der Musik geweckt", erinnert sich die Musikpädagogin.

Sie nahm damals an Wettbewerben teil, trat in Konzerten auf. Das war in Erinnerung geblieben, weshalb man 1987, als das Konservatorium in Nöten war, an sie dachte. Zu dem Zeitpunkt war für sie die Musik an sich schon in den Hintergrund getreten. Sie hatte Familie und einen - wie sie selbst sagt - über alles geliebten Beruf.

Jetzt, nach mehr als drei Jahrzehnten, war wieder eine Entscheidung zu treffen. "Ich habe Haus und Garten, habe vor allem auch zwei Enkel und einen Lebensgefährten", so Höfer. "Für sie möchte ich jetzt voll und ganz da sein", sagt die 75-Jährige zu ihrem nicht leichtgefallenen Entschluss, in den Ruhestand zu gehen. Und sie ist froh, dass es für sie mit dem jungen Greizer Steffen Hempel einen geeigneten Nachfolger gibt.

Christine Höfer erhielt im Ratssaal der Mylauer Burg ein Abschiedskonzert. Sie selbst stand dabei nicht auf der Bühne. Was aber gut passt. Obwohl auch selbst eine hervorragende Zitherspielerin, wird Höfer vor allem als herausragende Lehrerin in Erinnerung bleiben. Sarah Grimm, Laura Zirnstein und ihr ehemaliger Schüler Willi Tröger, der eigens aus der Schweiz anreiste, wo er nach Beendigung eines Medizinstudiums ein Praktikum absolviert, setzten ihr mit dem Konzert ein musikalisches Denkmal.

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