Feierlaune bei C. H. Müller: Auftragsplus im Jubiläumsjahr

Tradition und Innovation seit 1868: Unter diesem Motto hat der Automobilzulieferer jetzt mit der Belegschaft das 150-Jährige gefeiert. Zur Freude trägt die Geschäftslage im Vogtland und in Übersee bei.

Heinsdorfergrund.

Seit einem Monat läuft im neuen Werk in Übersee die Serienproduktion. "Wir fertigen dort jetzt auch die Interieur-Teile, die wir früher im Vogtland produziert und in die USA geliefert haben", erzählt Thomas Porst. Wie der Seniorchef des Heinsdorfer Automobilzulieferers C. H. Müller sagt, ist der aktuelle Daimler-Auftrag Auftakt einer vielversprechenden Entwicklung in Greer im Bundesstaat South Carolina. In dem neuen Werk produziert C. H. Müller künftig Innenraum-Materialien für BMW, Volvo, VW, Chrysler, Toyota sowie weitere Daimler-Produkte für die Zulieferer dieser Hersteller. In Kürze werden zudem Abschlüsse mit einem Lieferanten eines großen Truckherstellers erwartet. Auch andere Projekte - etwa für Hitzeschutz-Komponenten - bahnen sich an.

Die erfreuliche Entwicklung an der Ostküste der Staaten ist Ergebnis eines Kraftakts für den 370 Mitarbeiter starken Hersteller technischer Verbundmaterialien, die sich in Innenraum-Bauteilen vieler Modelle nahezu jedes in Europa produzierenden Auto-Herstellers finden. "Die Investition in die nordamerikanische Tochter ist für das gesamte Unternehmen lebensnotwendig. Wer dort sitzt, hat die Kontakte. Wer dort liefern kann, kommt an die großen Aufträge weltweit", sagt Thomas Porst: In Greer und im Großraum der Stadt hat Junior-Chef Philipp Porst quasi die Welt der Hersteller und Zulieferer vor dem Werktor. Auch das größte BMW-Werk weltweit. "Mein Sohn sagt immer, er schaut dort auf BMW wie bei uns im Gewerbegebiet auf Thermofin."

Auch in den vogtländischen Werken in Heinsdorfergrund, Netzschkau und seit kurzem in Obermylau brummt's - dazu gehört die neue, für 2,2 Millionen Euro gebaute Fertigungshalle im Kalten Feld. In der zweigeschossigen Halle läuft die Produktion für die nächsten sechs bis acht Jahre auf Hochtouren - für einen Hersteller. Gefertigt werden Türverkleidungen für die neue A-Klasse, die seit kurzen bei den Händlern steht. "Neun Millionen Euro Jahresumsatz bringt allein dieser Auftrag ab 2019, es ist der bisher größte für uns", erzählt Thomas Porst. Fünf CNC-Nähautomaten und 24 Industrie-Nähmaschinen surren im neuen Daimler-Anbau, um den fixierten Ausstoß leisten zu können. Und der nächste Auftrag steht schon an: Türverkleidungen für den neuen Golf im Volumen von viereinhalb Millionen Euro - verteilt auf den europäischen und den US-Markt.

Was bei C. H. Müller außerdem für Feierlaune sorgt, ist das Zusammenfallen des Umsatz-Rekordjahrs (70 Millionen Euro) mit dem Jubiläums-Jahr. Seit 150 Jahren steht C. H. Müller für Tradition und Innovation: Unter diesem Motto hat Europas Branchenführer die Firmengründung im Jahr 1868 jetzt gefeiert -mit der Belegschaft und deren Familien am Standort Obermylau und mit einer Veranstaltung für Partner aus Wirtschaft und Politik im Kalten Feld. Thomas Porst hatte aus diesem Anlass die wechselvolle Geschichte des einstigen Herstellers von Materialien für die Schuhindustrie in Vorträgen lebendig werden lassen, eingebettet in die jeweiligen politischen Verhältnisse.

Die Etappe von der Enteignung seines Vaters Hans-Heinrich Porst während der letzten großen Verstaatlichungswelle 1972 bis zur Reprivatisierung nach der Wende illustrierte der Seniorchef anhand eigener Erlebnisse - Thomas Porst erlebte den Enteignungs-Wahn als Student der Ingenieurökonomie in Dresden, später war er Technischer Leiter eines Werkes des VEB Vowetex und ab 1990 Geschäftsführer der C. H. Müller GmbH. "Für das Gelingen des Neustarts und unsere jetzige Entwicklung gibt es ein Erfolgsgeheimnis. Das waren jene 32 Fachleute und weitere, die wir bald in die Firma zurückholen konnten, die in den 90er-Jahren ihr Wissen und ihre Kraft in das neue Unternehmen investiert haben. Insofern hatten wir vor fast 30 Jahren auch eine Gründerzeit, die ebenso Mut und Unternehmertum abverlangte wie jene Zeit, in der Carl Heinrich Müller den Grundstein legte."

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1Kommentare
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  • 0
    0
    aussaugerges
    15.09.2018

    Ist aber nur einer von 4 Betrieben im Vogtland ab 50 Beschäftigten wo die Innovationen und Gewinne im Vogtland bleiben.
    Forschung, Entwicklung, Kundendienst und Expansion ist so möglich .



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