Fips über Fips: Nachts stehe ich auf und erzähle mir einen Gag

Fips Asmussen gastiert wieder mal in Reichenbach - Im Interview sagt der Komiker auch, wann er aufhört

Drei Stunden Gag-Power nonstop. Auch wenn Fips Asmussen so langsam auf die 80 zumarschiert, auf der Bühne agiert der gebürtige Hamburger immer noch, als würde es kein Morgen geben. So auch am 10. September im Reichenbacher Neuberinhaus. Im Interview sagt der Komiker, was ihn immer wieder antreibt. Gerd Möckel hatte den seit Jahren in Thüringen lebenden Altstar am Telefon.

Freie Presse: Hallo Herr Asmussen. Vor sieben Jahren waren Sie zuletzt im Neuberinhaus. Sie erinnern sich?

Fips Asmussen: Sieben Jahre ist das her? Aber natürlich. Ich habe nur die besten Erinnerungen. Wissen Sie, es gibt gewisse Häuser in Deutschland, da komme ich gerne hin. Ich war jetzt in Hannover auf einer Kleinkunstbühne, 150 Leute, und die lassen dich nicht von der Bühne, ehe sie ein paar Zugaben bekommen haben. Dabei haben wir da schon drei Stunden Gag auf Gag in den Knochen. Das liebe ich, dafür lebe ich.

Apropos kleine Häuser, das funktioniert, aber im Fernsehen sind sie ja kaum noch zu sehen.

Das Fernsehen ist runtergekommen, das ist meine Antwort. Da sehen Sie täglich, was der Rinderwahn angerichtet hat. Inhaltlich ist das, was die Comedians bringen, eine Offenbarung. Von der Bezahlung rede ich da gar nicht. Ich sollte neulich mal im Vormittagsfernsehen vorbeischauen. Ab und zu das Gesicht in die Kamera, fertig. Für sechs Minuten wäre ich bis nach Köln gefahren, und das für 200 Euro. Nein, das tue ich mir nicht an. Mir sind Häuser wie in Reichenbach lieber. Da sitzen die Menschen, die nur wegen mir Eintritt bezahlt haben. Denen bin ich einen guten Auftritt schuldig. Das Fernsehen lehne ich mittlerweile ab. Mir geht's da ein bisschen wie Dieter Hildebrandt. Der hat mal in Bezug auf seine Bekanntheit gesagt, dass ihm ein Saal mit 150 Leuten lieber ist, weil er da mit den Leuten schön plaudern kann.

Schon wieder apropos. Wer kommt denn mittlerweile zu Ihren Gag-Kanonaden?

Mir hat jemand gesagt, Mensch, Fips, dir sterben die Alten weg. Richtig, aber er hatte die Jungen vergessen. Im Hamburger Tivoli, da bin ich immer schon ein Vierteljahr vorher ausverkauft, da sitzen so um die zehn Prozent ab 60 aufwärts, der Rest ist deutlich jünger, nicht wenige sind so Mitte 20. Und die sind aus dem Häuschen. Keine Ahnung, warum das so ist.

Wirklich keine Idee?

Vielleicht ein bisschen die Verbreitung übers Internet. Andererseits; ich habe sieben Millionen Platten und CD verkauft. Diese Dinger liegen ja irgendwo rum. Zu meinen Auftritten kommen stets Leute mit alten Platten zum Signieren. Es sind im Vergleich zu früher auch deutliche mehr Frauen da - die dann über Frauenwitze lachen.

Vielleicht hat sich ja auch die Art ihrer Gags etwas gewandelt.

Vielleicht. Früher habe ich Gags wie diesen noch gebracht: Frauen werden unterdrückt, das finde ich voll in Ordnung. Das mache ich heute nicht mehr. Was ich aber bei meinen Gratwanderungen nie aus den Augen verloren habe: Sie knüpfen immer am ganz persönlichen Erleben des Einzelnen an, immer ganz realistisch, immer knapp und treffend. Und so lange mein Publikum das hören will, so lange mache ich weiter.

Sie werden bald 80, wo nehmen Sie diese Power her?

Das fragt mich meine Frau auch manchmal. Wissen Sie; das ist mein Leben. Ich stehe nachts auf und erzähle mir einen neuen Gag. Ich nehme auch die direkte Vorbereitung auf ein Gastspiel sehr ernst.

Dazu gehört?

Rechtzeitige Anreise, das Anschauen von Stadt und Bühne und immer eine Pizza eine Stunde vor dem Auftritt, und dann ein Glas trockenen Sekt. Den Sekt hat mir mal ein Arzt empfohlen, dem ich von einer gewissen Müdigkeit vor dem Auftritt erzählt hatte. Das funktioniert. Wenn ich dann auf die Bühne komme und in die Reihen schaue, dann bin ich ein anderer Mensch. Ein "guten Abend" ist dann zu wenig, da muss es gleich richtig losgehen.

Fips Asmussen mit "Drei Stunden Humor-Power nonstop" am 10. September im Neuberinhaus. Karten gibt's in allen "Freie Presse"-Shops.

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