Handelskonzept stärkt die City und schließt Wildwuchs aus

Das Reichenbacher Zentrum steht mit seinen Läden gut da. Doch ein Problem ist die Hängepartie um die alte Hauptpost. Im Gewerbegebiet "Alte Ziegelei" gibt es einen Stopp für ganz bestimmte weitere Ansiedlungen.

Reichenbach.

Die Stadt Reichenbach schreibt ihr Einzelhandels- und Zentrenkonzept aus dem Jahr 2013 fort. Laut Wirtschaftsförderer Tobias Keller sei das nach der 2016 erfolgten Fusion mit Mylau erforderlich. Den von der Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung (GMA) erarbeiteten Entwurf vom August 2019 hat der Stadtrat jetzt beschlossen. Als wichtigste Ziele werden dabei die Stärkung der Innenstadt und die Sicherung der wohngebietsnahen Versorgung formuliert.

In Reichenbach gab es im Mai 2018 188 Betriebe im Ladeneinzelhandel und im Lebensmittelhandwerk mit 42.835 Quadratmetern Verkaufsfläche, 60 davon im Bereich Nahrungs- und Genussmittel. Mit 77 Betrieben nimmt die Innenstadt dabei eine prominente Stellung ein. Seit 2013 verlor sie allerdings elf Geschäfte. Negativ wirke sich die Hängepartie um die alte Hauptpost aus. Entgegenzuwirken sei Leerständen, wie es sie zunehmend in der Zwickauer Straße und Bahnhofstraße gibt. Bestehende Läden seien aufzuwerten, das Angebot zu ergänzen und Läden mit hoher Kundenfrequenz, unter anderem im Lebensmittelbereich, anzusiedeln.

Für weite Teile der Kernstadt ist eine fast flächenendeckende Nahversorgung gewährleistet, schätzt die GMA ein. Die Wohngebiete verfügten über mindestens einen fußläufig erreichbaren Lebensmittelmarkt. Nahversorgungszentren sind an der Zwickauer Straße, Lengenfelder Straße und Albert-Schweitzer-Straße sowie in Mylau vorhanden. Handlungsbedarf wird speziell an der Albert-Schweitzer-Straße gesehen, da der Lebensmittelmarkt dort mit rund 700 Quadratmetern eine nicht zeitgemäße Verkaufsfläche hat. Er sei in der Gebäudestruktur gefangen. Eine potenzielle Erweiterungsfläche wird deshalb gegenüber ausgewiesen, wo aktuell Garagen stehen. Lücken in der Nahversorgung bestehen dagegen in abgetrennten Ortsteilen wie Friesen, Rotschau, Cunsdorf oder Brunn.

Formuliert wurde eine Liste zentrenrelevanter Sortimente. Der Bogen spannt sich dabei von Bekleidung, Lederwaren, Büchern und Schreibwaren über Sanitätswaren, Kinder- und Sportartikel oder Heimtextilien, Haushaltswaren und bis zu Uhren, Schmuck, Computer und Tiernahrung. Darauf bauen Beschränkungen auf: Betriebe mit zentrenrelevantem Einzelhandel, die nicht im Segment Nahrungs- und Genussmittel agieren, sind ab 100 Quadratmetern Verkaufsfläche an Nahversorgungsstandorten auszuschließen. Und im Gewerbegebiet "Alte Ziegelei", in dem allein schon der Obi-Baumarkt mit über 9000 Quadratmetern 21 Prozent der Verkaufsfläche der Gesamtstadt einnimmt, soll die weitere Ansiedlung nahversorgungs- und zentrenrelevanter Sortimente nicht genehmigt werden.

Das jährliche einzelhandelsrelevante Kaufkraftvolumen der Einwohner von Reichenbach ohne Umland beziffert die GMA auf rund 104,6 Millionen Euro. Tendenz: sinkend. 64,9 Millionen Euro davon gebe die Wohnbevölkerung tatsächlich in der Stadt aus, was einer Kaufkraftbindung von rund 62 Prozent entspricht. Auswärtige Kunden sorgen zudem für 47,6 Millionen Euro Umsatz in Reichenbach.

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