Energiepreise: Vermieter fürchten zahlungsunfähige Mieter

Schon gehört?
Sie können sich Ihre Nachrichten jetzt auch vorlesen lassen. Klicken Sie dazu einfach auf das Play-Symbol in einem beliebigen Artikel oder fügen Sie den Beitrag über das Plus-Symbol Ihrer persönlichen Wiedergabeliste hinzu und hören Sie ihn später an.
Artikel anhören:

Der Reichenbacher Brief an Robert Habeck könnte Nachahmer finden. Andere Wohnungsgesellschaften im Vogtland drückt genauso der Schuh - und sie hätten der Politik in Berlin einiges zu sagen.

Auerbach.

In Abwarteposition befindet sich der größte Vermieter im Vogtland, die städtische Wohnungsbaugesellschaft (WBG) Plauen. Noch seien die Gasverträge der 7500 Wohnungsmieter geschützt. Noch fehle die gesetzliche Grundlage durch die Politik, die Mangellage auszurufen und Gasverträge außer Kraft setzen zu lassen, sagt WBG-Chef Frank Thiele. Dennoch weiß Thiele, was da auf Mieter zukommen mag: Erst kürzlich kündigten die Stadtwerke Plauen eine Verdreifachung der Gaspreise an. Aktuell gelten alte Gaspreise. Die ersten Erhöhungen greifen ab 1. Oktober, spätestens aber ab 2023 wird die Mehrzahl der Mieter von der Preisexplosion betroffen sein. Da die WBG in Vorleistung für Mieter geht, erahnt Thiele schon jetzt große finanzielle Probleme. "Vier Millionen Euro Heizkosten laufen im Jahr bei der WBG auf. Wenn sich das vervierfacht, ist das nicht mehr leistbar."

Mit drei- bis vierfachen Gas-Kosten müssten die Mieter der Wohnungsgesellschaft Adorf rechnen, schätzt dessen Geschäftsführer Kay Burmeister. Gerade eben habe ein Energieversorger eine Preiserhöhung um das Achtfache verkündet. Burmeister: "Wir sind natürlich in Widerspruch gegangen." Das Fatale für Großvermieter sei, dass man sich zwischen Energieversorger und Mieter in einer Art "Sandwich"-Lage befindet. "Wenn Mieter die zu erwartenden horrenden Energienachzahlungen nicht begleichen können, bleiben wir als Wohnbau auf den Kosten sitzen." Passiert das, geraten Wohnbaugesellschaften in Schieflage. Die Adorfer Mieter der 432 Wohnungen und Gewerbeflächen seien verunsichert.

Als Vermieter sei man in Abwartehaltung und scheute Investitionen. Der vom Reichenbacher Oberbürgermeister initiierte und von dortiger Wohnungsbaugesellschaft mit unterzeichnete Brief an den Vize-Kanzler treffe daher so ganz den Nerv der Großvermieter. "Was da fachlich drin steht rund um das Wohnungsthema und Gasverbrauch, ist korrekt", sagt Burmeister. Dagmar Blechschmidt, Geschäftsführerin der Auerbacher Wohnbau, hält es für "zu kurz gedacht", die derzeit nach oben drehenden Preisschrauben allein am Gas festzumachen. "Seit Jahren haben wir eine schleichende unterschwellige Erhöhung der Nebenkosten, ausgelöst von Lobbyisten, die die Politik beraten zu ihrem Wohle. Das steht demokratischer Politik nicht gut zu Gesicht", so Blechschmidt.

1490 Wohnungen der städtischen Wohnbau werden beheizt durch die Kommunale Wärmeversorgung Sachsen. Konkret kommt die Wärme aus dem Auerbacher Heizhaus. Die Stadt Auerbach ist zu 51 Prozent Eigner. Man sei in der glücklichen Lage, dank rechtzeitigen Energieeinkaufs noch Gasverträge zu moderaten Preise ausgehandelt zu haben. Gültig bis Ende 2024, sagt Geschäftsführer Stefan Gläß. Die günstigen Preise wolle man an die Kunden weitergeben. Keinen Einfluss habe der kommunale Wärmeversorger allerdings auf Entscheidungen der Bundesregierung wie die der Gasumlage.

00 Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.