Gottes Botschaft nicht zu überhören

Der Posaunenchor in Lengenfeld musiziert seit 90 Jahren. Der Instrumentenklang verbindet Menschen drinnen und draußen. Eine Geburtstagsfeier zum Reformationsfest.

Lengenfeld.

Pfarrer Jörg-Martin Spitzner aus Lengenfeld kann noch so laut und deutlich während des Gottesdienstes ins Mikrofon sprechen, erst wenn der Posaunenchor einsetzt, dann ist auch jenseits der dicken Kirchenmauern laut und deutlich zu hören: Hier feiern Christen ihren Gottesdienst - und genau so soll es auch sein.

"Wir erfüllen eine Posaunenmission. Diese geht auf Pfarrer Johannes Kuhlo zurück. Er wirkte Ende des 19. Jahrhunderts. Sein Ziel war es, einen besseren Bezug der Kirche zu den Menschen zu finden. Er kam deshalb auf die Idee, Posaunen für die Kirchenmusik einzusetzen, damit man auch außerhalb des Gotteshauses etwas hört", erklärt Georg Lenk die Anfänge. Mit seinen 79 Jahren gehört er zu den dienstältesten Posaunisten des Lengenfelder Chors, für und mit dem er seit seinem 11. Lebensjahr musiziert. Das meiste seines Könnens hat er sich selbst beigebracht.

"Die Instrumentenbauer des oberen Vogtlandes griffen die Posaunenbewegung wohlwollend auf. Sie bauten für die vielen Posaunenchöre, die sich zwischen 1920 und 1930 gründeten, die Instrumente und erteilten auch gleich den Unterricht", berichtet Lenk. Seit der Lengenfelder 1947 mit dem Musizieren begann, hat sich das Repertoire der Chöre geändert. "Viele alte Stücke werden auch heute noch gespielt, neue Komponisten kamen hinzu. Manche gefallen mir, manche nicht so sehr. Besonders gern spiele ich Stücke von Johann Sebastian Bach", erzählt der Mann mit der Trompete.

Während des Krieges ruhte die Posaunenmusik. Doch gleich nach Kriegsende fanden sich wieder Spieler zusammen. Während der DDR-Zeit war das Musizieren eingeschränkt. "Wir durften nur noch in der Kirche und auf kircheneigenen Grundstücken spielen. Für jeden Auftritt außerhalb mussten wir eine Genehmigung beantragen, auch für das Weihnachtsliederblasen auf dem Markt. Das wurde nur genehmigt, weil es zur Tradition gehörte", erinnert sich Lenk.

25 Mitglieder zählt der Posaunenchor heute. Vor ein paar Jahren schlossen sich die Lengenfelder und Waldkirchener Posaunisten zusammen. Nachwuchs zu finden sei schwer. Viele junge Leute ziehen es vor, ein Instrument bei einer Musikschule zu lernen. Obwohl der Altersdurchschnitt hoch ist, ist von Müdigkeit nichts zu spüren.

Einmal wöchentlich treffen sich alle Spieler zur Probe. 150 Auftritte im Jahr sind keine Seltenheit: Jubiläen aller Art und viele kirchliche Anlässe geben die Einsätze vor. Nicht zu vergessen, das legendäre Turmblasen. Immer Samstagabend steigen die Musiker hoch auf den Turm und spielen für alle Lengenfelder. Dann ist ihre Mission, den Glauben musikalisch in die Welt zu tragen, besonders gut zu hören.

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