Großbrand bei Müllfirma im Vogtland - Warnung aufgehoben

Harte Arbeit an der Quelle der riesigen, über die Region wehenden Rauchfahne. Über in die Wand der Halle gerissene Löcher gelang es der Feuerwehr schließlich von zwei Drehleitern aus, das Feuer einzudämmen und zu löschen.
Unter der großen Hitzeentwicklung gab die Hallenkon-struktion großflächig nach.
Die Wasserzufuhr aus drei Gewässern stand ruckzuck - auch ein Ergebnis mehrerer Übungen bei Glitzner.
Großbrand bei Müllfirma im Vogtland - Warnung aufgehoben

Für Sie berichtet: Gerd Möckel

Nach dem Großbrand in der Müllfirma Glitzner im Reichenbacher Ortsteil Schneidenbach ist die Warnung der Bevölkerung am Montagabend aufgehoben worden. Darüber hat auch das Notfall-Informationssystem Nina informiert.

Für Manja Tröger steht fest: "Dieses Ding muss jetzt endlich hier weg. Wenn es das Sondermülllager mit erwischt hätte, dann würde mir vielleicht endlich mal jemand zuhören", sagte die Pferdewirtin am Montag, als dicke, von der einen Steinwurf entfernt liegenden Müllfirma Glitzner Entsorgung herüberwehende Rauchschwaden das Atmen erschwerten. Doch was wegkam, das waren die etwa 30 Pferde, die Manja Tröger auf amtstierärztliche Anordnung hin auf eine weiter entfernte Weide führte.

Reichenbachs Oberbürgermeister Raphael Kürzinger und Landrat Rolf Keil (beide CDU) sprachen von einer Vorsichtsmaßnahme, da der Qualm über die Koppeln wehte. In ein, zwei Wochen sollen alle Untersuchungsergebnisse vorliegen - dann ist klar, ob Gift im Spiel war. Manja Tröger befürchtet, dass sich ein giftiger Cocktail über ihre Wiesen ergossen hat. Der Großbrand bei der kreiseigenen Firma war - abgesehen von kleineren Bränden - das dritte Großfeuer seit 2007.

Um 10.30 Uhr war der Brand in der Produktionshalle für Ersatzbrennstoffe aus bisher ungeklärter Ursache während des Produktionsprozesses ausgebrochen und hatte rasend schnell um sich gegriffen. Anwohner berichteten von einem lauten Knall, der dem Feuer vorausgegangen sein soll - diese Wahrnehmung bestätigten die Behörden nicht. Feuerwehren aus allen Reichenbacher Wachen, Lengenfeld, Ellefeld, Mylau, Pausa, Plauen und Rodewisch rückten an den Einsatzort, den eine riesige Rauchfahne markierte - und der so auch ins Visier vieler Schaulustiger geriet, die an Straßen und Wegen für Handyaufnahmen halt machten und diese teilweise blockierten.

Im Einsatz waren mehr als 100 Kräfte von Feuerwehr, Polizei und Rettungsdienst. Sieben Glitzner-Mitarbeiter wurden mit Verdacht auf Rauchgasvergiftung in Kliniken gebracht. Gegen 12.30 Uhr waren die Flammen unter Kontrolle - der Feuerwehr war es mit Hilfe schwerer Glitzner-Technik gelungen, Löcher in die glühend heiße Hallenwand zu reißen. "So konnten wir über zwei Drehleitern schneller löschen", sagte Einsatzleiter Thomas Weck von der Reichenbacher Wehr.

Aufgrund der starken Rauchentwicklung - das Umweltamt sprach auf der Grundlage von Messungen von "typischen Brandgasen" - hatte das Landratsamt gegen 11.30 Uhr eine Warnung für Einwohner in Reichenbach, Mylau, Netzschkau und Heinsdorfergrund herausgegeben. Bewohner sollten sich in geschlossene Räume begeben, Fenster und Türen schließen. So sollten "Atemwegsreizung und Übelkeit" vermieden werden, die "trotz geringer Konzentration" der Gase auftreten können. Wie der Landrat sagte, nahmen Mitarbeiter verschiedener Ämter Luft-, Boden-, Lebensmittel- und Futter-Proben. "Wir haben alle notwendigen Maßnahmen umgesetzt", sagte Rolf Keil mit dem Hinweis, sich bei Fragen an das Bürgertelefon (03741 30044444) zu wenden.

Verbrannt ist in der Produktionshalle ein Mix aus Textilresten, Hausmüll und Gewerbeabfall - insgesamt 350 Tonnen, wobei die von Firmen bei Glitzner verwerteten Textilabfälle mit 270 Tonnen das Gros stellen. Eines dieser Unternehmen ist der Automobilzulieferer C. H. Müller. "Wir müssen jetzt sehen, wo wir unsere Abfälle verwerten. Ist das nicht kontinuierlich möglich, droht im schlimmsten Fall Produktionsausfall. Wir und sicher weitere Firmen sehen den Kreis jetzt in der Verantwortung", sagte Geschäftsführer Thomas Porst. Immerhin lässt der Global Player monatlich 50 Tonnen reine Produktionsabfälle - Verbundmaterialien mit Textilien, PUR-Schaum, Natur- und PVC-Kunstleder - verwerten. Glitzner-Geschäftsführer Jörg Blei signalisierte bereits schnelle Abhilfe: "Wir sind da über Partner-Unternehmen dran."

