Heiteres rund um die Kartoffel

Rückschau war am Samstag in Gündels Kulturstall angesagt. Die 300. Verkostung stand auf dem Programm. Sogar eine Prinzessin war da.

Rotschau.

Die 300. musikalisch-literarische Kartoffel- und Weinverkostung ging am Samstag im Kulturstall Gündel an der Schwarzen Tafel in Rotschau über die Bühne. Neben anderen Besuchern waren auch Vertreter der Politik, des Bauernverbandes, des Tourismusverbandes, des kooperierenden Vereins Knollenring und die vogtländische Kartoffelprinzessin Selina I. gekommen.

Ein paar Zahlen, die Kartoffelpapst Ulrich Gündel zu Beginn verkündete, ließen aufhorchen: In den vergangenen Jahren erlebten 15.000 Gäste das Programm. "Wir haben ihnen quasi 299 Tage und damit fast ein ganzes Jahr unseres Lebens geschenkt", sagte er. Mit "wir" meinte er die Besatzung des Kulturstalls, den Sohn Swen leitet. Er verwies auch auf die Band Vinotheker, die aus ehemaligen Studenten der Landwirtschaftlichen Fakultät der Universität Halle besteht und durch Ehefrau Birgit und Sohn Swen Gündel erweitert wurde. Zur Veranstaltung waren weitere ehemalige Mitstudenten wie Gabi Zimmermann mit ihrer Geige oder Udo Weber, ein Akkordeonspieler, gekommen.

Gündel erinnerte an die Anfänge der Kartoffelverkostungen, die noch in die Studienzeit vor fast 40 Jahren fielen. Lehrkräfte der Fakultät hatten damals alte Kartoffelsorten im Garten angebaut und Studenten zur Verkostung eingeladen. Die Studenten hatten die Band Acker-Folk auf die Beine gestellt. Zu ihr gehörten Ulrich Gündel, Holger Streit und Gerald Tomat, die heute nicht nur zusammen musizieren, sondern sich auch um den Kartoffelanbau des Unternehmens kümmern. Gerald Tomat und seine Frau Edda, die Kartoffelzüchtung studiert haben, züchteten zum Beispiel die im vorigen Jahr erstmals geerntete König-Albert-Kartoffel, die in der Küche des gleichnamigen Hotels in Bad Elster verwendet wird.

Nachdem Ulrich Gündel den ehemaligen Kuhstall im elterlichen Bauernhof ausgebaut hatte und der Platz von 18 Kühen zum Feierlokal wurde, suchten die Studenten von einst nach einem neuen Betätigungsfeld. "Wir hatten unseren Platz in der Gesellschaft gefunden, die Kinder waren groß, Häuser gebaut. Da kamen wir auf die Idee, uns alte Kartoffelsorten wie in Halle zu besorgen", erzählte Ulrich Gündel. Was 2004 mit acht Sorten startete, entwickelte sich rasch weiter, mit den Verkostungsveranstaltungen, Kartoffellesen wie zu Omas Zeiten, Kartoffelmärkten, einem kleinen Hofladen und Internetversand. Sie nahmen an der grünen Woche teil, an Märkten oder Festen. Es gibt eine Website mit Knollywood-TV.

Für Heiterkeitsausbrüche sorgten an dem Abend auch Filmausschnitte, zum Beispiel vom Besuch des russischen Geheimdienstes in Rotschau, gespielt vom Kulturstallteam, aufgenommen und geschnitten von Engelmann Design in Auerbach. Zur Verkostung wurden die vier Sorten Linda, La Bonnotte, Vogtländische Blaue und Blauer Schwede mit Beilagen wie Frischkäse, Kräuterbutter, Leinöl oder Leberwurst gereicht, alle noch erdwarm, weil frisch geerntet, wie Gerald Tomat versicherte. Dazu gab es Weine von Weingütern, die die Kartoffelexperten selbst besucht und ausgewählt hatten.

Bei den witzigen Liedern sprang der Funke schnell über, auch als Ulrich Gündel in Verkleidung eines griechischen Gefolgsmannes musikalisch sein Leid klagte.

Die 301. Veranstaltung folgt am 7. September.

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