Helfer fürs Ibug-Festival im Einsatz

Im Gelände des ehemaligen Bahnbetriebswerkes in Reichenbach wird emsig gearbeitet. Zum Beispiel an Wegen, Geländern - und einem Skaterpark.

Reichenbach.

Ein mit Schutt beladener Radlader transportiert Müll aus einem Gebäude. Auf dem Haufen liegen Kabelenden, alte Metallteile, Rohre und jede Menge Steinen und Beton. "Vorsicht, hier ist ein Loch", ruft jemand. Ein Blick in den Abgrund offenbart Bauschutt. Die etwa zehn Leute, die an Aufräumungsarbeiten in diesem Teil des riesigen Geländes beschäftigt sind, strahlen Ruhe und Zuversicht aus, auch wenn Petrus ab und an ein paar Tropfen vom Himmel schickt, der Boden an manchen Stellen aufgeweicht ist und sich neben dem Weg ein kleiner See bildet.

Es ist Samstagmittag auf dem Gelände des ehemaligen Bahnbetriebswerkes in Reichenbach. Rund 30 freiwillige Helfer für das Projekt Industriebrachengestaltung (Ibug) sind seit drei Stunden mit Entkernung, Beräumung, Bauarbeiten oder Kochen beschäftigt. Es sind gestandene Teilnehmer dabei, die schon bei anderen Ibug-Projekten Hand anlegten, aber auch Neulinge. Sie kommen aus Dresden, Leipzig, Chemnitz, Hannover, Berlin...


"Ich bin aus Reichenbach und studiere in Erfurt", sagt Rika Neumann. "Es waren schon ab und zu Leute von hier da. Heute eher nicht", ergänzt Christin Haupt, die zum Kernteam gehört und mit Anne-Sophie Rettel die Helfer koordiniert. "Bei Facebook habe ich gelesen, dass Helfer gesucht werden, deshalb bin ich hier. Ich finde toll, dass so eine coole Sache in Reichenbach stattfindet. Dazu will ich etwas beitragen, denn so etwas steht und fällt mit Leuten, die freiwillig etwas beitragen wollen", verrät Rika Neumann. Das Gelände kannte sie vorher nicht und sie hatte auch keine Vorstellung, was dort zu tun ist. Auch die Ibug on tour 2018 im Woba-Neubau auf dem Solbrigplatz habe ihr gefallen. "Ich wurde richtig nett empfangen, dann ging es gleich los. Man fühlt sich schnell wie in einer großen Familie", findet die Reichenbacherin. Warum fehlen Leute aus der Stadt? Rika meint: "Die Gründe können vielschichtig sein. Manche trauen sich vielleicht nicht, oder sie kennen das Projekt nicht." Während sie noch nachdenkt, heult eine Kettensäge auf. "Die sägen den Lichtmast weg, der auf die Hütte gefallen ist", klärt Thilo aus Leipzig auf. Er nimmt mit lautem Krachen ein Blech von einer Grube, die verfüllt werden muss. "Ich war im vergangenen Jahr das erste Mal bei der Ibug dabei und wurde vom Team gleich adoptiert. Familie trifft es schon gut, aber ich bin auch wegen der Kunst dabei", erklärt er. Der Radlader kehrt zurück und wartet auf eine neue Füllung. Rika zieht ihre Handschuhe wieder an und läuft mit den beiden Koordinatorinnen den so genannten Fluchtweg entlang. Der besteht aus Schotter und ist sehr uneben. "Das ändert sich noch. Trotzdem sollten die Besucher Ende August festes Schuhwerk anziehen", meint Anne-Sophie Rettel.

An der ehemaligen Reparaturhalle begrüßt Sören Lohse aus Wittgensdorf die Ankömmlinge. "Ich baue ein Geländer für die Bühne. Die Heizungsrohre dienen als Stempel, die Stahlrohre werden verschweißt", klärt er auf und berichtet, dass seine Mitstreiter fast alle aus der Veranstaltungsbranche kommen. "Hier können wir anwenden, was wir von Messen oder Festivals kennen. Man darf sich ausprobieren, keiner kommandiert einen herum. Das ist wie eine kleine anarchistische Insel, sonst wäre ich nicht hier. Es gibt nur eine Wissenshierachie", sagt er. Dann erklingt das Geräusch der Metall trennenden Flex.

Rika biegt zu einer anderen Gruppe ab. Die beiden Koordinatorinnen bleiben bei einer kleineren Drehscheibe stehen. "Unser Skaterpark wird professionell gebaut", verrät Christin Haupt. Die Experten sind Friedrich Hartung und Hannes Hendrich, zwei Thüringer. "Spencer hat sich alles ausgedacht, wir setzen seine Vision um", sagt Hannes, selbst Skater und sehr an der Anlage mit 18 Metern Durchmesser interessiert. Dann geht es um Fachjargon wie Bowl, dem Vulkan in der Mitte und die Verbindung von Sport mit dem künstlerischen Aspekt.

Beim Mittagessen, es gibt Kartoffelsuppe mit Wienern, treffen sich alle wie in Mutters Küche. Christin erklärt noch einmal, dass jede helfende Hand gebraucht wird, und sei es zum Vorbereiten der Mahlzeiten. Wer mithelfen will, kann eine Mail an helfen@ibug-art.de senden.

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