Elektrofirma: Azubis erhalten Führerschein und Smartphone

Einige Jahre hatte der Meisterbetrieb Kummer keine Lehrlinge. Um den Fachkräftebedarf zu decken, geht das Familienunternehmen neue Wege. Dazu gehört auch Unterricht für Oberschüler aus Netzschkau.

Reichenbach.

Der viel zitierte Fachkräfte- und Lehrlingsmangel macht auch um die Elektrobranche keinen Bogen. Drei Jahre lang hatte der Reichenbacher Elektromeisterbetrieb Kummer keinen einzigen Lehrling, während sich einst an der Friedensstraße die Bewerbungsunterlagen für eine Ausbildungsstelle stapelten. "Um neue und vor allem die richtigen Azubis zu gewinnen, gehen wir seit einem Jahr mit einer klaren Zielvorgabe neue Wege. Nur der gute Ruf der Firma bringt nicht automatisch die jungen Leute zu uns", erzählt Juniorchef Chris Kummer über die Anstrengungen des knapp 50 Mitarbeiter zählenden Familienunternehmens.

Im Wettbewerb der Branche um geeigneten Facharbeiternachwuchs setzt Elektro Kummer im Prinzip auf drei Säulen. Dazu gehört die gezielte Azubi-Werbung auf Ausbildungsmessen. Im Vorjahr waren es drei, zwei in Plauen und eine in Reichenbach. Bei diesen Auftritten konnte die Firma zwei ihrer aktuell vier Lehrlinge gewinnen. "Dabei hat sich auch gezeigt, dass langsam ein Umdenken stattfindet. Vor ein paar Jahren noch war das Interesse gleich Null. Jetzt merken viele, dass Handwerker kaum noch zu kriegen sind. Und die Eltern vermitteln das ihren Kindern und kommen jetzt gezielt zu uns", sagt Chris Kummer.

Doch die Messe-Akquise reicht auch im Hinblick auf die Eignung junger Leute für eine Ausbildung zum Elektroinstallateur oder Elektroniker nicht aus. Deshalb hält der Juniorchef der vor 30 Jahren als Einmann-Betrieb gegründeten Firma seit Beginn des aktuellen Schuljahres Unterricht ab. Jeden Montag führt Chris Kummer im Firmensitz an der Friedensstraße 90 Minuten Netzschkauer Oberschüler in Theorie und Praxis in das Branchen-Abc ein. "Der Aufwand ist hoch, aber wir hoffen, dass sich das lohnt. Auch bei Hauptschülern, die wir hier entwickeln wollen. Und es lässt sich phasenweise sehr gut an. Da sind junge Leute mit Potenzial und vor allem mit Interesse dabei."

Ein Grund dafür: Die Schüler kommen im Rahmen des an der Oberschule der Berufsorientierung dienenden Wahl-Unterrichts freiwillig - andere schneidern, andere kochen gemeinsam oder basteln an der Schülerzeitung. Doreen Teichmann beispielsweise lernt bei Kummer das Elektro-Einmaleins - mit einem klaren Ziel: "Die Ausbildung macht mir viel Spaß. Ich will hier Elektriker lernen", sagt die Neuntklässlerin selbstbewusst und nicht ohne Grund. Schließlich hat das Mädel aus Greiz jüngst ein sehr gut bewertetes Praktikum in der Firma absolviert. Chris Kummer: "Die Monteure waren begeistert." Und deshalb wird Doreen Teichmann wohl die erste Kummer-Elektrikerin.

Im Jahr 2020 könnte ihre Ausbildung im Unternehmen starten. Ob die Neuntklässlerin dann vom ebenfalls neuen wie erfolgreichen Boni-Programm der Firma profitiert, ist noch unklar. Fakt ist jedoch: Wer in diesem Jahr bei Kummer einen Lehrvertrag unterschreibt, für den bezahlt das Unternehmen den Führerschein. "Darauf haben wir uns in der Geschäftsleitung gerade verständigt", sagt Chris Kummer und erwähnt ein zweites Bonbon: Als Willkommensgeschenk gibt's gleich noch ein Smartphone dazu.

Mit solchen Anreizen wie über Messeauftritte und der vertraglich mit der Oberschule geregelten Schülerausbildung will der deutschlandweit tätige Betrieb seinen ambitionierten Bedarf decken - Jahr für Jahr drei Lehrlinge. "Wobei Ziel ist, über die Kooperation mit der Schule alle zwei Jahre einen Lehrling zu gewinnen. Dann hat sich der Aufwand für uns schon gelohnt", sagt Chris Kummer und ergänzt: "Wer dann einmal bei uns ist, lernt auch schnell unser gutes Betriebsklima schätzen."

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