Erlbach feiert diesmal auf Sparflamme

Die 310. Kirwe konnte in diesem Jahr coronabedingt nicht das geplante großes Volksfest werden. Nun hofft man auf 2021.

Erlbach.

An diesen Zustand musste man sich erst einmal gewöhnen Parkplatznot in Erlbach? Fehlanzeige. Karussells auf dem Lindenplatz? Nichts davon zu sehen. Musik und Beköstigung am Magischen Dreieck? Die fielen aus. Buntes Markttreiben? Die Straßen blieben leer.

All dies ist normalerweise am dritten Oktoberwochenende Sitte und Pflicht in Erlbach, dem größten Volksfest im oberen Vogtland. Nur in Kriegszeiten und kurz danach, so erzählt man sich, fand die Kirwe nicht statt. Und den nächsten Generationen wird man erzählen müssen: Damals, im Jahr 2020, gab es wegen der Corona-Pandemie und damit verbundener Hygienebestimmungen auch keine Kirwe.

Zumindest eine auf Sparflamme, das wollten sich die härtesten der harten Organisatoren denn doch nicht vermiesen lassen - egal, was vorab im Buschfunk geredet und geschrieben wurde. Schließlich heißt es in der Hymne des Volksfestes trotzig und selbstbewusst "Mei Dooch solls die Kirwe gebn!".

Ein zarter Hauch des Feierspektakels wehte gestern über den Kegelberg. An der Berghütte, 745 Meter über dem Meeresspiegel, trafen sich Erlbacher und Auswärtige, Radfahrer und Wanderer zum Weißwurstfrühstück. Ohne Maske wegen der frischer Luft, aber mit gebührendem Abstand zueinander.

"Wir wollen wenigstens etwas auf die Beine stellen, trotz Corona", so Norbert Dick, der zusammen mit Oliver Glas am Steuerpult saß und selbst ausgefallene Musikwünsche erfüllte und mit kecken Sprüchen zumindest etwas an die gewohnte Stimmung am Magischen Dreieck auf dem Lindenplatz erinnerte.

Normalerweise - schon wieder dieses Wort - wird am Samstagvormittag vom Ortsvorsteher André Worbs (Freie Wähler) ein Freibierfass mit Kirwe-Bock angezapft, Pfarrer Jan Dechert segnet das Volksfest und seine Besucher. Diesmal gab es stattdessen einen Kirwe-Gottesdienst in der Kirche. Wer gehofft, gar erwartet hatte, dass die Bankreihen im Rahmen des Möglichen besetzt sein werden, wurde enttäuscht - wie auch bei der anschließenden Wanderung, als sich die Teilnehmer locker an drei Händen abzählen ließen. Bessere Worte und sinnschwerere Gedanken als Pfarrer Dechert in seiner "besonderen Andacht" hätten sich nicht finden lassen können.

Was bleibt von dieser Kirwe 2020 übrig, da ein kleiner Virus alles verändert und auf den Kopf gestellt, durch jede Rechnung einen Strich gemacht hat? Es ist das Besinnen auf die Kirwe als ein Kirchweihfest. Pfarrer Dechert - und nicht nur er empfindet es so - fühlt sich in diesen Tagen und angesichts der Kirwe erinnert daran, dass im Herbst Sträucher und Bäume beschnitten werden. Mitunter so radikal, dass man meinen und befürchten könnte, aus den Überbleibseln entweicht das Leben für immer. Und dann spießt es im nächsten Jahr doch wieder mit aller Macht. So soll es auch mit der Kirwe in Erlbach sein.

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