Erzieherin mit Leib und Seele

MEIN Traumberuf Für Anne Hofmann aus Mylau war als Kind klar: Ich werde Erzieherin. Die Entscheidung bereute sie nicht. In einer Serie stellt die "Freie Presse" junge Vogtländer mit bodenständigen Tätigkeiten vor, die man in der Region erlernen und ausüben kann. Heute: Erzieher/-in.

Reichenbach.

Anne Hofmann ist bei der Arbeit kinderreich: Ihr Domizil ist die Krippengruppe der Reichenbacher Awo-Kindertagesstätte "August Horch". Seit sie ihren Berufsabschluss als Erzieherin in der Tasche hat, arbeitet sie in Kitas dieses Trägers, seit 2015 in der neuen Einrichtung neben der ehemaligen Horch-Fabrik. "Ich habe schon als Hortkind nach den Hausaufgaben in der Krippe geholfen, die Kinder anzuziehen und oder nachmittags beim Kaffeetrinken. Das hat mir Spaß gemacht und schon damals wollte ich Erzieherin werden." Die 29-Jährige ist das mit Leib und Seele.

Die Mylauerin lernte nach dem Realschulabschluss Kinderpflegerin. Sie war drei Jahre an der Fachschule für Sozialpädagogik des Gemeinnützigen Schulungszentrums für Sozialwesen Auerbach und schloss die Ausbildung als staatlich geprüfte Erzieherin ab. Schulleiter Mathias Seidel: "Wir haben 2005 mit der Erzieherausbildung begonnen. Schon damals zeichnete sich ein drohender Fachkräftemangel durch die Verrentung vieler Erzieher ab."

Für Anne Hofmann war von Anfang an klar, dass ihr Arbeitsfeld ein Kindergarten wird, obwohl in ihrer Familie kein einziger diesen Beruf ergriffen hat: "Die sagen alle, das würden sie nicht machen, wegen der Lautstärke und weil man starke Nerven braucht." Schon in den Praktika bei der Ausbildung testete sie mehrere Einrichtungen: "Wir können uns die Einsatzorte auswählen. Ich war zum Beispiel in den Kitas Mischka Mylau, Märchenland Netzschkau und Gänseblümchen Rotschau, aber auch im Jugendklub Atlantis. Eine meine Mitschülerinnen war in der Jugendpsychiatrie im Krankenhaus Rodewisch."

Der übliche Kindergartentag beginnt mit dem Frühstück und der Spielzeit. Die Kita setzt auf offene Arbeit. Für individuelle Wünsche stehen offene Räume bereit, zum Beispiel eine Schreibwerkstatt und ein Kreativraum. Anne Hofmann: "Das ist ein guter Mittelweg. Die Kinder können ihren Interessen nachgehen und etwas gemeinsam mit Gleichaltrigen machen. Ich habe keine Mühe, die Kinder zu begeistern, sie stehen meist schon parat."

9 Uhr starten die Krippenkinder mit dem Morgenkreis. Dann geht es je nach Wetter an die frische Luft. Nach dem Mittagessen folgen Zähneputzen, umziehen, auf das Töpfchen gehen und zwei Stunden Mittagsschlaf, dann Kaffeetrinken und bis zum Abholen eine weitere Spielzeit im Haus oder im Garten.

Der Krippenbereich ist relativ abgeschlossen. Zurzeit betreut die Erzieherin mit zwei weiteren Erzieherinnen 16 Krippenkinder. 20 Plätze sind vorhanden, doch der Teufel steckt im Detail: "Der Schlüssel liegt bei 5,5 Kindern pro Erzieher. In der Urlaubszeit und wenn viele krank sind, kann es schon stressig werden", weiß Anne Hofmann. Zudem werden für den Schlüssel die Stunden gerechnet. Es interessiert wenig, dass die meisten Kinder vormittags da sind und nicht gleichmäßig über neun Stunden verteilt. Der Kindergarten hat 40 Plätze, der Hort 25. Zwei Stunden pro Woche haben die Erzieher Zeit für Elterngespräche und bürokratische Tätigkeiten.

Auch wenn Anne Hofmann lieber mit den Kindern arbeitet, ist ihr die Dokumentation ihrer Entwicklung wichtig. Sie hat als stellvertretende Leiterin noch zusätzliche Schreibarbeit zu bewältigen. Sie verfügt auch über Zusatzqualifikationen als Sprachförderkraft sowie Kursleiterin Babymassage.

Der Tagesablauf steht im Großen und Ganzen fest, trotzdem ist für die Erzieherin kein Tag wie der andere. Oft passiert Unvorhergesehenes. Das Kinderlachen entschädigt. Anne Hofmann: "Wenn ich selbst mal einen schlechten Tag habe und die Kinder strahlen mich an, geht es mir gleich besser."

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Fakten zum Beruf

Das Schönste? Erzieherin Anne Hofmann: "Man kann noch so einen guten Plan haben. Kein Tag ist wie der andere, man muss immer flexibel sein und entscheiden. Dafür bekommt man von den Kindern viel zurück."

Ausbildung? Schulleiter Mathias Seidel: "Erzieher ist ein Fachschulberuf. Man benötigt mindestens einen Realschulabschluss und eine abgeschlossene Berufsausbildung. Quereinsteiger aus nichtsozialen Berufen müssen Berufserfahrung mitbringen oder ein freiwillig soziales Jahr nachweisen. Zugelassen sind auch Absolventen der Fachoberschule für Gesundheit und Soziales." Bei Freien Trägern übernimmt der Freistaat Schulgeld für bis zu 50 Euro.

Was verdient man? Da die Ausbildung schulisch ist, gibt es keine Vergütung. Nach Abschluss hängt das Gehalt von der Einsatzstelle ab. 2500 Euro brutto sind drin, auch mehr oder weniger, so der Schulleiter.

Job- und Aufstiegschancen? Seidel: "Die Berufschancen sind sehr gut, nicht nur bei Kitas, auch in der Jugendarbeit und im Heimbereich sowie im Bereich Inklusion. Ein Großteil der Absolventen bleibt in der Region."

Was muss man können? "Neben allen Themen in Zusammenhang mit Erziehung, Gesundheit sowie kreativen Dingen gibt es auch Unterricht in Mathematik, Deutsch und Englisch", sagt die Erzieherin.

Für wen ist das nichts? "Für Leute, die nicht so gern mit Menschen arbeiten", sagt Anne Hofmann. (pstp)

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