Großeinsatz bei Rekordhitze

350 Einsatzkräfte, 28 verletzte Feuerwehrleute. Der Chef der Plauener Berufsfeuerwehr berichtet von einem der größten Einsätze seiner Karriere, der am Mittwoch im Vogtland stattfand.

Reichenbach/Plauen.

Sie sind die Helden der Stunde: 250 Feuerwehrmänner aus dem Vogtland, die am heißen Mittwochabend das Feuer in dem Unterheinsdorfer Automobilzulieferer löschten. Sie steckten bei 36 Grad Celsius im Schatten in schweren Brandschutzuniformen und trugen Atemmasken.

Jörg Pöcker, Chef der Plauener Berufsfeuerwehr, hat den Einsatz koordiniert. Das Feuer sei einer der größten Werksbrände gewesen, den er in 35 Jahren als Feuerwehrmann erlebt habe. "Ich bin kein Held, aber die Männer haben ihr Letztes gegeben und teilweise Übermenschliches geleistet", sagt Pöcker. Seine Aufgabe war, den Überblick zu haben. Er stand im Hintergrund, hat den Einsatz gesteuert und die Bevölkerung warnen lassen. Einsatzleiter an der Feuerfront war laut Pöcker ein Ehrenamtlicher aus Unterheinsdorf: Gemeindewehrleiter Falk Reinhold.


Am Ende waren 350 Helfer daran beteiligt, zu retten, was zu retten ist. Darunter 250 von der Feuerwehr. Die Menge an Feuerwehrleuten erklärt Pöcker mit der Hitze: "Wir brauchten Reservekräfte. Die Leute mussten sich gegenseitig ablösen. Die Atemschutzträger sind schon stehend k.o." Höchstens zwanzig Minuten könnten die Männer unter den Atemschutzmasken arbeiten. "Die standen mitten im Qualm."

Die Firmen-Mitarbeiter gelangten alle nach Ausbruch des Feuers wohlbehalten ins Freie. Allerdings trugen insgesamt 28 Feuerwehrleute Verletzungen davon und mussten teilweise im Krankenhaus behandelt werden. Manche von ihnen bekamen von den Notärzten Infusionen mit Elektrolytlösungen, weil sie dehydriert waren. Zehn Feuerwehrmänner wurden zur Überwachung in Krankenhäuser gebracht. Pöcker zufolge erlitten sie einen Schwächeanfall. Die meisten seien im Laufe der Nacht entlassen worden.

Die Rauchwolke, die beim Automobilzulieferer Galvanotechnische Oberflächen GTO entstand, war so dicht, dass nebenan auf der Autobahn zeitweise alles still stand. Pöckers Berufsfeuerwehr hat Atemschutzflaschen und Strahlenschutztechnik geliefert.

Aufgrund des schwarzen Rauchs hatte Pöcker eine spezielle Einsatzgruppe von der Berufsfeuerwehr Leipzig angefordert, die die Schadstoffe in der Luft prüfen sollte. Wegen des starken Qualms disponierte Pöcker jedoch kurzfristig um und ließ einen Polizeihubschrauber kommen, der die mit Qualm gefüllten Röhrchen zur Analyse nach Leipzig flog. Im Ergebnis sei keine unmittelbare Gesundheitsgefährdung nachgewiesen worden. Die schwarze Luft sei durch verbranntes Öl und Plastik entstanden.

Entwarnung wollte Kreisumweltamtsleiter Tobias Pohl aber nicht geben. Man könne unmöglich auf sämtliche denkbaren Luftschadstoffe testen. Deshalb werde man in den nächsten Tagen und Wochen noch Bodenproben nehmen sowie im Freien wachsendes Obst und Gemüse, Eier und weitere Lebensmittel untersuchen. Vor allem in Lengenfeld, in diese Richtung war die Wolke gezogen, solle man vorerst darauf verzichten, Obst und Gemüse aus dem eigenen Garten zu essen.

Mit einer Drohne suchten die Feuerwehrleute nach Feuernestern in der Fabrik - eine Technik, die für sie Neuland ist. "In die Halle zu gehen, wäre zu gefährlich gewesen", sagt Pöcker. Gegen 23 Uhr war das Feuer unter Kontrolle. Wie es gegen 17.30Uhr ausgebrochen war, ist nach wie vor ungeklärt. Laut Mitteilung der Polizei werden vermutlich erst am Freitag die Brandursachenermittler der Kriminalpolizei in die zerstörte Halle vordringen können.

Informationen zum Schaden im Unternehmen wollte die Galvano-Geschäftsführung nicht geben. Polizeisprecher Oliver Wurdak schätzte ihn aber auf einen siebenstelligen Betrag. Auf seiner Internetseite informiert der Automobilzulieferer, dass die Serienproduktion wegen des Brandes der Halle aktuell stillsteht. Darüber hinaus sichert Nicolai A. J. Baum, Geschäftsführer des Gesamtunternehmens, den Behörden "vollkommene Transparenz und volle Kooperation" zu, damit "potenzielle Umweltschäden verhindert oder, sofern bereits entstanden" behoben werden können.

Noch immer ist nicht klar, welche Stoffe sich letztendlich in der Halle befanden und möglicherweise freigesetzt wurden. Geschäftsführerin Katrin Möckel sprach von Laugen und Säuren. Konkret wurde Salzsäure bestätigt. Das Problem: Die Firma kann wegen der Brandfolgen zurzeit nicht auf die entsprechenden Computerdaten zugreifen.

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