Fahne der Strohcapelle erweist sich als ein Schatz aus Seide

Das opulent bestickte Stück aus dem Nachlass seines Vaters hat Josef Wetzl dem Museum Burg Mylau vermacht. Ein Motiv ragt besonders heraus.

Mylau.

Da liegt er. Ausgebreitet auf dem Ratstisch im historischen Ratssaal auf Burg Mylau. Der Fahnen-Schatz. Blaue Seide golden bestickt. "Dem Gesang-Verein Strohcapelle Mylau i/Vogtl. gewidm. v. d. Frauen u. Jungfrauen 1889" ist da zu lesen. Daneben liegt die Fahnenstange, die Patina angesetzt hat. An ihr hängt noch der Wimpel des Brudervereins Concordia Mylau, der anlässlich des 50. Vereinsjubiläums 1926 angeheftet wurde. Der Schaft trägt etliche Beschläge.

Josef Wetzl hat diesen Schatz auf dem Dachboden im Nachlass seines im Juni 2016 verstorbenen Vaters entdeckt - und ihn dem Museum Burg Mylau geschenkt. Josef Wetzl Senior war einer der bedeutendsten Maler und Grafiker des Vogtlandes und Ehrenbürger von Mylau.

"Mein Vater hat viel mit alten Mylauern gesprochen und bekam da Einiges geschenkt. Irgendwann muss so auch die Fahne der Strohcapelle bei ihm gelandet sein", sagt Josef Wetzl. Als Kind habe er die Fahne schon einmal selbst gesehen. Jetzt, nach Jahrzehnten, wird sie dem Vergessen entrissen.

Museumsleiterin Sina Klausnitz ist hocherfreut über diese Schenkung. "Es ist eine typische Vereinsfahne aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Sie wurde aufwändig verziert. Der Stoff ist Seide, die Stickerei auch. Alles ist akkurat in edler Handstickerei ausgeführt", erklärt sie. Ein Motiv aber ragt heraus: Das Bild auf der Vorderseite der Fahne zeigt die Burg Mylau vor dem Umbau, der 1892 bis 1908 vom Schlossbauverein im Stile des Historismus realisiert wurde. "Das ist eine von ganz wenigen Darstellungen der Burg, die wir aus jener Zeit haben", freut sie sich. Was ihr ins Auge fällt: "Der Burgberg war damals nicht so zugewachsen wie heute. Das war alles viel luftiger."

Die cremefarbene, ebenfalls opulent besticke Rückseite der Fahne, zeigt Gott, Ritter und Musikant nebst der Inschrift: "Sie singen von Lenz und Liebe, von selger goldner Zeit, von Freiheit, Männerwürde, von Treu und Heiligkeit." Die Rückseite ist nahezu unbeschädigt, während die Vorderseite doch etliche Löcher aufweist. Der Seidenstoff ist durch Lichteinwirkung vor allem rechts oben zerschlissen.

Und was hat es mit dem Gesang-Verein Strohcapelle auf sich? Heimatforscher Wolfgang Viebahn erklärt: "Der Verein wurde 1876 gegründet. Sein Name leitet sich von einem Gebäude her, das an der Netzschkauer Straße stand und den Namen Strohhof trug. Dort probte der Verein anfangs, später im 'Goldenen Löwen' am Markt." Von einem Doppelquartett aus vier Damen und vier Herren habe er sich zum Männergesangsverein entwickelt. "Das war ein gut bürgerlicher Verein, in dem auch Textilunternehmer sangen", so Viebahn. Im Museumsdepot existiert noch eine Mitgliederliste. Die Strohcapelle nahm auch an Sängerbundfesten teil, so in Wien 1890, in Nürnberg 1912 und in Hannover 1924. 1945 wurde der bürgerliche Verein verboten und 1948 aus dem Vereinsregister gelöscht.

Museumsleiterin Sina Klausnitz will versuchen, die einzigartig schöne Vereinsfahne mit zum Stadtfest öffentlich auszustellen, das vom 12. bis 14. Mai anlässlich 650 Jahre Stadtrecht gefeiert wird. "Ich hoffe, dass noch viel mehr Mylauer den Weg ins Museum finden. Viele wissen gar nicht, welche fantastischen Schätze es hier oben gibt", fügt Josef Wetzl hinzu. Er freut sich, dass sich auch die Schulkinder vom Futurum hier mit der Geschichte befassen können. Von der Arbeit des Futurum-Vereins sei er begeistert. Wo sonst haben Schulkinder einen ganzen Campus für sich?

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