Einigung in Tarifstreit: Trafobauer verdienen deutlich mehr Geld

Nach langem Kampf steigt die Entlohnung bei SBG Neumark auf Flächen- tarif-Niveau. Gewerkschaft und Unternehmen sprechen von einem schmerzhaften Kompromiss.

Für Sie berichtet: Gerd Möckel

Nach sieben Verhandlungsrunden und zwei Warnstreiks hat der sich über Monate hinziehende Tarifstreit beim Starkstrom-Gerätebau SBG Neumark ein für alle Seiten akzeptables Ende gefunden: In vier Stufen steigen die Entgelte der Trafobauer bis April 2020 um insgesamt acht Prozent. Wie die IG Metall Zwickau gestern informierte, wurden zwischen Gewerkschaft und Geschäftsführung für die nächsten beiden Jahre zudem Einmalzahlungen in Höhe von jeweils 650 Euro vereinbart. In dieser deutlichen, im Haustarifvertrag festgehaltenen und nahe an den flächentariflichen Regelungen liegenden Entgeltsteigerung sieht die Gewerkschaft einen großen Erfolg, der "Vorbildcharakter für viele Beschäftigte in der Region" habe, wie es in einer Mitteilung heißt.

Allerdings hatten Gewerkschaft und Tarifkommission "schmerzliche" Abstriche in Fragen der Arbeitszeitgestaltung hinzunehmen. So gelten die im Flächenabschluss geschaffenen Arbeitszeitregelungen für SBG-Beschäftigte vorerst nicht. "Das Unternehmen hat aber zugesichert, befristete Teilzeitmodelle oder die Umwandlung von Geld in freie Tage zu ermöglichen und dazu Betriebsvereinbarungen zu schaffen", sagt Thomas Knabel, Erster Bevollmächtigter und Verhandlungsführer der IG Metall. Dies solle mit der Belegschaft im Hinblick auf mögliche Forderungen in der nächsten Tarifrunde diskutiert werden.

Außerdem hat die Gewerkschaft letztlich zugestimmt, dass für die Gestaltung der Altersteilzeit bestimmtes Geld "zu einem geringen Teil auch für demografische Maßnahmen" wie etwa Qualifizierungs-Programme verwendet werden könne. Damit soll ein anstehender Generationswechsel gestaltet werden können, in dessen Rahmen "die Betriebsparteien ein eigenes, auf betriebliche Erfordernisse abgestimmtes Leistungs-Bewertungssystem" entwickeln können. Betriebsrat und Geschäftsführung erhalten zudem die Möglichkeit, zum Jahresende bis zu 80 Stunden aus dem Arbeitszeitkonto zuschlagsfrei auszuzahlen. Bei der 38-Stunden-Woche bleibt es.

SBG Neumark, mit 440 Mitarbeitern der einzige große in Deutschland produzierende Hersteller von Ölverteilungstransformatoren, wertet das Ergebnis des Abschlusses durchaus auch als Erfolg. "Es ist ein für beide Seiten schmerzhafter Kompromiss. Aber ein Kompromiss ist auch nur gut, wenn er beiden Seiten wehtut", sagte gestern Geschäftsführer Erwin Birbacher. So sei es für das Unternehmen etwa wichtig, dass über die bis zu 80 Stunden aus dem Arbeitszeitkonto flexibel verfügt werden kann. Die Einigung im Tarifstreit sei überdies wichtig gewesen, "um Ruhe in das Unternehmen zu bringen".

Tatsächlich war die Lage in Neumark von einem harten Arbeitskampf geprägt. Nach dem Ausscheiden von SBG aus dem Arbeitgeberverband und damit dem Ausstieg aus flächentarifvertraglichen Regelungen hatte die Belegschaft ihren Forderungen mit zwei Warnstreiks Nachdruck verliehen, zudem waren unbefristete Arbeitsniederlegungen in Erwägung gezogen worden. In dem Erfolg bei den Entgelt-Eckpunkten sieht die Gewerkschaft deshalb auch ein Signal an Beschäftigte in Firmen mit "Niedriglöhnen und tariflosen Zuständen". Thomas Knabel: "Das Beispiel SBG zeigt, dass sich kämpfen lohnt." Jetzt sei es Ziel, dieses Niveau "nah an der Fläche in den nächsten Tarifrunden" auszubauen.

SBG hatte stets betont, die Einkommen der Facharbeiter lägen bereits deutlich über dem sächsischen Schnitt. Das im harten Wettbewerb und unter Globalisierungsdruck stehende Unternehmen brauche flexible Lösungen, um weiter bestehen und wachsen zu können.

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