Erstes Sinfoniekonzert für Publikum anders als gewohnt

Die Coronaregeln zwingen zu neuen Verhaltensweisen beim Kunstgenuss mit der Vogtland Philharmonie im Reichenbacher Neuberinhaus. Auch aus anderen Gründen war einiges neu.

Reichenbach.

Alles war anders und auch wieder nicht beim ersten Sinfoniekonzert der Saison 2020/21 im Reichenbacher Neuberinhaus: Anders waren die drei Auflagen, durch die eine Nachmittagsveranstaltung möglich wurde. Orchesterdirektor Ulrich Wenzel am Dienstagnachmittag: "Die meisten Besucher haben das ausverkaufte Mittwochabend-Konzert ausgesucht, denn das ist der reguläre Termin. Die anderen verteilen sich auf die beiden Zusatzkonzerte Dienstagabend und Mittwochnachmittag." Mit 550 Anrechte sind in Reichenbach genauso viel verkauft wie im Vorjahr. Nur 220 Zuhörer dürfen in ein Konzert im mehr als 600 Besucher fassenden Haus.

Aufgrund der Bauarbeiten für den Fahrstuhl, auf den sich auch viele der Konzertbesucher freuen, kann zurzeit nur ein Seiteneingang genutzt werden. Die Metalltreppe ist unterteilt, als wäre sie für den Einbahnstraßenverkehr in Coronazeiten konzipiert. Doch beim Bau wusste noch niemand etwas von Pandemie und Kulturkollaps. Ronald Böhm, der Leiter des Hauses, sagte: "Im Außenbereich ist auch kein Einbahnstraßenverkehr notwendig." Er wachte am Einlass mit Argusaugen über die Einhaltung der Hygieneregeln, gab Zettel für die persönlichen Daten an alle aus, die sie nicht schon beim Kauf der Eintrittskarten mitgenommen hatten und ausgefüllt zurückbrachten. "Das funktioniert wunderbar. Das Publikum ist sehr verständnisvoll", sagt er, während die Gäste der Nachmittagsveranstaltung mit Mundschutz an ihren Platz gingen.

Das Konzert selbst war ohne Pause. Reichenbachs Oberbürgermeister Raphael Kürzinger (CDU), zugleich Vorsitzender des Trägervereins der Vogtland Philharmonie, eröffnete die Konzertsaison des 28. Jahrgangs mit nachdenklicheren Worten als sonst. Er erinnerte an die abgesagten oder verlegten 87 Konzerte, an die Neuplanungen und die kreative Umsetzung wechselnder Vorgaben. Gleichzeitig dankte er jenen, die um Lösungen gerungen hatten und wies auf hohe Kosten hin. Bis Ende 2020 könnte die Finanzlücke eine Dreiviertelmillion Euro betragen.

Mit dem Zitat aus Ludwig van Beethovens Kanon "Doktor sperrt das Thor dem Todt, Note hilft auch aus der Not", das im Streichquartett a-Moll verarbeitet wurde, leitete der OB zum Konzertprogramm über. Er begrüßte den neuen Chefdirigenten Dorian Keilhack, der bei Felix Mendelssohn Bartholdys Ouvertüre zu "Ruy Blas" sein Temperament entfaltete, Akzente setzte, das Orchester zu Höchstleistungen antrieb.

Der zweite Programmpunkt vereinigte die Philharmonie mit dem 1988 gegründeten und preisgekrönten Minguet Quartett. Etwa 30 Streicher harmonierten bei Edward Elgars Introduction and Allegro für Streichquartett. Die vom Publikum geforderte Zugabe bestritten die vier Solisten mit einem Ausflug in die Kammermusik. Beethovens Danksagung eines Genesenen folgte Johannes Brahms' Sinfonie Nr. 1 c-Moll. Zu diesem Zeitpunkt hatte der neue Chefdirigent längst bewiesen, dass er das Orchester sicher durch ein Konzert mit allen musikalischen Facetten führen kann.

Das Publikum bedankt sich mit lang anhaltendem Applaus für das Gebotene. Die Vertreter der Philharmonie und des Neuberinhauses hörten Dankesworte für die gute Organisation und die musikalische Leistung. Das Personal hatte zu dem Zeitpunkt bereits mit der Desinfektion des Hauses und dem Luftaustausch im Veranstaltungsraum begonnen. Eine Stunde später begann das Spiel von vorn.

00 Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.