Gewerbegebiets-Zufahrt gekappt

Es klingt nach Schildbürgerstreich: Der kürzeste Anschluss von der neuen B 169 ins Industrie- und Gewerbegebiet West/ Rebesgrün ist abgerissen worden. Unternehmer sind sauer, die Stadt wiegelt ab.

Auerbach.

Es könnte alles so einfach sein: Gerade wird der Abschnitt der Göltzschtalumgehung entlang dem Industrie- und Gewerbegebiet West/Rebesgrün asphaltiert, voraussichtlich Anfang Dezember soll dieser Teil der neuen B 169 freigegeben werden. Doch die direkte Zufahrt von der neuen Trasse auf die Jüchener Straße (bei Firma Kiessling) ist soeben abgerissen worden - für einige offenbar überraschend. Statt dessen läuft die offizielle Zufahrt nun über den Kreisel auf der Richardshöhe (frei seit 30. September), zudem wird die Goethestraße als Ausweichstrecke derzeit extrem stark genutzt - zum Leidwesen der Anwohner.

Bei den Unternehmen sei der Frust groß, sagt Firmen-Chef Theo Kiessling, zugleich Präsident der IHK-Regionalkammer. "Der Umweg über die Richardshöhe beträgt rund 1,4 Kilometer, hin und zurück also knapp drei Kilometer - jeden Tag", betont er. Das betreffe 800 Beschäftigte, "und mindestens noch mal so viele Besucher des Gebietes". Jeder könne sich ausrechnen, dass dieser "Schritt zurück" für die Entwicklung des Areals schlecht sei. "Es ist sowieso nur halb belegt, und das wird dadurch sicher nicht besser."

Kiessling bestätigt, dass einige Unternehmen nach eigenen Angaben erwägen, das Gebiet zu verlassen. Doch wie kam es überhaupt zu dieser Entwicklung? Kiessling weist drauf hin, dass das Industriegebiet seit den 1990er-Jahren mit dem Versprechen erschlossen wurde, dass "spätestens 2000" der Anschluss an die Ortsumgehung erfolgt. Den gab es dann bekanntlich nicht, statt dessen errichtete die Stadt zunächst eine eigene Zufahrtsstraße (fertiggestellt 2003), auch um die Goethestraße zu entlasten. "Mit der Planfeststellung für die Göltzschtalumgehung 2010 wurde klar, dass die vorhandene Zufahrt wegfallen soll", so Kiessling. Das sei letzten Endes in Berlin entschieden worden. Die Stadt Auerbach (namentlich Bauamtsleiter Gerd Badstübner, inzwischen im Ruhestand) habe 2010 sofort reagiert und "vernünftige Änderungen" erreicht: Die bisher provisorische Zufahrt zur Jüchener Straße sollte angeblich weiter genutzt werden können. Darauf hätten sich die Gewerbetreibenden verlassen. Doch vor zwei Wochen sei plötzlich abgerissen worden.

In der Stadtverwaltung äußert man sich nicht zu den Bemühungen um den Erhalt der Zufahrt: Seit Start des Planfeststellungsverfahrens 2010 sei bekannt, wie gebaut wird. Und: "Es gibt eine Ministeriums-Richtlinie zum Ausbau von Ortsumgehungen, die einen gewissen Abstand von Knotenpunkten (hier Abfahrt Rebesgrün und Abfahrt Richardshöhe) festlegt." Bauträger seien Bund und Land. Die Kommune verweist darauf, dass "eine moderne Straße mit einem dort "noch nie da gewesenen Verkehrsfluss" entstehe: "Durch die neue Straße ist das Industriegebiet erstmalig auch aus den Richtungen Falkenstein, Flugplatz, Reumtengrün und Auerbacher Neubaugebiet schnell erreichbar." Für Abwanderungen sehe man keine Anzeichen, im Gegenteil: "Zukünftigen neuen Ansiedlungen sehen wir optimistisch entgegen, da der ,Mehrwert' des IG-West durch die neue Straßenanbindung (erstmalig Bundesstraße) erheblich steigt." Ansonsten müsse man abwarten, wie sich die neue Infrastruktur nach Fertigstellung einlaufe, und dann eventuell nachjustieren.

Die Goethestraße soll laut Stadt künftig nur "Not- und Rettungsweg zum/aus dem IG West mit möglicher Tonnagebegrenzung, Geschwindigkeitsbegrenzung und Parkverboten" sein. Dies sieht Kiessling ganz anders. "Die IHK-Regionalversammlung hat gefordert, die Goethestraße als reguläre Zufahrt zu nutzen, zumindest für Fahrzeuge bis 3,5 Tonnen", bekräftigt er. Und in Berlin wolle man sich für eine Wiedereröffnung der direkten Zufahrt stark machen: "Wir bleiben am Ball."

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