DJ-Trio haucht legendärem Beat-Club neues Leben ein

Das Revival mit Songs der 60er- und 70er-Jahre steigt am 26. Oktober im Neuberinhaus. Zwei Urgesteine, die seit 1973 als "Disco 2000" unterwegs sind, wurden dazu von einem Jungspund motiviert.

Reichenbach.

Der Beat-Club kehrt zurück ins Neuberinhaus. Nach 23 Jahren Pause steigt am Samstag, 26. Oktober, 20 Uhr, das Revival. Mit Oldies der 60er- und 70er-Jahre verspricht das, eine tolle Party zu werden. Für die Ü-50-Generation ohnehin. Aber auch Jüngere sind willkommen, die Musik aus der legendären Zeit des Rock und Pop mögen.

Drei Diskjockeys legen an diesem Abend auf und nehmen die Fans auf eine stimmungsvolle Zeitreise mit. Ausgerechnet der mit 40 Jahren Jüngste im Trio, DJ "Mic Dust", der eigentlich Michael heißt, hat die Urgesteine Hans-Werner "Goofy" Schmiedl (67) und Stefan "Smily" Wild (61) aus Reichenbach zum Revival bewegt. "Hans-Werner und ich sind Arbeitskollegen. Ich hab' ihn immer angestupst: Wie wäre es denn ...? Und jetzt ist es so weit", sagt Dust. In die Musik der 60er und 70er muss der Tote-Hosen-Fan "noch reinwachsen". Titel wie "Hang on Sloopy" (1964) von den McCoys haben ihn sofort begeistert.

Das Beat-Club-Original, für dessen Namen die legendäre Sendung Pate stand, die Radio Bremen 1965 bis 1972 ausstrahlte, ging 1995 und 1996 im Neuberinhaus über die Bühne. "Viermal, im großen Saal. Wir hatten damals auch Stars wie Harpo und Michael Kennedy, den Sänger von Los Bravos, dabei", erinnert sich Hans-Werner Schmiedl. Ausgebrütet worden war die Idee seinerzeit im Keller des Hauses, in der Gaststätte bei Ute Dengler.

Da hatten Schmiedl und Wild schon mehr als zwei Jahrzehnte Erfahrungen als DJs gesammelt. Damals Lehrmeister in der Polytechnik sowie Radio- und Fernsehmechaniker sind sie seit 1973, mit kreativen Pausen, als "Disco 2000" unterwegs. Die Bands von damals, Glitterrock, Kiss, Sweet, Kingcade oder Slade, sind noch heute genau ihr Ding. Um den englischen Begriff Discjockey zu vermeiden, wurden sie in der DDR als Schallplattenunterhalter, kurz als SPU, bezeichnet. Eine Spielerlaubnis gab es nur nach staatlicher Prüfung. Alle zwei Jahre erfolgte eine Neueinstufung durch die Einstufungskommission. Die "Disco 2000" schaffte es in die Sonderstufe "S" und trat im Vorprogramm von Silly in der Reichenbacher Tonhalle (heute Fitness-Studio Injoy) auf.

Und wenn die SPUs bei der Staatsmacht in Ungnade fielen, gab es schon mal Verhöre bei der Stasi in Cunsdorf und Auftrittsverbote. Nach der Triumphfahrt von Sigmund Jähn durch frisch sanierte Straßen in Reichenbach hatte Schmiedl ins Mikro gedichtet: "Lieber Sigmund, komm bald wieder, die Obere Dunkelgasse ist auch noch nieder." Das fanden die Genossen nicht lustig. Auch nicht im "Stadt Dresden" durchgesagte Wartezeiten an den Tankstellen, als es einen Benzin-Engpass gab, Ansagen, an welchen Tagen die begehrten Zeitschriften "Eulenspiegel", "Neues Leben" oder "Wochenpost" zu kaufen waren, oder ein Skateboard mit US-Flagge in der Joppenberg-Turnhalle. "Meine Stasi-Akte ist über 600 Seiten stark", sagt Schmiedl.

Die Lust an der Musik und den Spaß am Leben haben sich "Goofy" und "Smily", zwei Spitznamen, die sie seit Kindertagen tragen, nicht vermiesen lassen. Mit Tonband, Kassetten, nach der Wende auch mit Originalplatten und CDs sorgten sie für unvergessene Diskoabende in der Region. Hans-Werner-Schmiedl betrieb zwischen 1991 und 1997 die Disko "Bambule" in Reichenbach. Im Neuberinhaus mischte er mit Jörg Schaller bei den Karaoke- und Entertainment-Shows "Gut drauf" mit und war mit Stefan Wild beim "Big-Extra-Ü-30" wieder vereint.

Nun rufen die Revivals. Das Bambule-Revival 3.0 am 2. November im E-Werk Reichenbach ist bereits ausverkauft. Fürs Beat-Club-Revival 2.0 gibt es noch Tickets. 8 Euro kostet der Eintritt im Vorverkauf und an der Abendkasse. So wie die drei DJs beim Fototermin herumalberten, wird es am 26. Oktober im Foyer und Kassenraum des Hauses gute Musik und ausgelassene Stimmung geben.

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