Ein Hoffnungszeichen von ganz oben

Weil die Besucheranzahl in der Peter-Paul-Kirche auf 100 begrenzt ist, haben die Christvespern schon am Mittwoch begonnen. Mit einer frohen Botschaft und Verweisen auf Corona.

Reichenbach.

Der Besuch einer Kirche ist für viele Menschen zu Weihnachten ein festes Ritual. Mancher denkt zurück an die Kindheit, als er selbst beim Krippenspiel mitwirkte. "Das gibt ein Gefühl der Sicherheit und Geborgenheit. Schön, dass sich manche Dinge nicht ändern", sagt Pfarrer Andreas Alders. Auch in diesem Jahr steht ein geschmückter Baum in der Peter-Paul-Kirche, auch in diesem Jahr gibt es ein Krippenspiel. Und doch ist dieses Weihnachten ganz anders.

Wer eine Christvesper besuchen will, muss sich vorab kostenlose Tickets besorgen. Wegen der Coronapandemie dürfen maximal nur 100 Personen ins Gotteshaus. Die Plätze sind nummeriert. Am Eingang sind die Hände zu desinfizieren. Mund-Nasen-Schutz ist Pflicht. Zwar erklingt Weihnachtliches auf der Orgel, aber gesungen wird nicht. Nach einer guten Dreiviertelstunde ist Schluss. Dann wird gelüftet.

Bei der ersten von insgesamt fünf Christvespern öffnete Pfarrer Alders am Mittwochnachmittag, sozusagen am "Heiligen Vorabend", den Besuchern verbal zwei Türen. Erstens: "In der Stille kann Großes entstehen." Der Lockdown müsse nicht lähmen. "Wir dürfen kreativ werden". Und Zweitens: "Dass Weihnachten anders ist, ändert nichts daran, dass Weihnachten ist."

Nach christlicher Überzeugung hat Gott mit der Geburt seines Sohnes ein Hoffnungszeichen in die Welt gesendet. Hoffnung ist, wonach auch heute die Menschen im Conora-Lockdown lechzen. Ein Zeichen gegen die Angst. "Fürchtet euch nicht!", spricht der Engel im Lukas-Evangelium. "Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren. (...) Ehre sei Gott in der Höhe und Frieden auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen."

Das Krippenspiel, das gut 20 Mitglieder der Jungen Gemeinde unter Leitung von Gabriele Alders einstudiert haben, erzählt die alte und immer wieder neue Geschichte von der Geburt Jesu. Kaiser Augustus lässt eine Volkszählung durchführen, weshalb sich jedermann an den Ort begeben muss, aus dem er stammt. Daher macht sich Josef mit seiner hochschwangeren Verlobten Maria auf nach Bethlehem. Im Corona-Jahr gibt es jede Menge Anspielungen auf Hygieneregeln und Verbote. Im Gasthof, der Mittwoch bis Sonntag geschlossen und Montag/Dienstag Ruhetag hat, fragt Josef nach einem Zimmer. Aber der Wirt darf gerade nur jedes zweite Zimmer nutzen. Bei Verstößen machen sie ihm den Laden dicht. Dabei demonstriere er schon seit Wochen gegen die Anordnungen. Doch der Wirt hat ein Herz und schickt das Paar in ein Nebengelass, das es sich mit seinen Tieren teilen muss. "Das haben die Aufsichtsbehörden nicht im Blick." Dort bringt Maria den Sohn Gottes zur Welt. Die Hirten, die eben noch am Feuer saßen, und die drei Weisen, die den argwöhnischen König Herodes schon mal Aluhut nennen, eilen zur Krippe. "Stall" steht da in großen Lettern und "Übernachtung nur mit negativem Corona-Test nicht älter als 48 Stunden".

An der Orgel sorgt Andreas Kamprad für Weihnachtsstimmung, so mit Klassikern wie "Es ist ein Ros' entsprungen", "Stille Nacht, Heilige Nacht" oder "Oh du Fröhliche". Auf dass sich die Welt ein Stückchen heller und herzlicher anfühlt.

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