Feingefühl zählt beim Stapler-Cup

Carsten Diezel aus Neumark, der bei Nouryon in Greiz arbeitet, nimmt seit 2009 an den Meisterschaften teil. Am 18. Mai ruft in Blankenhain die nächste Herausforderung.

Neumark/Greiz.

Seit 15 Jahren werden beim Stapler-Cup, den Deutschen Meisterschaften im Staplerfahren, im ganzen Land die fähigsten Staplerfahrer und -fahrerinnen gesucht. Auch 2019 kämpfen über 2000 von ihnen bei 25 Regionalmeisterschaften um den Einzug ins Finale. Einer davon ist Carsten Diezel, der in Greiz im Chemiewerk Nouryon, ehemals Akzo Nobel Functional Chemicals, arbeitet.

Der 31-Jährige, der in Neumark zu Hause ist, hat von der Pike auf im Greizer Chemiewerk gelernt. Ab 2004 absolvierte er die Lehre als Fachkraft für Lagerlogistik, 2007 wurde er übernommen. Zu seinem Job gehörte das Gabelstaplerfahren einfach dazu, beispielsweise um die Lkws zu be- und entladen.


2009 nahm er erstmals an der Regionalmeisterschaft Ostthüringen im Stapler-Cup in Blankenhain teil. "Mit gemischten Gefühlen", sagt er. Denn anders als in der Firma, wo meist große Paletten und Gebinde zu bewegen sind, geht es im Wettbewerb um anspruchsvolle Logistik-Aufgaben, für die es neben Geschwindigkeit und Erfahrung überraschend viel Fingerspitzengefühl am Staplersteuer braucht. Nervenaufreibende Sekunden und Millimeter liegen zwischen Scheitern und Erfolg. Da liegt ein Hauch der ZDF-Show "Wetten dass ..." in der Luft, bei der Millionen am Fernseher die Luft anhielten, als Gabelstaplerfahrer einen Faden in eine Nähnadel einfädelten oder Zwei-Cent-Stücke in die schmale Öffnung einer Cola-Flasche beförderten. Das hatte seinerzeit auch Diezel fasziniert verfolgt.

"Bei meiner ersten Teilnahme wurde ich Fünfter. Seitdem habe ich es im Regionalausscheid immer unter die ersten Zwei geschafft", erklärt er. Routine und Gelassenheit helfen dabei. Bei der Deutschen Meisterschaft in Aschaffenburg kam er zweimal auf Platz 7, zuletzt 2018. "Dort sind die besten 60 Staplerfahrer aus ganz Deutschland am Start, während sich bei den Regionalmeisterschaften ja jeder anmelden kann, der den Staplerschein hat, auch just for fun", sagt er. Wenn die Finalisten gegeneinander auf der Staplergabel Bälle über Hürden balancieren, Mini-Fässchen mit auf den Zinken montierten Modellstaplern verladen oder meterhohe Kistenstapel durch enge Kurven zirkeln, ist die Spannung mit Händen zu greifen.

Wenn bei der MV Fördertechnik GmbH in Blankenhain am 18. Mai die nächste Regionalmeisterschaft steigt, will Carsten Diezel seinen Vorjahressieg verteidigen. Die drei Aufgaben sind seit ein paar Wochen online: Zum einen sind fünf Bierkästen mit nur einer Gabel übereinander zu stapeln. Zum anderen ist mit einem auf dem linken Gabelzinken montierten Ministapler eine Pyramide aus Minifässchen zu bauen. Und schließlich ruft noch ein Pylonenparcours.

Ein Handicap muss Carsten Diezel indes wegstecken: "Ich fahre kaum noch Stapler", sagt er. Das war schon in den vergangenen Jahren so, als er Vorarbeiter war. Nachdem sein Meister in den Ruhestand gegangen ist, nimmt er seit Januar dessen Platz ein. Als Meister Logistik arbeitet Diezel nun vorwiegend im Büro. "Man könnte üben. Aber unter der Woche bleibt dafür keine Zeit. Ich werde also aus der Kalten antreten", meint er. Dann aber flammt doch der Ehrgeiz auf: Ein paar Runden werde er vorab sicher drehen.

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