Fotos und Anekdoten würzen Führung durchs Neubaugebiet

An der Gutenbergstraße, wo die Stadt einst zu Ende war, war der Treffpunkt. Das Wohngebiet ist nicht so schlecht wie sein Ruf.

Reichenbach.

Kann man angesichts einer mehr als 800-jährigen Stadtgeschichte beim etwa 35-jährigen Wohngebiet Reichenbach West noch von Neubau sprechen, zumal inzwischen zahlreiche Wohnbauten und kleinere Siedlungen in Reichenbach entstanden? Wie lange ist etwas neu oder bleiben Bezeichnungen ewig erhalten? Was hat sich getan, seit die Bauarbeiter abgezogen sind? Und wie war das damals, als die ersten Blöcke standen und noch Infrastruktur für einen funktionierenden Stadtteil fehlte?

Diesen und anderen Fragen gingen die Teilnehmer der Stadtführung mit Regina Möller am Freitag nach. Dazu trafen sie sich dort, wo Reichenbach einst zu Ende war: an der Gutenbergstraße. Unter den mehr als 30 Neugierigen waren neben den Stammteilnehmern heutige und ehemalige Bewohner des Wohngebietes. Sie konnten Puzzleteile und eigene Erinnerungen beisteuern. Die Stadtführerin lebt seit dem Erstbezug in einem der Blöcke und konnte ihren Vortrag mit Anekdoten auflockern. Mehr als 30 Jahre können eine sehr lange Zeit sein, denn nicht alle Einzelheiten, die sie erwähnte, waren den Anwesenden noch geläufig.

Erste Station war die Neuberinstraße, an der fünf Blöcke bereits vor dem eigentlichen Neubaugebiet entstanden. Zwei davon hatten noch Ofenheizung, einer diente dem altersgerechten Wohnen und hatte einen Fahrstuhl. Den ersten Block mit Fernheizung baute die damalige Arbeiterwohnungsbaugesellschaft (AWG) 1978. Der kommunale Wohnungsbau zog mit der Neuberinstraße 5 nach. Einige der Teilnehmer erinnerten sich noch an den Anschluss an das Heizhaus der Textilingenieurschule vor dem Bau des Heizhauses am Obermylauer Weg, das eine der letzten Stationen auf dem Rundweg war. Bereits im Vorfeld wurden Infrastrukturmaßnahmen wie der Bau der Umgehungsstraße (ehemals B 173, jetzt S 299) und einer neuen Wasserleitung von Bergen über das Bürgerholz realisiert. In den Flachbauten, über deren Fortbestand oder Abbruch gegenwärtig diskutiert wird, waren Arbeiterunterkünfte und später verschiedene Geschäfte und Einrichtungen.

Auskunft konnte Regina Möller über den Verbleib der Grundsteinkapsel geben, die nahe des abgebrochenen Jugendklubs (später Bambule) eingemauert war. Beim Bau des Parkplatzes wurde sie geborgen und befindet sich samt Inhalt im Stadtarchiv. Anhand von Bildern wurde deutlich, wie sich die Natur entfaltet hat. Gesprochen wurde auch über neue Nutzungen wie zum Beispiel der ehemaligen Kinderkrippe durch den Verein Hirschsteiner Musikanten oder der Kaufhalle durch die Diakonie Auerbach. "An das Einkaufsprovisorium und die Grundsteinlegung konnte ich mich nicht mehr erinnern", sagte Steffen Böhm, der seine Wohnung im fünften Stock mit freier Sicht bis zum Kaltem Feld und zum Kuhberg nicht missen möchte. Er gehört zu den Mietern, die nach Rückbau eines Sechsgeschossers auf vier Geschosse wegen Wegfalls seiner Wohnung umziehen mussten. Das Neubaugebiet sei nicht so schlecht wie sein Ruf, besonders im ersten Bauabschnitt, findet er. Den größten Leerstand gibt es an einem Block, der an einen Privateigentümer verkauft wurde.

Die Zeit eines Regenschauers verbrachten die Spaziergänger unter dem schützenden Vordach der Neuber-Grundschule, wo die Stadtführerin schon etwas zu den folgenden Stationen wie Blaues Haus, Pestalozzischule, Obermylauer Weg und Dammsteinsenke ausführte. Aufgrund der unfreiwilligen Pause dauerte der Rundgang deutlich länger als zwei Stunden.

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