Eine Haltestelle für Jung und Alt

Im Park der Generationen gibt's ab Montag in und an einem Straßenbahn-Waggon Tramway-Gastronomie. Der einst in Nürnberg verkehrenden Hingucker ist ein kleiner Jahrhundertschritt für Reichenbach.

Reichenbach.

Die 15 Tonnen waren für den Autokran der Firma Horn gestern ein Klacks. Für Reichenbach ist die letzte Station des 1939 gebauten und einst zwischen Nürnberg und Fürth verkehrenden Straßenbahn-Waggons ein kleiner Jahrhundertschritt. So zumindest formulierte es bei der Ankunft des historischen Fahrzeugs im Park der Generationen einer der Schaulustigen in Anlehnung an die jüngst großes Aufsehen erregende Ankunft der Mattheuer-Plastik "Der Jahrhundertschritt". Kein schlechter Vergleich. Neben der Interflug-IL vor den Toren der Stadt besitzt die Stadt nun eine weitere Attraktion in der sommers ohnehin von Jung und Alt stark angelaufenen grünen Lunge. "In der Diskussion um fehlende Gastronomie im Park wollten wir etwas Besonderes bieten. Wir haben uns gesagt, entweder was Außergewöhnliches oder gar nichts. Das ist das Ergebnis", sagte Carsten Beck.

Der Gastronom aus Weischlitz ist neben dem Reichenbacher Getränkehändler Bernd Hiemer Spiritus Rector des Straßenbahn-Coups und zugleich Betreiber des am Montag, 11 Uhr öffnenden Tramway-Cafés, zu dem eine Terrasse und eine mobile Küche gehören. Bernd Hiemer war in der Diskussion des Duos um eine spezielle Park-Konzeption im Katalog eines Bayreuther Antiquitätenhändlers fündig geworden. "Der Waggon, das war's. Er stand auf einem Grundstück in Fürth und war völlig mit Bäumen zugewuchert."

2014 rollte das ramponierte Zeugnis deutscher Vorkriegswertarbeit zu seinem letzten Halt. Seither hat Carsten Beck das gute Stück am Getränkehandel Hiemer schonend restauriert - alles an der Tram atmet den Charme präelektronischer Mobilität. Viel Schweiß floss in viele Arbeitsstunden. Wie viele? "Das kann man an meinen Augenringen ablesen. Wenn mich jemand fragt, ob ich eine alte Straßenbahn restaurieren kann, sag ich ja. Aber ich mach das nie wieder. Jetzt bin ich nur noch happy und auch ein bisschen stolz."

Carsten Beck hofft nun mit seiner Tramway auf viel schönes Wetter. Geöffnet ist von Mai bis September bei frischer Küche (selbstgemachte Hotdogs und Burger), mit Kaffee in allen Varianten, erfrischenden und stammwürzigen Getränken sowie Eis (von Forbriger) und Selbstbedienung. Der gelernte Koch bereitet in der neben dem Waggon stehenden Küche alles zu. "Unser Angebot richtet sich an die Jugend und an die Älteren. Es wird ausgewählte Burger auch to go geben. Das gesetztere Alter darf auch gerne Wünsche äußern. Alles ist Neuland, entdecken wir es gemeinsam."

Ein Nobody ist der Gastronom nicht. In Reichenbach ist er als Caterer an der Göltzschtalbrücke (Rock für ein buntes Vogtland) und bei Stadtfesten bekannt. In Plauen hat er das urig-edle Altmarkt-Restaurant "Heinrichs" betrieben, in Zwickau den smarten "Irish-Harp-Pub" aufgebaut. Und gestern gab's die ersten Wünsche der Schaulustigen für Reichenbach: "Alles Gute, geniale Idee."

Tramway-Öffnungszeiten: Mittwoch bis Freitag 15 bis 20 Uhr, Wochenende 11 bis 20 Uhr. Montag und Dienstag sind Ruhetage.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...