Festival begeistert mit Rock und Gänsehaut-Momenten

Gut 24 Stunden Musik an drei Tagen: Wer wollte, konnte sich beim Artrock in Reichenbach die volle Dröhnung abholen. Dabei flossen auch Tränen.

Reichenbach.

Das siebente Jahr ist beim Artrock-Festival in Reichenbach kein verflixtes gewesen. Auch wenn vor der allerletzten Band bröckelnder Putz Ärger machte und für eine Zwangspause sorgte (Bericht Seite 9). Was Veranstalter Uwe Treitinger mit seinen vielen Helfern und dem Team des Neuberinhauses auf die Beine stellte, begeisterte die Besucher aus aller Welt.

Andrang vom Start weg. Nicht nur die international bekannten Bands am späteren Abend zogen Besucher in Massen. Auch die Tages-Opener fanden einen gefüllten Saal vor. Das betraf am Freitag Mirror aus Gelsenkirchen ebenso wie am Samstag Polis aus Plauen und am Sonntag Melli Mau & Martin Schnella. Polis, die mit Hammondorgel und rauen Gitarrenparts richtig fetten Rock ablieferten, aber auch zart-romantische Passagen boten, wurden regelrecht bejubelt. Ihre CD "Eins" war am Fanstand so schnell ausverkauft, dass eilends Nachschub herbeigeschafft werden musste.


Bunte Vögel. Der schrillste Vogel im Festivalnest war zweifellos Franck Carducci. Er inszenierte sich mal mit Doppelhalsgitarre, mal mit Bass mit britischer Flagge und rotem Licht am Mikrofon. Kettchen blitzten auf der blanken Brust. Dazu trug er wechselnde Hüte. Einer erinnerte an den Hutmacher aus "Alice im Wunderland", ein anderer war mit die Farbe wechselnden LEDs besetzt. Dazu gab es Fechtszenen und ein röhrendes Didgeridoo. Bunt kamen auch Claudio Simonetti's Goblin am Freitagabend daher. Die Italiener machten einst Musik für Horrorfilme und hatten mit der ein bauchfreies Dress und Netzstrumpfhose tragenden, rothaarigen Bassistin auch optisch etwas zu bieten.

Die Platzhirsche. Mystery ausKanada sowie IQ aus England waren die von den angereisten Fans mit Abstand am häufigsten genannten Bands, die keiner verpassen wollte. Beide traten am Samstagabend auf. Einen großen Fanclub hatte Sylvan am Sonntag dabei, bevor R.P.W.L. im Stile von Pink Floyd loslegten und die Engländer von Arena schließlich verspätet ab 22.28 Uhr den Deckel drauf machten.

Noch mehr Musik. Während der dank Drehbühne ohnehin schon kurzen Pausen gab es am Samstag und Sonntag im Foyernoch mehr Musik. Talente der Musikschule Vogtland, Hannah Gruschwitz, Luise Koch und Selina Tulasoglu, Letztere bekannt aus der TV-Show "The Voice Kids", zeigten ihr Können. Manuel Schmid und Marek Arnold spielten Lieder aus ihrem gemeinsamen Album "Zeiten".

Gänsehaut-Momente. Musik ist Gefühl. Festival-Chef Uwe Treitinger war am Sonntag ergriffen. Zum einen, als Marcella Aragnese mit der Lebenshilfe-Band AnTon aus Bernburg spielte. Zum anderen, als Cyril den im Vorjahr extra für das Festival geschriebenen Titel "Stay" live performte. Da schossen dem großen, kräftigen Kerl Tränen der Rührung in die Augen. Gänsehaut für alle gab es bei der Ostrock-Legende Karat, der auch Reichenbachs Oberbürgermeister Raphael Kürzinger (CDU) lauschte. Zum Finale erschallte bereits nach den ersten Takten ein Chor aus 500 Kehlen: "Über sieben Brücken musst du gehn ..." "Scheen", befand Sänger Claudius Dreilich.

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