Drogen: Jugendliche reden Klartext

Bei Themenabend in Lengenfeld kommen Vorschläge auf den Tisch

Lengenfeld.

Auf ungewöhnliche Art entwickelte sich der Themenabend "Im Rausch der Sinne" am Donnerstag im Lengenfelder Ratssaal: Es ging um die Vermeidung von Sucht und des Missbrauchs von Drogen bei Jugendlichen. Vertreter des Vereins für offene Jugendarbeit, Suchtberater, die Oberschule und die Stadtverwaltung hatten gemeinsam eingeladen.

Es waren mehr junge Leute erschienen als von den Einladenden erwartet. Ein Mädchen forderte beispielsweise die Schulleitung auf, etwas gegen das Rauchen im Umfeld der Schule zu unternehmen: "Es sagt doch niemand etwas. Auch die Eltern werden nicht informiert." Auf die Kernfrage des Abends: Was müssen Erwachsene tun, um Jugendliche vom Drogenmissbrauch fernzuhalten, versuchten die Protagonisten Antworten zu finden. Anke Barth, die Leiterin der Lengenfelder Oberschule, fragte: "Wie kriege ich Schüler dazu, Nein zu sagen, sie stark zu machen, sie mit Selbstbewusstsein auszustatten?" Lilly Schwarzburger vom Netzwerk Kinderschutz des Landratsamtes erklärte dazu: "Es gibt kein Rezept. Wenn wir miteinander reden, ist es schon gut." Wie Hilfe aussehen kann, schilderte ein 28-Jähriger, der über seine Drogenabhängigkeit berichtete: "Das Schlimmste, was Eltern tun können, ist, die Kinder vor die Tür zu setzen." Er nannte die Partydroge Chrystal Meth "Teufelszeug": "Schon das Probieren kann richtig schief gehen." Seinen Drogenkonsum habe die Justiz gestoppt, nachdem Eltern und die Suchtberatung das nicht schafften.

Für die fachliche Seite des Abends waren die Suchtberater des DRK, Luisa Schiffmann und Daniel Schönberg, zuständig. Aus Sicht Schönbergs sei es wichtig, dass Eltern ihren Kinder ein gesundes Selbstwertgefühl vermitteln: "Dann sind sie in der Lage, mit 15 Jahren selbstständig die richtigen Entscheidungen zu treffen." Zur Frage, ob Abschreckung durch Vorträge von Betroffenen helfe, sagte Luisa Schiffmann: "Für den Moment sind die Jugendlichen beeindruckt und betroffen. Dieser Effekt ist aber nach ein paar Tagen weg." Maik Friedrich, der Vorsitzende des Vereins für offenen Jugendarbeit, forderte zum Hinsehen auf: "Wenn ich erlebe, dass in einem Geschäft einem offensichtlich unter 16-Jährigen Alkohol verkauft wird ohne Ausweiskontrolle, da muss ich mich einmischen, da kann ich nicht einfach wegsehen. Und genau das habe ich auch schon in Lengenfeld erlebt." Für ihn ist es wichtig, dass Erwachsene immer Gesprächsbereitschaft signalisieren und: "Bei Strafen darf man nie die Person sanktionieren, sondern immer nur das Verhalten."

Bürgermeister Volker Bachmann (Pro Lengenfeld) ärgert sich über Kippen, Bierdosen und sonstigen Müll, den Jugendliche in der Stadt hinterlassen und befand daher: "Man muss auch mal ein hartes Wort sprechen." Alle Anwesenden lud er ein, in ähnlicher Runde wieder zusammenzukommen.

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