Eisbär und Pinguin feiern Tennisfasching

Bei der 58. Auflage der beliebten Veranstaltung war das Klima ein großes Thema. Dabei wurden verschiedene Seiten des weltweiten Problems beleuchtet. Doch es ging im Neuberinhaus nicht nur um das Wetter.

Reichenbach.

Der Reichenbacher Tennisfasching im Neuberinhaus hatte in diesem Jahr das Motto "Schnee von gestern - ab jetzt wird's heiß. Der große Tefa-Klimagipfel", wobei der Begriff "Klima" nicht nur auf den Klimawandel bezogen war. Mit 1280 zahlenden Besuchern im Alter zwischen 20 und 80 war die Veranstaltung ausverkauft. Gleich in der Begrüßung der vielen Gäste am Samstagabend stellten Jürgen Hanzlik, Andreas Grünwald und Jörg Schaller klar, dass es ebenso um das politische wie das Bildungsklima geht und auch die Kommunalpolitik dazugehört.

Für seine Büttenrede hatte Schaller diesmal ein typisches Reichenbach-Thema ausgewählt. Im Saal herrschte für einen Moment eine tiefe Stille, als er in der Pose von Wolfgang Mattheuers Kunstwerk "Der Jahrhundertschritt" hereingefahren wurde, mit modelliertem nackten Fuß, Stiefel am anderen, der geballten Faust und dem erhobenen Arm. Jörg Schaller sagte auf Nachfrage: "Es gibt Grafiken, bei denen der linke Arm erhoben ist. Mit dem rechten hätte ich das nicht getan." Er wollte auf ein Thema des vergangenen Jahres aufmerksam machen, über das in Reichenbach heftig gestritten wurde: die Aufstellung der Skulptur von Mattheuer, der in Reichenbach geboren wurde, und die inzwischen gescheiterte Umbenennung des Solbrigplatzes. "Ich finde gut, dass das Thema Mattheuer auf ernst-heitere Art aufgegriffen wurde", sagte Frank Lorenz vom Vorstand des Vereins Kunsthalle nach dem Programm. So richtig die Lacher auf seiner Seite hatte Schaller mit seiner Parodie auf die Beschilderung der Fußgängerzone. Dabei griff er nach seiner Interpretation des Schilderwaldes eine aktuelle Entwicklung auf, von der er erst Samstagfrüh erfahren haben wollte: der möglichen Umkehr in Sachen Sperrung.

Die mehr als 60 Mitwirkenden gestalteten das etwa 90 Minuten währende Programm mit Musik, Tanz, Sketchen und allerlei Überraschungen. Felix Burghardt machte sich über den kürzlichen Wintereinbruch lustig. Miriam Ullmann fand tatsächlich ein paar Interview-Partner in der Fußgängerzone. Die junge Sängerin Selina Tulasoglu hatte ihre Tefa-Premiere. Das Männerballett sorgte für beste Stimmung. Die Adorfer Garde zeigte professionellen Gardetanz. Cornelia Albert riet den Frauen in Sachen Klimakterium zu einem neuen Mann, damit das Leben wieder Schwung bekommt.

Während einige Besucher in Sachen Kostüm zum Thema sichtlich Mühe hatten, sprühten andere vor Fantasie. Pinguin traf beispielsweise auf Eisbär, Schneekönigin auf Baywatch-Darsteller. Ein Mineralölfass kam zusammen mit einem Ölscheich zur Veranstaltung. Der Klimakiller erschien in Gefängniskleidung. Die Umweltplakette haftete an Shirts. Ein fiktiver Papst meinte, dass er auch zum diesem Thema etwas zu sagen habe. Auch wenn eine Gruppe von Narren mit dem Schild "Klimawandel - Ihr wollt uns wohl zum Narren halten" herumlief, war die politische Botschaft des Abends klar: Die von Mitarbeitern der SAQ eigens für den Abend gefertigten Uhren zeigten fünf vor zwölf - Zeit, endlich etwas zu tun.

Handlungsbedarf gibt es auch in Sachen Catering: Viele Getränke auf den Karten waren zeitig ausverkauft oder gar nicht vorhanden, und die Becher reichten nicht. "Trotzdem haben wir das Gefühl, dass die Veranstaltung gut war und etwas für alle Generationen bot, vom Schlager bis zu Klees raus. Die neue Lounge im Keller hat sich bewährt", so Jörg Schaller.


Aus der Bütt

Mit Blick auf Reichenbach gesagt:

"Die coolste Stadt Deutschlands, sagt unser OB, sind wir bald.

Wir sind so cool, dass wir uns ne leer stehende Post leisten können,

wir sind so cool, dass wir einmal im Jahr den Glitzner abbrennen.

Wir sind so cool, dass wir das Areal der Göltzschtalbrücke vergammeln lassen,

wir sind so cool, dass wir uns weiterhin vom Landrat für das Landratsamt und die Schanze melken lassen.

Vor lauter Cooless wollen wir den Klimawandel ausnutzen

und uns zukünftig als Kältemittelstadt herausputzen. ...

Das Kältezentrum Europas ist dann hier zu finden ...", so Jörg Schaller.

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