Happy End: Desdemona soll doch nicht sterben

Das Impuls-Festival ist in Reichenbach gestartet: Mit zwei verschiedenen Ausgängen des Schauspiels "Othello" nach Shakespeare inszenierte das Neuberin-Ensemble eine eigene Version des Klassikers. Zudem bekam ein Narr eine Rolle im Drama.

Reichenbach.

Vier der sechs Figuren des Theaterklassikers "Othello" von William Shakespeare sind am Ende tot: Zumindest in der Originalfassung ist das so, die es am Donnerstag, zusammen mit einem weniger blutigen Ende, gespielt vom Neuberin-Ensemble, auf der Bühne des Neuberinhauses zu sehen gab.

Das weniger blutige Ende des Dramas hat sich Annegret Thalwitzer, Leiterin des Ensembles, ausgedacht. Die Regisseurin hat sich auch an anderer Stelle vom Original entfernt. Beispielsweise führt ein Narr als Moderator das Publikum, was auch hilfreich war, denn für das in 90 Minuten erzählte Stück brauchen andere Bühnen auch gern viel länger. Es galt also, die Protagonisten gleich zu Beginn der ersten Szene des ersten Akts vorzustellen. Die Zuschauer konnten so bei insgesamt 13 Darstellern den Überblick behalten. Die heimliche Hochzeit des Helden Othello, der in Shakespeares Stück als dunkelhäutiger Feldherr beschrieben ist, mit der Tochter aus gutem Hause, Desdemona, sowie eine weitere Szene, verlegte die Ensemble-Leiterin mit kurzen Videoeinspielungen im Hintergrund vor das Netzschkauer Schloss.

Jörg Teichmann spielte den Feldherrn Othello. Er malte sich zu Beginn der ersten Szene einen schwarzen Fleck auf die Wange - mit den Worten "das muss reichen". Von dem Fleck sagte Othellos Frau Desdemo (Minona Löscher) ein paar Szenen später, als Othellos Eifersucht und Hass gegen seine Gemahlin bereits geschürt waren, doppeldeutig: "Du hast da etwas Schwarzes." Ihr Versuch, das Schwarze aus dem Gesicht und der Seele des Gemahls zu entfernen, war jedoch, so wollte es die Original-Vorlage, zum Scheitern verurteilt.

In dem Stück geht es um Intrigen, Hass, Eifersucht und am Ende um Mord. Das Stück spielt anfänglich in Venedig, später auf der Insel Zypern. Dorthin sollte sich Othello begeben, um angreifenden Türken, die dann aber einem Sturm zum Opfer fallen, abzuwehren. Othellos Gegenspieler heißt Jago. Er ist mit der Kammerzofe Emilia verheiratet. Jago spielt den Beleidigten. Er fühlt sich bei einer Beförderung übergangen und will sich rächen, indem er durch Intrigen Othello Glauben macht, seine Frau betrüge ihn, weshalb Othello seine Frau erwürgt. Als die Wahrheit ans Licht kommt, ist es zu spät. Othello richtet sich selbst.

Als dann vier Darsteller bereits ermordet verstreut auf der Bühne lagen, sprang der Narr dazwischen, ließ die Szene erstarren und meinte zum Publikum gewandt: "So etwas schauen sie sich an? Schön ist das nicht! Immer diese Effekthascherei." Dem Kriegsherren Othello, der aus Eifersucht seine Frau erwürgte, attestierte der alles erklärende Narr eine posttraumatische Belastungsstörung, vermutlich durch die Kriegserlebnisse ausgelöst. Die Darsteller springen ein paar Szenen zurück und lassen die Kammerzofe Emilia ihre aufklärenden Worte über die tatsächlichen Begebenheiten, die zur Wahrheitsfindung beitragen, eher sprechen.

Mit dem Shakespeare-Stück eröffnete das Neuberinhaus das Impuls-Festival, eine über vier Tage dauernde Veranstaltungsreihe, gestaltet von Amateurdarstellern. Drei weitere Theaterstücke sowie eine Wiederholung des "Othello" am Sonntag, 17 Uhr gehören zum Programm. www.neuberinhaus.de

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