Gesucht: Ziemlich beste Freunde

Was muss man mitbringen, um Assistent eines Limbacher Rollstuhlfahrers zu werden? Ein Kultfilm verrät es.

Limbach.

Keine bange, Bewerber müssen "Ziemlich beste Freunde" natürlich nicht angucken. Aber sie sollten. Die französische Tragikomödie über das innige - und durchgeknallte - Verhältnis zwischen Rollstuhlfahrer Philippe und seinem Assistenten Driss verrät, wen Klaus Hergert sucht. Und was der Limbacher gar nicht brauchen kann. "Also Mitleid will ich nun wirklich nicht", sagt Hergert, der seit seinem dritten Lebensjahr im Rollstuhl sitzt. Er ist gerade dabei, ein Team von fünf Assistenten zusammenzustellen. Seine "Arme und Beine", wie er das augenzwinkernd nennt. Die echten Gliedmaßen kann er wegen einer Muskelerkrankung kaum oder gar nicht bewegen.

Philippe aus dem Film wohnt in einem riesigen Haus in Paris. Klaus Hergert lebt in einem deutlich kleineren Haus in Limbach. Was beide verbindet: Sie wollen - so weit das halt möglich ist - ein normales Leben führen. Gar nicht so einfach, wenn man sich noch nicht einmal selbst einen Kaffee einschenken kann. Da könnte man verbittert werden. Aber der Mann im Rollstuhl strahlt so viel gute Laune aus, dass es schier unmöglich ist, in seiner Gegenwart schlecht gelaunt zu sein. "Jammern geht schnell", sagt er. Und ergänzt: "Jammern bringt dich aber nicht weiter."

Und vom Jammern füllt sich keine leere Kaffeetasse. Da kommen die Assistenten ins Spiel, die sich in Zwölfstundenschichten ablösen sollen. Sie sind für Hausarbeit zuständig, unterstützen Klaus Hergert bei der Körperpflege und helfen an allen Ecken und Enden, damit das mit dem selbstbestimmten Leben klappt. Das ist nämlich ziemlich ausgefüllt. Der gelernte Bürokaufmann kümmert sich am Computer um den Werbeauftritt einer Schreinerei, ist ehrenamtlich im Bereich Muskelerkrankung tätig, sitzt im Limbacher Gemeinderat und ist sogar stellvertretender Bürgermeister. Langeweile ist nicht sein Problem. Er will aber auch mal ins Kino oder ins Theater - oder sich mit einem Kumpel in der Kneipe auf ein Bier treffen. Da könnte er Hilfe dann doch gut brauchen.

Im Streifen über Philippe und seinen Assistenten beeindruckt besonders, dass der bärbeißige Driss zur Stelle ist, wenn er gebraucht wird. Aber die Privatsphäre seines Arbeitgebers immer respektiert - na ja, fast immer. Solche Partner wünscht sich Klaus Hergert. "Das erfordert ein hohes Maß an Empathie", ist sich der Limbacher bewusst. Aufgrund seiner Behinderung ist er in vielerlei Hinsicht auf engen körperlichen Kontakt angewiesen. Aber wenn er das bewusste Bier mit einem Kumpel trinkt, wäre es schon schön, wenn sich der Assistent mal für eine Viertelstunde diskret ein paar Schritte entfernt. Und zwar ohne dass man da groß drüber reden muss. Fingerspitzengefühl halt.

Solche Leute muss man erst mal finden. Philippe aus dem Film ist reich und lässt sich die Suche etwas kosten. Trotzdem entdeckt er seinen Driss nur per Zufall. Klaus Hergert aus der echten Welt ist nicht reich. Aber er hat mit Krankenkasse und anderen Stellen ein Gesamtpaket geschnürt. Die Finanzierung steht also. Auf den Zufall mag er nicht bauen. Seit Monaten sucht der Limbacher nun schon über mehrere Kanäle. Eine mühselige Sache. "In Dresden oder Leipzig würde das besser funktionieren", ist er überzeugt. "So was ist ein guter Job für Studenten." Von denen gibt es in der vogtländischen Provinz zwangsläufig nicht viele. Aber zwei bis drei Assistenten hat Hergert mittlerweile an Bord.

Das liebste Hobby des Limbacher Rollstuhlfahrers sind übrigens seine kunstvoll gearbeiteten Modellautos. Dies nur zur Beruhigung potenzieller Bewerber, die "Ziemlich beste Freunde" tatsächlich gesehen haben. In dem Film starten Philippe und Driss nämlich gegen Ende zu einem gemeinsamen Gleitschirmflug. "Keine Sorge, das wäre nichts für mich", sagt Klaus Hergert lachend. "Da würde ich mir vor Angst in die Hose machen."

2521387

Bewertung des Artikels: Ø 3.5 Sterne bei 4 Bewertungen
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...