Erfolgsprodukte kommen aus Neumark

Was es mit dem Bau von Transformatoren im Vogtland auf sich hat, war in Reichenbach zu erfahren. Auch die Apfelsinen- versorgung in der DDR kam zur Sprache.

Reichenbach.

Das verströmte die Atmosphäre eines Traditionstreffens: Günter Antelmann und Wolfgang Keßler, der ehemalige Leiter des Unternehmens SBG Neumark, stellten im Vortragszentrum "Altes Wasserwerk" des Vereins Aqua et Natura die Geschichte des Transformatorenbaus in der Region vor.

Mehr als 90 Zuhörer waren aus dem alten Reichenbacher "Trafowerk" und der neuen Produktionsstätte in Neumark gekommen. Sie lockerten die Darstellungen von Antelmann zum Reichenbacher Trafowerk aus eigenem Erleben auf. Die Referenten wurden zunächst vom amtierenden Bürgermeister der Gemeinde Neumark und Vorstandsmitglied des Vereins Aqua et Natura, Siegfried Kluge, begrüßt, der die Entstehung des Neumarker Werks von Anfang an begleitet hatte.

Sascha Aurich

Aurichs Woche:Der „Freie Presse“-Sonntagsnewsletter von Sascha Aurich

kostenlos bestellen

Ursprung des Baus von Transformatoren in Reichenbach waren drei so genannte Verlagerungsbetriebe, die während des Zweiten Weltkriegs ab 1943 aus Berlin nach Reichenbach umgesetzt wurden. 1947 entstand daraus der Volkseigene Betrieb Gleichrichter- und Transformatorenbau Reichenbach (TRR). Dort konnte sich mit dem Betriebsteil in Lichtenstein, auch in Zusammenarbeit mit dem Halleschen Zentralinstitut für Schweißtechnik unter Werner Gilde, ein führender Betrieb entwickeln. Eine große Produktpalette in hoher Qualität wurde hergestellt, darunter Öltransformatoren, Trafos für den Bergbau, den Schiffsbau oder Schweißgeräte. Das Werk wurde auch mit dem Nationalpreis der DDR ausgezeichnet und lieferte als "Betrieb der ausgezeichneten Qualitätsarbeit" Produkte nach Ost und West. Einmal gelang es, über einen Großauftrag von 10.000 Öltransformatoren die Apfelsinenversorgung der DDR zu sichern. Der Betrieb lieferte Produkte ins westliche Ausland, während die DDR gleichartige Transformatoren aus befreundeten RGW-Ländern für den eigenen Bedarf bezog.

Mit dem 1. Juli 1993 verschwand das Transformatorenwerk Reichenbach. Schon am 17. August 1990 hatte das TRR gemeinsam mit der Regensburger Firma SGB die Sächsisch-Bayerische Starkstrom-Gerätebau (SBG) gegründet. In Neumark entstand ein neues Werk, das 1993 seine Produktion aufnahm. Der alte Standort Reichenbach wurde aufgegeben. Auch in Neumark wurde die Produktion erfolgreich gestaltet, mit einem eigenen Produktions-, Planungs- und Steuerungssystem.

Wie Kessler berichtete, hat die Bautätigkeit in Neumark nicht aufgehört. Derzeit gibt es Überlegungen zu einer weiteren 2000 Quadratmeter großen Halle. Mehr als 600 Arbeitskräfte bedienen mit ihren Produkten Länder in einem Umkreis von etwa 1000 Kilometern um Neumark. "Neumark liegt im Zentrum Europas", so Keßler scherzhaft. Selbst in Israel funktionieren heute Neumarker Transformatoren. In Israel war durch den millionenfachen Zuzug aus osteuropäischen Ländern der eigene Transformatorenbau an seine Grenze gestoßen. So landete 1993/94 ein Großauftrag über 3000 Transformatoren in Neumark. Die SBG gehört heute zu einer weltweit agierenden Investorengruppe und blickt in eine gesicherte Zukunft.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...