Großbrand: Trotz Entwarnung vieles offen

Die Katastrophe bei GTO ging noch glimpflich aus. Das belegen Schadstoffanalysen. Für die Einsatzkräfte soll es am 21. August ein Dankeschön geben.

Heinsdorfergrund.

Das Interesse war enorm: 70 Bürger sind am Mittwochabend zur Gemeinderatssitzung in Oberheinsdorf gekommen. Es gab Informationen zum Großbrand in der Galvanikfirma GTO im Industriegebiet an der A 72 vom 26. Juni. Fast zweieinhalb Stunden wurde diskutiert. Die genaue Brandursache ist bis heute nicht bekannt. "Menschliches Versagen oder Brandstiftung können wir aber ausschließen", erklärte GTO-Geschäftsführerin Katrin Möckel.

Die Einsatzkräfte: Bürgermeisterin Marion Dick richtete ein Dankeschön an alle Einsatzkräfte. "Es war eine extreme Situation für alle. Die Dimension dieses Brandes konnte niemand üben." Es gab eine Reihe Verletzte unter den Feuerwehrleuten, bei einigen traten die Probleme erst Tage später auf. Alle würden hervorragend medizinisch betreut. Einer von ihnen, Ralf Goldhardt von der Freiwilligen Feuerwehr Reichenbach, der mit drei betroffenen Kameraden aus Lengenfeld gekommen war, sagte: "Wir sind noch immer krankgeschrieben und kriegen jeden Tag Cortison." Es könne nicht sein, dass in der Debatte Feuerwehrleute hinter Fischen oder Ziegen stehen, meinte er unter Beifall. Er war, wie er der "Freien Presse" sagte, beim Großbrand als Drehleitermaschinist eingesetzt, als ihn nach anderthalb Stunden Übelkeit, Erbrechen und eine kurze Bewusstlosigkeit ereilten. Er wurde ins Helios-Klinikum Plauen gebracht. Diagnose: Atemwegsreizung durch toxische Gase, sprich das Einatmen von Säuredämpfen. Noch heute ist er bei einer Lungenspezialistin in Auerbach in Behandlung. Katrin Möckel, die das Schicksal der Feuerwehrleute bewegt, tauschte mit ihm die Kontaktdaten aus. Für den 21. August kündigte Marion Dick eine Dankeschönveranstaltung für alle Einsatzkräfte an.


Gemeinde lässt selbst prüfen: Laut Dick hat die Gemeinde selbst Boden- und Wasserproben vom einem Labor untersuchen lassen. "Die Auswertung liegt vor. Grenzwerte sind nicht überschritten." Untersucht wurden Rückstände im Zwav-Schlammbecken, Sedimente im Schmalzbach sowie Bodenproben von den Streuobstwiesen in Unterheinsdorf und von einer Fläche oberhalb von GTO. Dick: "Wir können das Ding nicht abhaken, aber wir können Ängste und Bedenken ausräumen." Einige wenige Brunnenbesitzer an der Streuobstwiese sollten das Grundwasser untersuchen lassen, riet sie. Die Gemeinde hat sich anwaltliche Hilfe gesucht.

Entwarnung vom Landratsamt: Tobias Pohl, Umweltamtsleiter des Vogtlandkreises, erklärte, dass die turnusmäßigen Überprüfungen bei GTO korrekt erfolgten. Die größte Umweltgefahr beim Brand sah er darin, wenn das kontaminierte Schmutzwasser aus dem Stauraumkanal in den Raumbach gelangt wäre. Das wurde jedoch bis auf zwei, drei Minuten verhindert. Zum Glück habe es kein Fischsterben gegeben. Später wurde das Abwasser zur Kläranlage Netzschkau geleitet, wo bei einem pH-Wert von 11 die Bakterien ein Problem bekamen. Zudem wurde ein verstärkter Durchgang von Nickel verzeichnet. Auch die beiden Regenüberlaufbecken im Industriegebiet wurden abgeschiebert. Für GTO gelte bis auf Weiteres ein Einleitungsverbot. Abwasser werde aktuell direkt in Container gepumpt und dann entsorgt. Noch während der Löscharbeiten wurden Luftproben per Polizeihubschrauber zu einem Speziallabor der Analytical Task Force nach Leipzig geflogen. Ergebnis: ein hoher Anteil Salzsäuredämpfe, der sogar der Labortechnik zusetzte, sowie Brandgase wie bei einem Plastebrand. Die Bodenproben wurden auf Dioxin, PAK und Schwermetalle untersucht. Am Dienstag habe man für das betroffene Gebiet in Schönbrunn, Waldkirchen und Lengenfeld Entwarnung geben können. Gleiches bescheinigte Anne Schilder, Chefin des Lebensmittelüberwachungsamtes, für Gartenfrüchte, Eier- und Honigproben.

Vieles besser machen: Für die Zukunft verspricht Marion Dick eine bessere Bürgerinformation. "Das hat nicht gut geklappt. Dafür möchte ich mich entschuldigen." Auch das Depot und die Fahrzeugausstattung der Feuerwehr müsse man verbessern. Nicolai A. J. Baum, der die Industriegruppe Kap Surface als Gesellschafter vertritt, stellte in Aussicht, beim beabsichtigen Neubau der GTO-Produktionshalle über die gesetzlichen Vorschriften hinaus in Sicherheit zu investieren. "Wir haben ein persönliches Interesse daran, eine Mustergalvanik zu bauen, im Dialog mit der Feuerwehr und anderen Fachleuten", erklärte er.

Bürger sorgen sich: Auf Bitte eines Bürgerssagte Baum zu, die Dachrinnenwässer bei GTO beproben zu lassen. Im Übrigen sei die Firma solvent und mit einem deutlich zweistelligen Millionenbetrag umwelthaftpflichtversichert. Löschwasser dürfe gar nicht ungehindert in den Kanal gelangen, mahnte ein zweiter Bürger an. "Wie kann man eine solche Firma bei dem Brandrisiko von Galvanikanlagen direkt an den Wald bauen? Steht der Wind anders, brennt der Wald und die Schmalzbachsiedlung gleich mit", meinte ein weiterer. Hinterfragt wurden zudem Brunnen-Untersuchungen, Versicherungsfragen und die Warn-App Nina.

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