Ein Denkmal für den Bergbau

Vor 50 Jahre hat der letzte Förderwagen den Schacht in Pechtelsgrün verlassen. Peter Burkhardt stellte nun sein Buch zum Wolframit-Abbau vor. Dabei wurde es eng.

Pechtelsgrün.

Dem frischgebackenen Buchautor Peter Burkhardt aus Irfersgrün gelang eine Punktlandung am Donnerstag im Pechtelsgrüner Gasthof "Zur Sonne": Das Interesse an der Vorstellung seines Erstlingswerkes "Wolframitbergbau in Pechtelsgrün" war groß. Der letzte Förderwagen hatte am 29. November 1968 den Schacht verlassen. Damit endete die 33-jährige Bergbaugeschichte im Dorf. 50 Jahre später lud Burkhardt zur Buchvorstellung ein. Etwa 150 Besucher ließen sich das nicht entgehen.

Der Leipziger Eudora Verlag brachte das Buch heraus. Verleger Ralf Müller war ebenfalls nach Pechtelsgrün gekommen. Ein Rahmenprogramm gestalteten die Pechtelsgrüner Musikanten und die Theatergruppe des Dorfes "8 PS".

Burkhardt, der Irfersgrüner Ortschronist, war über das Thema gestolpert, als er bemerkte, dass viele junge Leute nichts mehr von dem Schacht wissen. Für den gebürtigen Irfersgrüner, der später seine Kindheit und Jugend in Pechtelsgrün verbrachte, ist es wichtig, das Stück Geschichte zu bewahren. Vater und Mutter arbeiteten im Schacht, später Burkhardt selbst: zehn Jahre im Nachfolgewerk, dem VEB Fluss- und Schwerspatbetrieb Lengenfeld.

Mit der Entstehung der Grube verbunden ist der Name des Schullehrers Curt Gerber aus Lengenfeld. Der Hobbygeologe entdeckte auf seinen Streifzügen durch Pechtelsgrün oberirdische Brocken des Mischkristalls und vermutete richtigerweise eine Lagerstätte im Erdinneren. In der Blütezeit der Grube waren knapp 150 Menschen beschäftigt. Eine Drahtseilbahn beförderte das Gestein zur Aufbereitung. "Von der Seilbahn gibt es leider so gut wie keine Fotos", bedauert Burkhardt. Bis zur Schließung im Jahr 1968, als das Vorkommen erschöpft war, förderten die Bergleute mehr als 3000 Tonnen Wolframit zu Tage. Bis in eine Tiefe von 350 Metern hatten sie Stollen getrieben. Nach dem Zweiten Weltkrieg musste ein Teil der oberirdischen Anlagen neu errichtet werden. Silikose, eine Krankheit, die auch Staublunge heißt, kostete 16 Bergmännern das Leben.

Bisher gab es keine zusammenhängende Dokumentation. Die Recherche war aufwändig. Viele Pechtelsgrüner stellten dem Autor Unterlagen zur Verfügung. Burkhardts Dokumentation stellt die Menschen in den Mittelpunkt, aber auch die Bautätigkeit. Eine neue Siedlung entstand. Neue Buslinien verbesserten die Infrastruktur. Bedeutende Künstler traten im eigens errichteten Kulturhaus auf.

Von dem früheren Glanz ist nicht viel geblieben. Ein Teil der Gebäude fiel der Abrissbirne zum Opfer. Das Kulturhaus ist verwahrlost und verfallen. "Lediglich der Eingangsbereich mit dem Pförtnerhäuschen erinnert noch an das frühere Aussehen des Geländes", so Burkhardt.

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