Gelebtes Europa: Bauernmarkt erreicht neuen Teilnehmerrekord

Gleich zur Eröffnung gibt es in Plauen einen großen Ansturm. Anbieter aus 14 Ländern bringen kulinarische Vielfalt ins Vogtland.

Plauen.

Die Vogtländer müssen nicht in die weite Welt fahren, um regionale Köstlichkeiten anderer Länder kennenzulernen, denn einmal im Jahr kommen andere Länder nach Plauen. 75 Aussteller aus 14 Ländern - das ist ein neuer Rekord für den Europäischen Bauernmarkt.

Nicht nur Bauern aus Kreta, Kroatien, Polen, Schweden oder Finnland nehmen die Anreise ins Vogtland gern in Kauf, auch Politiker aller Couleur kommen, wenn der Verein Vogtländischer Bauernmarkt zu diesem einzigartigen Höhepunkt ruft: Europa- und Landespolitiker, ein Botschaftsrat und viele Gäste aus der Region waren zur Eröffnung am Samstagvormittag dabei, lockt doch nach dem offiziellen Teil ein Rundgang über den Markt. Der verspricht immer ein Schwelgen in Genüssen.

Voneinander lernen ist für Direktvermarkter ein Nebeneffekt. Wie kommen Landwirte aus Kreta mit den Unwettern der letzten Monate zurecht? Welche Auswirkungen hat der Hitzesommer 2018 für deutsche Landwirte? Wie bekommen es die Bauern in Südtirol hin, mit ihrer kleingliedriger Landwirtschaft und Tourismus ihre Region nach vorn zu bringen? Fragen, auf die es in Plauen Antworten gibt. Der Markt punktet mit Vielem: Essen, Trinken, Handwerk, Kultur auf höchstem Niveau, Blick über den Tellerrand, Erfahrungsaustausch, Verständnis wecken für die Probleme der anderen. Eine Woche funktioniert in Plauen der europäischen Gemeinschaftsgedanke seit 24 Jahren so, wie es sich Politiker in Reden immer wünschen. Die Wirklichkeit sieht oft anders aus, das machte das agrarpolitische Gespräch zum Auftakt deutlich: Bevorstehende Wahlen verzögern für die Landwirtschaft wichtige politische Entscheidungen.

Über all dem droht ein anderer wichtiger europäische Gedanke, die Sicherung des Friedens für einen ganzen Kontinent, ins Vergessen zu geraten. Diese Grundidee rückten die Schüler des Plauener Lessing-Gymnasiums als musikalische Gestalter in den Mittelpunkt. Ihre Interpretation des Songs von Udo Lindenberg "Komm, wir ziehen in den Frieden" erhielt den meisten Beifall.


Portugiesen erstmals dabei

Die weiteste Anreise hatten Tiago Cristovao und Joao Rodrigues (im Bild). 2600 Kilometer brachten die beiden Männer hinter sich, um das erste Mal in Plauen Spezialitäten vom äußersten westlichen Zipfel des europäischen Kontinents unter das Volk zu bringen. Zu verdanken haben die Besucher des Marktes diese Bereicherung Vogtland-Landrat Rolf Keil (CDU), der auf der Grünen Woche in Berlin den Kontakt herstellte und die Portugiesen ins Vogtland einlud. Ein bisschen schwierig ist es, an ihrem Stand etwas über Land und Leute zu erfahren, zumindest für diejenigen, die kein Englisch sprechen. Mit dem Verkosten von Wein, Olivenöl und Physalis-Marmelade lassen sich aber durchaus auch die Sprachbarrieren überwinden. (sia)

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