Freibad Netzschkau verliert pro Tag 360 Kubikmeter Wasser

Die Sanierung würde 4,5 Millionen Euro kosten. Geld, das die Stadt nicht hat. So müssen es Reparaturen richten - und die Hoffnung auf genug Wasser aus dem Limbach.

Netzschkau.

Das Volkslied "Wenn der Topf aber nun ein Loch hat ..." werden die meisten kennen und damit auch die untauglichen Ratschläge, um das Loch zu stopfen. Das Freibad Netzschkau ist kein Topf. Wasser verliert es aber auch. Und zwar in rauen Mengen.

"Uns gehen uns pro Tag zehn Zentimeter Wasserstand verloren. Bei 3640 Quadratmetern Wasserfläche sind das rund 360 Kubikmeter", rechnet Bürgermeister Mike Purfürst (Gewerbeverein) vor. Verdunstung und Rückspülung der Filter fallen dabei kaum ins Gewicht. "Das Becken ist undicht. Das Wasser läuft einfach weg", so Purfürst. Sichtbar wird das, wenn der Zufluss aus dem Limbach bei Trockenheit stoppt.


Das 1924 eröffnete und 1974 sanierte Bad ist schon lange reparaturanfällig. "In den 1970er-Jahren wurde verwendet, was gerade an Material da war", sagt Schwimmmeister Günter Claus. An den Wänden im hinteren Bereich wurden Hohlblocksteine gesetzt und mit Spaltklinkern verkleidet, an den Längsseiten fanden auch Granitborden Verwendung. Der Beckenboden wurde im Nichtschwimmerbereich betoniert, im Schwimmerbereich wurde er mit quadratischen kleinen Betonplatten ausgelegt.

Der Wasserverlust sei seit Anfang der 1990er-Jahre deutlich spürbar, mit steigender Tendenz, weiß der Schwimmmeister, der hier seit 34 Jahren tätig ist. Den bislang niedrigsten Wasserstand habe er am 6. August 2019 verzeichnet. An diesem Tag fehlten 80 Zentimeter. "Da war sogar das für das Wochenende geplante Wasserballturnier gefährdet", sagt er. Dank der Hartsteinwerke, die kurzfristig Wasser aus einem ihrer Steinbrüche in den Limbach leiteten, habe das Wochenende gerettet werden können.

So lange der Limbach genug Wasser führt, fällt der Wasserverlust im Bad nicht ins Gewicht. Im zweiten trockenen Sommer in Folge war der Bachlauf unmittelbar vorm Zufluss zum Bad aber schon mehrfach ausgetrocknet. "Alles deutet darauf hin, dass oberhalb aus dem Limbach in Größenordnung Wasser entnommen wird. Auf frischer Tat haben wir aber noch keinen erwischt", sagt der Bürgermeister. Die Stadt habe gebeten, Abstand von der privaten Wasserentnahme zu nehmen, weil die Freibadversorgung gefährdet ist. Der Vogtlandkreis verbot am 24. Juli 2019 die Wasserentnahme aus oberirdischen Gewässern mittels Pumpvorrichtungen. Nicht betroffen sind Entnahmen, für die eine wasserrechtliche Erlaubnis besteht, sowie das Schöpfen mit Handgefäßen.

Für das Problem der undichten Becken gibt es aber nur eine echte Lösung und die heißt: Sanierung. Dabei hätte das Netzschkauer Freibad bereits nach der Wende saniert werden können. Mit 90 Prozent Fördermitteln. Doch der Stadtrat lehnte das 1993 ab. Heute, 26 Jahre später, hat Bürgermeister Mike Purfürst, der seit 2013 im Amt ist, eine aktuelle Kostenschätzung auf dem Tisch liegen: 4,5 Millionen Euro würden Sanierung und Modernisierung des Freibades kosten. Bei verkleinertem Becken, mit Filteranlage und Überlaufeinrichtung. Mit 3640 Quadratmetern Wasserfläche ist das Netzschkauer Bad zurzeit das größte der Region. "Bei rund 10.000 Besuchern pro Jahr kämen wir auch mit 1000 Quadratmetern hin", schätzt Schwimmmeister Claus ein.

"In den städtischen Gremien ist dazu noch nichts andiskutiert", räumt Mike Purfürst ein und dämpft die Erwartungen: "Wir haben einen riesigen Investitions- und Reparaturstau bei Pflichtaufgaben in der Stadt. Überall müssen wir Eigenmittel bringen. Das Freibad aber ist eine freiwillige Aufgabe."

So bleibt vorerst nur, Flickschusterei zu betreiben. Laut Purfürst fließen jedes Jahr 10.000 bis 15.000 Euro in die Instandhaltung des Freibades. Da werden 20 bis 30 Quadratmeter Beckenboden erneuert oder die Unfallgefahr an Fugen und Kanten beseitigt. "Das ist ein Tropfen auf den heißen Stein", sagt der Bürgermeister, dem das Bad am Herzen liegt. Das Freibad ist und bleibt ein Zuschussbetrieb. Der Zuschuss im Haushalt differiere pro Jahr von 70.000 bis 150.000 Euro, erklärt er.

Jedes Jahr schließen in Deutschland rund 60 Freibäder. Auch, weil immer mehr Kommunen das Lied vom Topf mit dem Loch singen.

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