Wie es am Müllstandort weitergeht, ist noch unklar. Der Landrat sagte, man habe bei Glitzner immer wieder in viel Sicherheit investiert. "Dennoch kann man solche Brände nicht ganz ausschließen. Wir warten jetzt das Ergebnis zur Brandursache ab, daraus ziehen wir dann unsere Schlussfolgerungen." Auch zur Schadenshöhe lagen am Montag noch keine Angaben vor.

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13Kommentare
👍2👎0 Zeitungss 20.09.2018 In Litvinov entsprechen die Abgase bei einem Brand eben nicht der europäischen Norm wie bei uns, deshalb der kleine Unterschied.
👍1👎0 aussaugerges 20.09.2018 In der CS wird bei so einem Brand Großalarm ausgelöst.
Ist doch auch EU.
Litvinov.
👍1👎0 Zeitungss 14.09.2018 @submain: Da haben wir scheinbar das gleiche Problem.
👍0👎4 submain 13.09.2018 Scheinbar nicht den ironischen Unterton in meinem Beitrag mitbekommen... Wahre Ironie braucht keine Smilies
👍5👎0 Zeitungss 11.09.2018 @submain: Ich fürchte, Sie wissen nicht einmal wo diese Anlage sich in Wien befindet, vom Innenleben und der Technik ganz zu schweigen. Sehen Sie sich diese Anlage an, wenn der SMOG es zulässt und dann reden wir weiter. Kleiner Hinweis zum Finden, sie steht unmittelbar am Nordteil des Franz-Josef Bahnhof, welcher bei Smog allerdings für Touristen auch nicht sichtbar ist. Nehmen sie vorsichtshalber eine Gasmaske mit.
👍1👎2 submain 11.09.2018 @Zeitungss
Als ich vor paar Jahren in Wien war, hab ich mich schon gewundert, warum die Stadt so sehr versmogt ist und soviel Leute ihre Autos waschen. Da standen tatsächlich an einem Sonntag Schlangen vor Tankstellen-Autowaschanlagen.

Nicht das das an der Müllverbrennung lag. Es sei denn, in der Stadt herrscht ständig Smog, dann fällt das mit der Müllverbrennung auch nicht mehr auf.
👍6👎0 aussaugerges 10.09.2018 Ich habe mich schon oft darüber aufgeregt,einfach Sinnlos.
Die bezahlen nicht mal eine Versicherung und der Büger hat keinen Anspruch auf Entschädigung bei Blausäure & Krebs usw.

Erst mal alle in Untersuchungshaft.
👍11👎1 Zeitungss 10.09.2018 Eine Anlage zur Müllverbrennung wollte in der Vergangenheit und bis heute kein Mensch haben. Dafür haben wir in regelmäßigen Abständen eine unkontrollierte Müllverbrennung mit den entsprechenden Nebenwirkungen, ein klarer Vorteil für alle Beteiligten. Die Stadt Wien betreibt seit vielen Jahren eine Müllverbrennung direkt in der Stadt und man soll es nicht glauben, die Einwohner leben alle noch, die Abwärme geht ins Fernheiznetz bzw.in die Kälteerzeuger und somit in das entsprechende Kältenetz der Stadt. Auch überlässt man dort die Entsorgung nicht irgend welchen Privatleuten mit entsprechenden Zielen, es erledigt zu 100% die Stadt Wien. Ich will damit nur sagen, man ist uns meilenweit voraus.
👍12👎1 Täglichleser 10.09.2018 Und wer bezahlt jetzt wieder den Schaden?
Glitzner lebt und provitiert von Steuergeldern. Und jetzt erneut ein Brand.
Warum nur in privater Hand, wenn Ihnen dann hinterher wieder grosszügig geholfen
wird. Daseinsvorsorge gehört von Anfang an in staatliche Hand und dazu gehört auch
unser Müll. Die Verpackung produziert die
Industrie, macht dann noch mit der Entsorgung Gewinn. Deshalb hat sie kein Interesse Verpackung zu vermeiden.
Und diese Plaste ist ja ein Unweltproblem.
Und nicht nur, wenn sie brennt.
👍9👎0 GBetka 10.09.2018 Nein, die sanierte Deponie hat damit nichts zu tun. Es brennt - mal wieder - in einer Halle beim Entsorger Glitzner.
👍5👎0 Täglichleser 10.09.2018 Aha jetzt steht es etwas genauer in der Überschrift.
👍14👎0 Tauchsieder 10.09.2018 Schneidenbach = Weihnachtsland!
"Alle Jahre wieder brennts in Schneidenbach". So kann man sich auch seines Mülls entsorgen. Eine Müllfirma die Müll produziert und die Nachbarin und ihre Pferde wirds freuen.
👍8👎1 Täglichleser 10.09.2018 Ein paar mehr Info in diesem Format,
wäre natürlich nicht schlecht. Schliesslich haben wir die Printausgabe der FP. Nur nicht eine Internetausgabe. In der Überschrift sollte das Wichtigste drinstehen. Hier Ort des Brandes. Das neue Format zum vorhergehenden ist schwach.
Da war das so mit der Überschrift.
Vermute, da vorbeigefahren, Deponie Schneidenbach, die brennt.
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