Glitzner investiert in mehr Brandschutz

Der Landkreis präsentiert vor Reichenbacher Stadträten seine Pläne für den brandanfälligen Müllstandort. Landrat Keil: Es wird auch mehr Kontrollen des Mülls geben.

Schneidenbach.

Vertreter des Vogtlandkreises um Landrat Rolf Keil (CDU) haben am gestrigen Montag am Müllstandort Glitzner in Schneidenbach über ihre Pläne für die kreiseigene, in jüngster Zeit von zwei Bränden betroffene Müllfirma informiert. Ergebnis der von Reichenbacher Stadträten auf Initiative etwa von Stephan Hösl (CDU) und Thomas Höllrich (Linke) anberaumten Veranstaltung: Eine beim Großbrand im September nahezu zerstörte Halle wird wieder aufgebaut, der vorbeugende Brandschutz für den Standort verbessert. "Dazu gehören mehr stichprobenartige Kontrollen des gewerblichen Mülls. Wer gefährliche Stoffe entsorgt, muss mit einer Strafanzeige rechnen und wird nicht mehr bedient", sagte der Landrat im Hinblick auf mutmaßliche Auslöser der jüngsten Brände.

Brandursachenermittler hatten auch nach dem Feuer im Juni von Selbstentzündung gesprochen. Möglicherweise verursacht von einer bei Ladearbeiten beschädigten Lithium-Batterie. Und jüngst im Kreistag hatte Wirtschaftsdezernent Lars Beck über brandgefährliche Flüssigkeiten wie Lack oder Roundup in Kanistern berichtet, die eine angesehene wie zertifizierte Firma im zulässigen Müll entsorgt haben soll. Dem will man nun mit Kontrollen und Appellen (Höllrich: "Da müssen Firmen und auch Haushalte sensibler werden.") begegnen.


Sollte es zum Brand kommen, soll vor allem die erste Bekämpfung des Feuers schneller erfolgen. So werden voraussichtlich im September auf dem Gelände feste Löschwasseranschlüsse installiert - bisher musste erst eine Löschstrecke zum Teich unterhalb des Betriebsgeländes aufgebaut werden. Überdies soll die wiederaufgebaute Halle - Baubeginn in diesem Jahr - an den Eingängen mit Löschwassertanks ausgerüstet werden. Das soll den Mitarbeitern die rasche Erstbekämpfung eines Feuers ermöglichen.

Der Wiederaufbau der Halle und deren Ausrüstung "mit modernster Brandschutztechnik", so Keil, wird Glitzner indes wieder die Annahme von Restmüll erlauben. "Derzeit haben wir immer noch einen Annahmestopp für Gewerbeabfälle", sagte Glitzner-Geschäftsführer Jörg Blei. Anders als bis zum September-Brand recycelt Glitzner Restmüll allerdings nicht mehr zu Ersatzbrennstoff. "Das Thema ist vom Tisch", bekräftigte Keil eine bereits vor längerer Zeit getroffene Entscheidung. Schneidenbach soll künftig nur noch Zwischenlager für Sondermüll, Restmüll und Siedlungsabfälle sein. "Hier wird der Restmüll getrennt und geht nach Müllarten sortiert in die Verbrennung", sagte Keil.

Die Bedeutung des Standorts auch als Wertstoffhof und Grüngut-Annahme unterstrich Reichenbachs Oberbürgermeister Raphael Kürzinger (CDU): "Reichenbach steht zu diesem Standort. Wir sind froh über den Wertstoffhof, der sehr gut angenommen wird. Die Alternative wäre, dass die Leute erst nach Oelsnitz oder an andere, weiter entfernte Standorte fahren müssten." Ähnlich äußerte sich Stephan Hösl, der von einem überzeugenden Brandschutzkonzept und einer guten Investition auch in sichere Arbeitsplätze sprach. Wie der Glitzner-Geschäftsführer sagte, bleiben nach wie vor alle 85 Mitarbeiter in Lohn und Brot.

Die Investition in mehr Brandschutz ist auch dem Schneidenbacher Ortschaftsrat wichtig. Wie Mitglied Herbert Krause sagte, haben Rat und Feuerwehr gerade bei der Stadt Reichenbach ein neues Löschfahrzeug beantragt, das wesentlich mehr Wasser mit sich führen kann als das alte. "Wir müssen hinsichtlich einer wirkungsvollen Erstbekämpfung nicht nur Glitzner im Blick haben. Es gibt ja noch viel mehr Firmen im Gewerbegebiet."

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