Gartensparte Süd feiert heute den 100. Geburtstag

Der Kleingartenverein zwischen dem Park der Generationen und Schöner Aussicht gibt zum Jubiläum ein öffentliches Gartenfest. 10 Uhr geht es los. Gefeiert wurde auch schon früher.

Reichenbach.

Das genaue Gründungsdatum ist nicht bekannt, nur dass sich die ersten 15 Schrebergärten am Hauptweg zur Schönen Aussicht 1918 zusammenschlossen. Der frühere Vereinsvorsitzende Wolfgang Reißig weiß: "Das war noch im Ersten Weltkrieg, in einer schlimmen Zeit."

Wolfgang Reißig hat seit 57 Jahren einen Garten in der Anlage und war von 1962 bis 2010 im Vorstand, davon 38 Jahre als Vereinsvorsitzender. 1924 kamen weitere Gärten dazu, und aus der Anlage wurde die "Süd". Nach der Aufnahme von zwölf weiteren Gärten im Jahr 1984 wurde die heutige Zahl von 96 erreicht. 2010 hat Frank Schmid das Amt des Vereinsvorsitzenden übernommen. Von den 96 Gärten stehen nur zehn leer. Für diese werden neue Inhaber gesucht.

Reißig kann von abenteuerlichen Zeiten berichten und alles anhand von Pressebeiträgen und anderen Dokumenten belegen. Zum Beispiel wurden die Kanthölzer für das Gartenheim aus einer Schneidmühle in Rautenkranz mit Handwagen geholt. Auf dem Hinweg befanden sich zwei Fässer Bier auf den Wagen.

In der Chronik befinden sich auch Bilder von legendären Festen, die jahrelang mit Umzügen vom Marktplatz durch die Altstadt in Richtung Gartenanlage kombiniert waren. Kind und Kegel, alle Verwandten und Bekannten wurden mitgebracht, so dass eine ganz schöne Menge zusammenkam. Es gab auch eigene Theateraufführungen. Max Dunger schrieb den Schreber-Marsch, der als Liedpostkarte erschien und bei der Kleinen Gartenschau 2014 nach langer Zeit erstmals wieder gesungen wurde.

Die Gärten waren einst nicht so komfortabel wie heute. Kleine Lauben von acht Quadratmetern Grundfläche, dafür große Gemüsebeete und Obstanbau waren üblich. Wasser wurde bei der Schwarzen Tafel aus einem Teich geschöpft. Die Wasserleitung wurde erst 1992 verlegt. Für den damaligen Vereinschef war jedoch der 1988 fertiggestellte Elektroanschluss samt Straßenquerung die größte Leistung.

Zu DDR-Zeiten herrschte ein großer Zusammenhalt. Viele Auszeichnungen zeugen davon. Die Beteiligung an Arbeitseinsätzen zur Verschönerung war groß. Die Kleingärtner wurden mit Festen im Sommer oder zu Fasching belohnt und erhielten Auszeichnungen wie den Titel "Staatlich anerkanntes Naherholungsgebiet". Reißig hat ein Foto, bei dem der viel zu früh verstorbene Harry Manthey vom Dach des Gartenheimes die Trompete bläst. Das Heim wurde 1977 umgebaut, die Küche ins frühere Vereinszimmer verlegt. 1979 und 1980 folgte der Toilettenanbau, alles in freiwilliger Arbeit und nach dem Brotjob.

Der Ex-Vorsitzende mit dem Blick zurück: "Wir konnten uns damals die Gartenfreunde heraussuchen, denn es gab viele Bewerber. Beliebt waren Kraftfahrer und alle, die etwas künstlerisch gestalten konnten." Der Verein beteiligte sich an Ausstellungen des Verbandes der Kleingärtner, Siedler und Kleintierzüchter und empfing auch bedeutende Gäste wie den damaligen Vorsitzenden des Rates des Bezirkes. "Nach den Ausstellungen wurden die Blumensträuße verkauft. Das spülte Geld in die Vereinskasse", erzählt Reißig.

An die Vereinsgeschichte wurde gestern in einer Festveranstaltung für geladene Gäste erinnert.

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