Fliegender Fotograf zeigt das Vogtland von oben

Aus der Luft betrachtet sieht die Heimat anders aus als gewohnt. Einen Film, der so ein Erlebnis möglich macht, wollten in Lengenfeld viel mehr Neugierige sehen, als es Sitzplätze gab.

Lengenfeld.

Was mancher Vogtländer sein Leben lang nicht schafft, sich seine Heimat einmal genau anzuschauen, das erledigten am Mittwoch die 30 Besucher des ersten ausverkauften Kinoabends im Lengenfelder Museum mit einem Ritt. Mehr als doppelt so viele Interessenten wollten sich einen Platz bei der vom Förderverein organisierten Veranstaltung reservieren lassen, doch der Platz reichte nicht. Deswegen will Museumschef Michael Heuck versuchen, einen zweiten Kinoabend zu organisieren.

Im Museum zeigte Reiner Grimm, freier Fotojournalist aus Neumark und Kulturbundmitglied in Reichenbach, seinen Beitrag "Das Vogtland von oben". Für die Besucher war der virtuelle Ausflug in die Heimat, noch dazu aus Vogelperspektive, die Gelegenheit, ihre Ortskenntnisse zu überprüfen. Und das Beste: Auf den Bildern war immer schönes Wetter zu sehen, blauer Himmel, Sonnenschein.

Solches Wetter brauchte Reiner Grimm, um die Fotos vom Flugzeug aus überhaupt schießen zu können. Der Fotograf berichtete: "Wolken wären störend gewesen. Die hätten Schatten auf die Erde geworfen." Für die Aufnahmen nutzte er ein kleines Motorflugzeug des Flugplatzes Zwickau, eines, bei dem man die Seite öffnen kann. Grimm: "So saß ich mit einem Gurt gesichert an der geöffneten Seite und habe fotografiert." Nicht alles auf einmal. Das kleine Flugzeug kann nur für zwei Stunden Sprit mitnehmen. Er hätte, als er noch jünger war, gern den Pilotenschein gemacht, sinnierte er über die schönen Erlebnisse hoch oben in der Luft. Die Aufnahmen entstanden in erster Linie für einen Bildband mit gleichem Titel. Diesen gibt es bereits in der zweiten überarbeiteten Auflage. Die jüngsten, am Mittwoch gezeigten Bilder sind etwa zwei Jahre alt.

Grimm bewies bei der Wahl seiner Motive auch Gespür für Farbmuster und abstrakte Formen, die sich erst beim Blick von oben dem Betrachter erschließen und die sich örtlich nicht immer gleich zuordnen ließen. Bearbeitete Felder ergeben schöne Streifenmuster. Ein abgeerntetes Feld mit Strohrollen darauf verändert sich beim Blick von oben zu einem Streifenmuster mit Punkten.

Auch die Beurteilung gelungener Architektur fällt von oben vermutlich anders aus, als von unten. Sternförmig angeordnete Gebäude mit viel Grün dazwischen entfalten ihren Reiz erst so richtig mit dem Perspektivwechsel, während in Reihe gebaute Wohnblöcke etwas einfallslos wirken. Eins wurde den Kinobesuchern an diesem Abend auch klar: Es hat sich viel verändert in der Heimat in den letzten 30 Jahren.


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