Feriendorf-Chef will Pilgerweg durch die Innenstadt führen

Zurzeit führt der Jacobsweg eher an Lengenfeld vorbei. Durch die neue Route soll der Handel profitieren. Doch ist das überhaupt realistisch?

Lengenfeld.

Mittendrin statt nur dabei. Das ist erstens ein Werbespruch aus den 90ern. Und es ist zweitens Gottfried Pesters Plan für den Jakobsweg. Noch führt die Pilgerroute westlich an Lengenfeld vor. Wenn es nach dem Chef des Feriendorfs Vogtland im Ortsteil Waldkirchen geht, soll sie künftig direkt durch den Ortskern verlaufen. "Erstens sollen die Wanderer etwas von Lengenfeld sehen", sagt Pester. "Außerdem wäre das auch für Handel und Gewerbe in der Innenstadt wichtig. Pilger sind ja auch Kunden."

Gabriela Krauthahn ist da etwas zurückhaltender. Und die Vorsitzende des Gewerbevereins Lengenfeld ist bei diesem Thema immerhin Expertin in zweierlei Hinsicht: als Geschäftsfrau und als Pilgerin. "Wenn ich mit dem Rucksack unterwegs bin, kann ich natürlich unterwegs keinen Einkaufsbummel unternehmen", sagt die Inhaberin einen Modegeschäfts, die auch selbst auf dem Jakobsweg unterwegs ist. "Und von der Zahnpasta, die ich vielleicht kaufe, wird niemand reich." Ein Problem sei auch, dass es kaum verlässliche Zahlen gebe, wie viele Pilger nun eigentlich wirklich durch Lengenfeld ziehen. In Bausch und Bogen verdammen will sie das Projekt trotzdem nicht: "Für den Handel bringt das wahrscheinlich nichts", schätzt sie kritisch ein. "Aber Übernachtungsmöglichkeiten und Gastronomie könnten vielleicht davon profitieren." Darauf hofft auch der Bürgermeister. "Bis Ende August wollen wir das gepackt haben", kündigt Volker Bachmann (Pro Lengenfeld) entschlossen an. "Die Kosten dürften sich in Grenzen halten." Er will den Jakobsweg auf dem Gebiet seiner Kommune aber nicht komplett umverlegen, sondern eher eine Variante schaffen. Diese soll unter anderem an der Klopfermühle vorbeiführen, eine der touristischen Hauptattraktionen des Orts. "Und an den Übernachtungsmöglichkeiten", ergänzt der Rathauschef. Dann wäre noch mit dem Pfarramt zu klären, ob die Aegidiuskirche tagsüber besichtigt werden kann.


Bevor die neuen Schilder mit der Aufschrift "Jakobsweg Vogtland" gesetzt werden dürfen, muss aber einer in jedem Fall zustimmen: Feriendorf-Chef Gottfried Pester. Im "gehört" nämlich der Jakobsweg.

"Doch das stimmt wirklich", bekräftigt Pester. Er hat sich vor vielen Jahren die Marke "Jakobsweg Vogtland" schützen lassen. Mit einer Urkunde samt Siegel und Unterschrift der Präsidentin des Deutschen Patent- und Markenamts kann er dies jederzeit beweisen. "Die regelmäßige Verlängerung kostet jedes Mal eine Stange Geld", so der Feriendorf-Chef. Doch da die Verlegung des Wegs ja auch seine Idee war, dürften die neuen Schilder eher mal nicht an ihm scheitern.


Der Jakobsweg

Start: Der Pilgerweg hat keinen definierten Startpunkt, da sich seit dem Mittelalter Menschen aus ganz Europa auf den Weg machen. Startpunkt ist also quasi vor jeder Haustüre.

Ziel: Der Endpunkt aller Pilger ist die Stadt Santiago de Compostela in Nordspanien. Dort befindet sich der Legende nach das Grab des Apostels Jakobus.

Symbol: Ausgeschildert ist der Weg mit einer Jakobsmuschel. Diese nimmt Bezug auf ein Wunder, das der Apostel selbst nach seinem Tod gewirkt haben soll. In dieser Legende kommen diese Muscheln vor.

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