Dietzels Teich füllt sich wieder

Die Agrargenossenschaft Reichenbach hat den Damm des einstigen Amphibien-Paradieses an der Schwarzen Tafel erneuert. Erwartet wird 2020 eine explosionsartige Vermehrung von Erdkröte und Co..

Rotschau.

Das einstige Amphibien-Paradies unterhalb der Schwarzen Tafel, es beginnt durchzuatmen. Die Agrargenossenschaft Reichenbach haucht dem aufgrund von zu wenig Wassereintrag und eines kaputten Dammes manchmal an eine Mondlandschaft erinnernden Flächennaturdenkmal neues Leben ein. Eine damit beauftragte Fachfirma hat den löchrigen und gerissenen Damm neu aufgebaut und mit einer Steinpackung vor Korrosion geschützt. Zudem wurde der Teich bis auf die von Schilf durchzogene Verlandungszone entschlammt - bis auf Restarbeiten ist alles fertig. "Beim Bau des Dammes wurde Lehm verwendet, das gewährleistet einen dauerhaften Wassereinstau", sagt Lars Bittermann, Geschäftsführer der Agrargenossenschaft.

Die Arbeiten, zu denen der Einbau eines neuen Mönchs gehörte, sind Teil einer Ausgleichsmaßnahme, die der Betrieb für den noch laufenden Bau eines neuen Stalls oberhalb des Teiches zu leisten hat. Die Erweiterung dort erfolgt nämlich in Teilen des Quellgebiets zwischen Firmenstandort und Teich. Um die Wasserversorgung zu gewährleisten, leitet die Genossenschaft das Dachflächenwasser dieses und eines anderen Stalls dauerhaft ins Quellgebiet. "Bis sich das richtig auswirkt, wird es noch ein wenig dauern", sagt der Geschäftsführer. Aber immerhin steigt das gelegentlich von Enten aufgesuchte und von Wasserläufern bevölkerte Wasser im Teich langsam an, Stauziel ist die Dammkrone.


Während der Amphibien-Wanderung im März und und April war es immerhin schon so viel, dass die Naturschützer die an den Fangzäunen entlang der Straße nach Mühlwand aufgesammelten Tiere einsetzen konnten - andernfalls wären die Amphibien zu Käppels Teichen gebracht worden. "Da im Teich aber aufgrund der Arbeiten zu wenig Pflanzen zum Anhaften des Laichs waren, sind viele Tiere in den kleinen Teich oberhalb ausgewichen", sagt Ralf Moßner. Als Nachfolger des Reichenbachers Kersten Mahler sammelt der Naturschutzhelfer seit 2017 in Regie des Natur- und Umweltzentrums Oberlauterbach die Tiere ein und bringt sie an den Teich.

2017 waren es 442 Tiere, im Vorjahr 90, diesmal 147 - 127 Erdkröten, 13 Grasfrösche, drei Bergmolche und vier Teichmolche, auch der unter Schutz stehende Kammmolch gehört zu den Stammgästen. Die geringe Anzahl der Tiere zuletzt geht auf die Trockenheit während der Wanderzeit zurück. "Die Amphibien brauchen für ihre Tour in einem kleinen Zeitfenster viel Nässe. Da diese fehlte, sind die Tiere einfach im Wald geblieben", sagt Ralf Moßner. Der Naturschutzhelfer rechnet deshalb im nächsten Frühjahr mit erhöhtem Fortpflanzungsdruck und so mit einer kleinen Invasion und viel Laich. Vorausgesetzt, es regnet.

Die finalen Arbeiten am Damm sind indes auch Rotschaus Ortsvorsteher Veit Bursian nicht entgangen. "Endlich steht einer Erholung des Biotops nichts mehr im Weg", sagt der Ortschef im Hinblick auf die Lage des Eldorados am Wanderweg zwischen Rotschau und Schneidenbach. Für Naturfreunde ist das von alten Eichen gesäumte Gebiet ein Muss. Das war zu Urgroßvaters Zeiten schon so. Damals waren die Teiche als Dietzels Teiche bekannt, benannt nach Besitzer Arno Dietzel. Heute ist eher von Dietzels Teich zu sprechen, da der obere Teich wohl nach und nach ganz verlanden wird.

Auf den großen Teich hat auch Naturfreund Dieter Käppel ein Auge. Der Touristikunternehmer hat nach dem Entschlammen dort jüngst eine Wasserrose aus Käppels Teichen eingepflanzt. Die scheint in der Nähe des Mönchs gut zu gedeihen - als Keimzelle neuen Bewuchses am Damm.

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