Drohnen fliegen kann jeder

Franz Schäffer aus Brunn ist seit fast 50 Jahren Modellflugsportler - in der Königsklasse Hubschrauber. Gegen das Quadrocopter-Virus ist er immun.

Brunn.

Wenn Franz Schäffer seine Hubschrauber an einem Feld zwischen Brunn und Reuth Loopings drehen lässt, fährt so manches Auto auf der Ortsverbindung langsamer. Auch Fußgänger bleiben stehen, wenn so ein Heli im Turn-Flug steil nach oben schießt, bis die Motorleistung nicht mehr ausreicht, um die Schwerkraft zu überwinden. Dann scheint das Modell wie ein Stein vom Totpunkt herunter zu fallen - bis der Meister das Fluggerät elegant abfängt und in die Horizontale gleiten lässt. "Ein Pilot muss das locker können. Und ich bin Pilot. Pilot am Boden", sagt der Brunner, lässt sein Modell sacht auf dem Acker der Agrargenossenschaft Reichenbach aufsetzen und legt die Fernsteuerung aus der Hand. "Natürlich darf ich hier fliegen, das ist doch klar."

Seit fast 50 Jahren betreibt der im Modellsportverein Greiz organisierte Luftfahrt-Fan die Luftfahrt im Miniaturformat. "Zu DDR-Zeiten sind wir Flächenmaschinen geflogen, Jaks oder auch MIG 19", erzählt der 71-jährige Modellflugsportler in der Flugpause. Mit den Hubschraubern ging's so richtig erst nach der Wende los. "Vorher haben wir das auch probiert, aber die Steuerung ist halt ziemlich kompliziert. So richtig hat das nie funktioniert." Doch auch mit der Hard- und Software von heute ist die Helicopterfliegerei kein Kinderspiel. Auch wenn das beim zehnjährigen Enkel von Franz Schäffer so aussieht. Kevin Kuhn zaubert mit seinem T-Rex 500 die tollsten Figuren an den vogtländischen Himmel und holt selbst dann noch alles aus den leistungsstarken Lipo-Akkus raus, wenn Franz Schäffer langsam ein mulmiges Gefühl beschleicht. "Er fliegt besser als ich, das ist unglaublich. Auch wenn's mal übers Limit geht - das ist halt das Vorrecht der Jugend, die müssen sich ausprobieren", lobt der Opa das Talent des Enkels und die Möglichkeiten der E-Motoren-Generation. "Früher sind wir mit Verbrennungsmotoren geflogen, was noch anspruchsvoller war. Da warst du mit dem Gas schon lange am Anschlag, ehe der Motor reagiert hat."

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Mit den sofort anziehenden E-Motoren lässt sich auch das größte Modell der Hobby-Werkstatt Schäffer mit einem Rotorblatt-Durchmesser von 1,80 Metern und einem Gewicht von fünf Kilogramm gut manövrieren. "Dennoch will das gelernt sein. Es ist auch für mich immer wieder eine Herausforderung, so ein Teil bei allen möglichen Manövern zu beherrschen", erzählt der Altmeister vom Fingerspitzengefühl, das für das erfolgreiche Zusammenspiel der Blätter von Haupt- und Heckrotor nötig ist. Vom seit ein paar Jahren anhaltenden Quadrocopter-Hype hält Fanz Schäffer nichts: "Drohnen fliegen kann jeder. Du suchst dir im Internet eine aus, zwei Tage später ist sie da. Du musst nicht fliegen können, sondern nur ein paar Werte in die Steuerung eintippen können, das war's."

Franz Schäffer ist das zu wenig. "Denn nicht umsonst liest man ja von lahmgelegten Flughäfen oder Grundstückseigentümern, die sich zu recht belästigt fühlen. Der unkundige und freche Gebrauch solcher Geräte schädigt auch unseren Ruf, da wir mit denen in einen Topf geworfen werden", sagt der Modellflugsportler. "Wir im Verein haben einen Qualifikationsnachweis, eine Versicherung und ein Kennzeichen am Modell. Außerdem fliegen wir nur dort, wo es uns erlaubt ist", erzählt der Rentner von seinen Reisen zu Flugveranstaltungen in ganz Deutschland. Bei vielen Teilnehmern dieser Leistungsschauen ist auch der Einsatz von Kameras an Bord verpönt. "Ich mag das Gegaffe damit gar nicht. Manche schaffen sich so ein Gerät nur deshalb an. Das macht man einfach nicht."

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