Geselligkeit mit gutem Gewissen

Auch wenn es qualmt, ist das Verbrennen ausgedienter Weihnachtsbäume weit weniger umweltschädlich als Plastikbäume. Am Feuer kommt oft der ganze Ort zusammen. Doch es gibt Alternativen.

Reichenbach.

Weihnachten ist vorbei. Und zu Hochneujahr, am 6. Januar, hat in den meisten Stuben auch der Tannenbaum ausgedient. Gerade funkelte er noch im Lichterglanz, nun muss er raus. 29,8 Millionen Bäume waren es in diesem Dezember deutschlandweit.

In vielen Orten laden die Feuerwehren zum Verbrennen der Weihnachtsbäume ein. So wie in Rotschau, Heinsdorfergrund, Friesen oder Mylau. Am Feuer kommen die Menschen gesellig zusammen und bescheren den Vereinen ein paar Einnahmen. Doch darf man das in Zeiten von Klimawandel und zu viel Kohlendioxid- und Feinstaub-Ausstoß mit gutem Gewissen?

Kurz gesagt: Man darf. Die britische Firma Carbon Trust schätzt, dass bei der Produktion eines zwei Meter hohen Plastikbaumes rund 40 Kilogramm Kohlendioxid-Äquivalent entstehen. Verbrennt man dagegen einen zwei Meter hohen Nadelbaum, seien es nur 3,5 Kilogramm.

Die ätherischen Öle in den Nadeln wirken als Brandbeschleuniger. Bei rund 400.000 Nadeln pro Baum entsteht nach dem Anzünden eine rasante Kettenreaktion aus Mini-Explosionen, bei der nach knapp 25 Sekunden eine Temperatur von mehr als 600 Grad erreicht wird. Und weil der Baum eine hohe Feuchtigkeit aufweist, qualmt es dazu mächtig.

Brauchtumsfeuer sind im Vogtlandkreis nicht verboten, solange sie ordentlich angemeldet sind. Doch es gibt Alternativen. Aus Tannennadeln kann man Badezusatz oder Tee machen und sie zur Schneckenabwehr im Garten verstreuen. Geschredderte Zweige und Stämme lassen sich als Mulch im Garten nutzen, getrocknete Holzstücke als Brennholz. Forscher der Universität in Sheffield haben eine weitere mögliche Nachnutzung entdeckt: Lignocellulose, aus der Tannennadeln bis zu 85 Prozent bestehen, kann durch ein spezielles Verfahren als Ausgangsstoff für die Herstellung von Süßungsmitteln, Farben oder Essig genutzt werden.

Der Vogtlandkreis lässt die alten Weihnachtsbäume an den ersten beiden Leerungsterminen für Biotonnen im Januar abholen. Bäume, die größer als 1,50 Meter sind, sind dabei durch die Besitzer zu halbieren. Wer über keine Biotonne verfügt, kann Weihnachtsbäume auch an kommunalen Wertstoffhöfen abgeben. Die Entsorgung dort ist bis 31. Januar kostenfrei. Die eingesammelten Weihnachtsbäume gehen übrigens, genau wie der Biomüll, zur Kompostierung in das Wertstoffzentrum Zwickauer Land GmbH, Kompostwerk Schönau bei Wildenfels. Vorher werden sie geschreddert, teilt die Pressestelle des Landratsamtes auf Anfrage mit.


Traditionsfeuer

Das 13. Rotschauer Tannegliehn steigt am Samstag, 11. Januar, ab 16.30 Uhr auf dem Feuerwehrplatz in Rotschau. Beim traditionellen Weihnachtsbaumverbrennen mit einem Gratis-Glühwein pro abgegebenem Tannenbaum wird zugleich die Grillsaison eröffnet. "Der gesunde Neustart nach der Christ-Mast: Vom Buchenrauch geküsste Roster - herzhaft & fein", werben die Feuerwehr und der Ortschaftsrat Rotschau für die Veranstaltung.

Zum 13. Tannenbaumverbrennen am Bürgerhaus lädt Freiwillige Feuerwehr im Reichenbacher Ortsteil Friesen am Samstag, 11. Januar, 17 bis 22 Uhr ein. Die Besucher können sich an Rostern, Kartoffelsuppe mit Bockwurst und Glühwein laben. Für jeden mitgebrachten Tannenbaum gibt es ein gratis Glühwein. Zudem werden im traditionellen Tannenbaumweitwurf die Sieger bei Männern, Frauen und Kindern gekürt. Der Rekord in dieser Disziplin stammt übrigens von Chris Dathe aus dem Jahr 2014 mit 9,48 Metern.

Zum 12. Fichten-Vernichten laden die Kameraden der Unterheinsdorfer Feuerwehr diesen Samstag ab 18 Uhr am Gerätehaus ein. Für jeden abgegebenen Weihnachtsbaum gibt es ein Getränk gratis. Auch fürs leibliche Wohl wird bestens gesorgt. Bäume können am Samstag von 9 bis 12 Uhr am Gerätehaus abgegeben werden.

Das 2. Mylauer Knutfest findet am Samstag, 18. Januar, ab 17 Uhr statt. Der Förderverein Freiwillige Feuerwehr Mylau lädt alle ein, die ihren Weihnachtsbaum noch ein letztes Mal aufleuchten sehen wollen. Am Lagerfeuer gibt es leckere Speisen und Getränke. Wer einen Baum mitbringt, bekommt ein Getränk gratis. Für die Tannenbäume gibt es einen Shuttleservice: Am 11. Januar einfach vor die Tür legen, sie werden abgeholt. Wer möchte, kann seinen Baum auch am 18. Januar tagsüber bei der Feuerwache Mylau vorbeibringen. (gb)

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