Halbe Million Euro soll in frühere Orchesterschule fließen

Das Eigentümerpaar der geschichtsträchtigen, wenn auch verfallenen Immobilie in Mylau hegt große Pläne. Es denkt an eine soziale Einrichtung. Das ist aber noch nicht alles.

Mylau.

Dass sich an der ehemaligen Orchesterschule und Sternwarte in Mylau etwas tut, ist zu sehen. Bianca Böttcher und Christoph Zöbisch haben das geschichtsträchtige Gebäude samt Grundstück vor zwei Jahren gekauft. Die ersten bürokratischen Hürden sind überwunden. Die Planungen laufen, die Sanierungs- und Umbauarbeiten haben begonnen. Eine halbe Million Euro will das Paar investieren, 200.000 Euro kommen aus dem EU-Förderprogramm Leader. Eine soziale Einrichtung soll im Gebäude entstehen, ein Wohnhaus auf dem Grundstück. Dafür sind jedoch noch einige Genehmigungen notwendig, deshalb wollen die neuen Eigentümer noch nichts über die Nutzung verraten.

Das Gebäude besteht aus zwei Teilen. Auf dem höheren befindet sich noch die Kuppel der ehemaligen Schulsternwarte. Das Paar hat mit der großflächigen Beräumung des Grundstückes begonnen und jetzt das untere Dach decken lassen. Im Inneren wurde Schutt entfernt und entkernt. Ziel ist es, so viel wie möglich zu rekonstruieren. Alte Fotos und Erzählungen sind die Grundlage. Auf Messen und Flohmärkten waren die Eigentümer unterwegs, um möglichst stilechte Gegenstände für die Einrichtung zu finden, von Türbeschlägen bis zu Lampen. Eine Wand aus Glas soll die Farbspiegelungen aufnehmen und für optimalen Lichteinfall sorgen. Dadurch eröffnen sich Bewohnern oder Besuchern Ausblicke auf Burg und Göltzschtalbrücke, die gegenwärtig nur durch Maueröffnungen oder einige Fenster zu erahnen sind. Nach alten Bildern könnte auch der Orchestersaal im Keller wieder entstehen und für Kultur genutzt werden. Doch das sei etwas für die nahe Zukunft, so in etwa fünf Jahren.


Auf dem Grundstück wurde Wildwuchs gerodet. Christoph Zöbisch: "Hier war alles zugewachsen und kein Durchkommen mehr. Einige Bäume waren bereits kaputt. Wir wollen die Natur in überschaubarem Maß erhalten und dafür einen großen Garten anlegen, Bäume mit einheimischen Obstsorten, Wildblumen, ein wenig Obst und Gemüseanbau." Er hatte sich nach Entfernung der Bäume in den Ausblick verliebt und möchte die freie Sicht so gut es geht erhalten. Durch sein selbstständiges Dienstleistungsunternehmen in Sachen Bauhandwerk bringt er viel Bauerfahrung sowie gute Kontakte zu Handwerkern mit. Das erleichtere, das Haus möglichst schnell aus dem Dornröschenschlaf zu erwecken.

Dass die beiden dieses Gebäude erworben haben, hat gute Gründe. Bianca Böttcher: "Wir haben Interesse für Geschichte, leben nachhaltig und möchten Leute motivieren, für diese Art zu leben." Bei den Nachbarn seien sie auf offene Ohren gestoßen. Das Paar ist zuversichtlich, dass am Jahresende wieder Leben einzieht.

Die neuen Eigentümer suchen noch weitere Informationen zu ihrem Haus und zu dessen Nutzung. Wer Bilder aus der Sternwartenära oder andere Fotos in Zusammenhang mit dem Komplex hat, kann sich unter Telefon 0172 5712418 melden. Die Eigentümer interessieren sich auch für den Verbleib des 150-Millimeter-Teleskops der Marke Carls Zeiss Jena. Sie sind auch an einem baugleichen Gerät interessiert.


Im Stil der Neuen Sachlichkeit

Der Neubau entstand 1930 im Stil der Neuen Sachlichkeit für die bestehende Orchesterschule. Dort erfolgte eine Ausbildung von 14- bis 18-Jährigen zu Orchestermusikern. Rudolf Ladewig war der Architekt. In der Bauakte steht zudem der Name Feiler, der jedoch nicht mit dem Baumeister Curt Feiler identisch sein muss. Die Einweihung: am 6. März 1930. 45 Schüler aus ganz Deutschland lernen 1932 dort. 1944 wurde die Schule stillgelegt. Die Wiederbelebung scheiterte 1945. Umsiedler zogen ein. 1953 mietete sich die Firma Rossbach ein. Ab 1957 wurde die Schulsternwarte eingerichtet. Auch als Schulhort wurde das Haus genutzt. Nach 1989 wurde die Technik ausgebaut. Mehrere Eigentümer folgten, dann der Verfall. Christoph Zöbisch und Bianca Böttcher sind seit 2017 Eigentümer. (pstp)

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