Geigen aus Reichenbach erklingen auf Bühnen weltweit

Das nördliche Vogtland ist kein Zentrum des Geigenbaus, aber dank Romy Rode ist das Handwerk vorhanden. Die Meisterin berichtete jetzt in einem Vortrag mehr dazu.

Lengenfeld.

Der ehemalige Leiter des Lengenfelder Kulturbundes, Friedhelm Wappler, war auf die Geigenbaumeisterin aus Reichenbach aufmerksam geworden. Er wollte ein altes Instrument seines Großvaters reparieren lassen. Bei dieser Gelegenheit empfand er, dass die 38-jährige Fachfrau eine geeignete Referentin für die Reihe der Kulturbund-Gespräche sein könnte, und er sollte damit recht behalten.

Über die Geheimnisse des Geigenbaus berichtete Romy Rode am Freitagabend den Mitgliedern des Lengenfelder Kulturbundes und Gästen ebenso wie über ihren beruflichen Weg seit Abschluss ihrer Lehre vor 18 Jahren. Nach Aufenthalten in Triest, Mailand, Turin, Nürnberg, Ulm und Paris hat es Romy Rode vor fünf Jahren wieder zurück nach Reichenbach ins Vogtland, ihre Heimatstadt, gezogen. Dort hat sie sich in Ihrem Elternhaus selbstständig gemacht. Sie ist damit die erste Geigenbaumeisterin, die sich jemals in Reichenbach niedergelassen hat.

Zeit und Preise, die beim Geigenbau eine Rolle spielen, ließen die Zuhörer erstaunen: Holz, aus denen die Meisterin ihre Instrumente fertigt, trockneten bereits, als sie noch mit dem Ranzen auf dem Rücken zur Schule ging und in der Musikschule das Spielen der Violine erlernte. Nur ausgewählte Bäume von bestimmten Standorten erfüllen die hohen Voraussetzungen, um später zu einem Instrument verarbeitet zu werden. Ahorn und Fichte seien die Holzarten für den Geigenbau. So komme für den Boden des Instrumentes nur etwa 60 Jahre alter Bergahorn aus hoch gelegenen bosnischen Gebirgsregionen infrage. Der berühmte italienische Geigenbauer Stradivari nutzte dieses Holz vor etwa 350 Jahren als einer der ersten. Seitdem schwören Geigenbauer aus ganz Europa auf dieses besonders feste, langsam gewachsene Holz. Spezialisierte Resonanzholzhändler kümmern sich um die Beschaffung. Neben der Auswahl besonderer Bäume komme der Lagerung des Holzes große Bedeutung zu, berichtete sie. Zwischen 20 und 40 Jahren müsse das Holz trocknen, bevor es Geigenbauer verwenden können. Es gibt aber auch noch wesentlich länger gelagerte Ahornböden. Romy Rode spricht von 70 oder gar 120 Jahren: "Solche Ahornböden gibt es aber nirgendwo zu kaufen. So etwas bekommt man höchstens bei einer alteingesessenen Geigenbauerfamilie, die schon über mehrere Generationen im Geschäft ist." Als die Referentin schließlich erklärte, das Instrumentenbauer auf dem Klangholzmarkt vierstellige Beträge für so einen abgelagerter etwa 20 mal 40 Zemtimenter großen Ahornboden, den Laien nicht von einem Stück Feuerholz unterscheiden können, zahlen, erreichte das Staunen der Gäste seinen Höhepunkt.

Romy Rode schätzt auch Instrumente ein und bewertet sie. Sie restauriert alte Instrumente, baut Violinen, Bratschen und Violoncelli. Urkunden in der Werkstatt zeugen von erfolgreichen Teilnahmen an Geigenbau-Wettbewerben in Italien und Deutschland. Etwa anderthalb bis drei Monate, je nach Qualitätsanspruch, arbeitet die Instrumentenbauerin an einem neuen Instrument. Mit Begriffen nimmt sie es sehr genau: Sie bevorzugt das Wort Violine. Es erinnere an die Entstehungsgeschichte der heute gebräuchlichen Instrumente, die vor etwa 400 Jahren in Italien begann.

Die Geigenbaumeisterin arbeitet für Musiker aus ganz Deutschland. Gespielt werden die Instrumente aus Reichenbach aber in vielen Ländern: "Internationale Künstler, die zu mir kommen, sind oft weltweit unterwegs." Was manchmal ein bisschen zu kurz komme, sei das Privatleben: "Außer für berufliche Zwecke spiele ich selber nur ganz selten Violine. Manchmal treffe ich mich mit ein paar guten Freunden, dann musizieren wir gemeinsam."

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