Elvis in Plauen: Theater trifft ins Schwarze

Das Musical "Love Me Tender" begeistert seit Freitag das Publikum im Parktheater. Es spendete mehrfachen Szenen- und stehenden Schlussapplaus. Was nach der Premiere im Ohr und im Gedächtnis bleibt.

Plauen.

23 Elvis-Titel reihen sich in "Love Me Tender" wie eine Perlenschnur aneinander und halten das Publikum für knapp drei kurzweilige Stunden kaum auf den Plätzen. Kein Wunder, dass die meisten aufspringen, sobald der letzte Ton verklungen ist. So viel Rock 'n' Roll steckt in der Inszenierung:

Blue Suede Shoes (1956): Viele Besucher im 1950-er-Jahre-Look gestalteten Parktheater sind stilvoll in Jeans, Petticoat-Röcke oder getupfte Kostüme gehüllt. Die wenigsten Füße stecken jedoch in den berühmten blauen Wildlederschuhen. Die tragen dafür dann etliche Darsteller auf der Bühne.

Jailhouse Rock (1957): Mit dem Lied über eine Party im Gefängnis beginnt das Musical. Gleich wird deutlich, dass da ein Aufrührer im Spiel sein wird: Er heißt Chad (cool, aber nicht ganz mit gewissem Elvis-Etwas: Leonard Lange), trägt Lederjacke und fährt Motorrad - in der Inszenierung eine rote Schwalbe. In dem Kaff, das er auf Durchreise besucht, scheint die Zeit stillzustehen. Sein fahrbarer Untersatz muss in die Werkstatt. Dort läuft der Rock'n'Roller, der kleinere Technikprobleme am Freitag meisterhaft löste, Natalie in die Arme (zuckersüß: Julia Hell).

One Night With You (1958): Davon abgesehen, dass in dem Stück anscheinend jeder auf seine Chance im Leben wartet, trifft alle die große Liebe wie ein Blitz. Sie wollen nur noch eins: die Nacht miteinander verbringen. Natalie mit Chad. Außenseiter Dennis (sehr komisch: Daniel Koch) mit Natalie. Deren Vater Jim (unfreiwillig witzig: Björn-Ole Blunck). Doch erstmal stellt Chad Miss Sandra nach (starke Stimme: Nadine Aßmann). Diner-Wirtin Sylvia (toll: Viola Heeß) hat es auf Jim abgesehen. Dass verwirrte Gefühle wie bei Shakespeare im Spiel sind, ist kein Wunder, stand doch dessen "Was ihr wollt" Pate für das mehr als 200-mal gezeigte Broadway-Musical. Love Me Tender (1956): Zwei besondere Love-Storys entwickeln sich zudem: Sylvias Tochter Lorraine (Anna Striesow) wirft ein Auge auf Dean Hyde (Marcel Kaiser) und umgekehrt. Alles könnte wunderbar sein, wären da nicht gesellschaftliche Schranken à la "Romeo und Julia". Wieder lässt Shakespeare grüßen. Denn Dean ist der Sohn der sittenstrengen Bürgermeisterin Mathilda (auf den Punkt präsent: Ute Menzel). Doch selbst die geht letztlich auf das Werben des Sheriffs Earl (Michael Schramm) ein.

Follow That Dreams (1962): Ihren Träumen folgen, das tun die Akteure im Stück, aber auch eine Menge Statisten, viele davon noch Schüler. Auf der Bühne tanzen und singen sie, was das Zeug hält. André Kuntze gehört zu ihnen. Nach dem Spektakel im Stadtpark wird der leidenschaftliche Breakdancer die Ernst-Busch-Schauspielschule besuchen.

It's Now or Never (1960): Jetzt oder nie, dachte sich wohl Theaterintendant Roland May, der zur Begrüßung gleich zwei Mal sang. Plauens Oberbürgermeister Ralf Oberdorfer (FDP) pfiff auf die übliche Kleiderordnung und trug zur Premiere eine grüne Jeans. Und der musikbegeisterte Pfarrer Hans-Jörg Rummel trank amerikanisches Bier aus der Flasche. Soviel Rock'n'Roll darf sein.

Eine Rezension zum Elvis-Musical lesen Sie auf der Kultur-Seite der heutigen Ausgabe.


Hauptdarsteller Leonard Lange: "Ich bin ein schlechter Tänzer"

Leonard Lange (30) gibt den Freigeist Chad im Musical "Love Me Tender". Sabine Schott sprach kurz mit dem gebürtigen Rheinländer.

Was war Ihre rebellischste Tat?

Als ich 16 war, habe ich mit meinem Freund das Auto meines Vaters entführt. Das war aber ein Automatikgetriebe und alles fing schnell an zu qualmen.

Welche Musik hören Sie, wenn Sie einfach nur Leonard Lange sind?

Also, Elvis nicht unbedingt. Ich kannte bisher nur große Hits. Aber durch die Beschäftigung mit den Songs gefällt mir jetzt doch sehr viel mehr.

Warum treffen Ihrer Meinung nach Elvis-Songs noch heute den Nerv des Publikums?

Es ist einfach eine generationsübergreifende Musik. Das gefällt Alt und Jung gleichermaßen.

Können Sie Rock'n'Roll tanzen?

Nein, ich bin ein schlechter Tänzer.

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